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Viersen
Architekt legt Gutachten zu Stift vor

Viersen. Wolfgang Jansen, der als Architekt den Umbau des Irmgardisstifts geleitet hat, wehrt sich gegen die Einschätzung des Caritas-Verbands. Dieser hatte erklärt, dass in dem Objekt Brandschutzmängel vorliegen. Das Haus wurde geräumt. Von Daniela Buschkamp

Das Ringen um die Brandschutzmängel im denkmalgeschützten Irmgardisstift geht weiter. Wolfgang Jansen, der sich von 1992 bis 1994 als bauleitender und planender Architekt (in der Architektengemeinschaft JE&P) für den Umbau des Denkmals zum Altenheim mit verantwortlich zeichnete, wehrt sich gegen die Darstellung des Caritasverbands der Region Kempen/Viersen und des Projektsteuerers Ansgar Wiesemann. "Es gab dort keine gravierenden Brandschutzmängel, die eine Räumung erforderlich machten", sagt Jansen mit Hinweis auf eingeholte Gutachten. In einem Gespräch mit unserer Redaktion äußerte er seine "Betroffenheit über den Stand der öffentlichen Diskussion". Diese gebe in seinen Augen die "tatsächliche Situation im Objekt unrichtig und unvollständig" wieder.

In einem Brief an den Caritas-Verband hat Wolfgang Jansen über einen Anwalt um eine Stellungnahme gebeten. Erhalten hat er sie nicht. Nun behält sich der Süchtelner "rechtliche Schritte" vor. Dazu erklärt Georg Balsen als Sprecher des Caritas-Verbands: "Dem Caritasverband für die Region Kempen-Viersen liegt ein Anschreiben einer Rechtsanwaltskanzlei vor. Ob und gegebenenfalls wie der Caritasverband hierauf reagiert, wird juristisch geprüft."

Der Verband hatte Anfang Oktober das Altenheim im denkmalgeschützten Gebäude innerhalb von einer Woche geräumt: 45 Senioren mussten in dem benachbarten Neubau ziehen oder in andere Einrichtungen.

Der Verband will laut Sprecher Balsen prüfen, ob er den Neubau mit Pflegeplätzen und Wohnungen für Senioren auch ohne Altbau führen kann. Wegen des Um- und Neubaus droht ihm eine Finanzierungslücke in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro.

Wolfgang Jansen hat sich "stets persönlich für den Umbau des Stifts eingesetzt", das Objekt in seiner Heimat liege ihm am Herzen. Er verweist jetzt aber auf ein eigenes Gutachten. Jansen hatte deshalb mit Dr. Rainer Jaspers, Prüfingenieur für Brandschutz, Kontakt aufgenommen. Jaspers hatte das Gebäude am 8. Oktober - gemeinsam mit dem Förderverein St. Irmgardis - besucht. In einem mehrseitigen Schreiben kommt der Sachverständige aus Schwalmtal danach zu dem Fazit: "Konkrete Gefahren, die zu einer Räumung oder Nutzungsuntersagung eines Gebäudes führen, sind bei Gebäuden mit mindestens zwei baulichen Rettungswegen sowie Brandmelde- und Alarmierungsanlagen nicht beziehungsweise nur schwer nachzuweisen."

Bei seinem Gang über Erdgeschoss und Obergeschoss sei für Jaspers zwar erkennbar, dass "nach Beurteilung der baulichen und technischen Anlagen nach derzeit geltendem Recht Mängel vorhanden sind". Diese seien aber bei Beibehalten der durchgeführten Maßnahmen wie etwa im Erdgeschoss, "nicht so schwerwiegend und gravierend, dass hierdurch eine konkrete oder erhebliche Gefahr ausgelöst würde, die eine komplette Räumung hätte rechtfertigen können". Jaspers verweist darauf, "dass es sich um eine bestandsgeschützte bauliche Anlage handelt, für die eine rechtskräftige Baugenehmigung vorliegt". Er beruft sich dazu auf die Bescheinigung zur Bauzustandsbesichtigung, die keine Beanstandungen zum Brandschutz enthalten habe.

Auch bei den Protokollen zu den regelmäßigen Brandschauen der Feuerwehr oder den Prüfungen der Bauaufsicht sei ihm nicht bekannt, dass gravierende Mängel vorhanden gewesen seien.

Jaspers ist überzeugt davon, dass eine Räumung hätte verhindert werden können beziehungsweise sogar verhindert werden müssen, wenn es eine Kontaktaufnahme mit der Bauaufsichtsbehörde und dem durch die Caritas beauftragten Brandschutzsachverständigen gegeben hätte. Denn eine konkrete Gefahr hätte laut dem Gutachter "unter Beibehaltung der bereits vorhandenen baulichen und technischen Schutzmaßnahmen, die nun leider zerstört wurden - nicht nachgewiesen werden können".

Der frühere Brandamtsrat Hans Holtschoppen kritisiert zudem, "dass es für eine schnelle und rabiate Räumungsaktion keine plausible und nachvollziehbare Begründung gibt": "Es liegt keine baurechtliche Verfügung vor, es liegen auch keine Mängel- und Prüfberichte vor, die einen konkreten Gefahren-Tatbestand feststellen und das Vorgehen rechtfertigen", erklärt er. Stattdessen liege seit der Sanierung des Stifts 1990 eine "schadens- und störungsfreie Zeit" vor.

Zwar bleibe es dem Bauherren selbst überlassen, "was er mit seinen Anlagen macht, solange andere Menschen nicht geschädigt werden: Von diesem Recht hat der Bauherr durch massiven Rückbau intakter Brandschutzmaßnahmen Gebrauch gemacht", so Holtschoppen. So liege "nach der nicht nachvollziehbaren Rückbauaktion tatsächlich eine Gefahr vor, da der Urzustand vor der Sanierung wieder vorliegt", meint er.

Trotz dieser Vorwürfe und trotz des Gutachtens weicht der Caritas-Verband von der bisherigen Position nicht ab: "Der Vorstand des Verbandes bleibt bei seiner Einschätzung, dass es aus Verantwortung gegenüber den Bewohnerinnen und Bewohnern des Altbaus des Irmgardisstifts notwendig war, dieses Gebäude zu räumen", erklärt Georg Balsen. Und auch Ansgar Wisemann bekräftigt: "Ich bleibe bei meiner bisherigen Einschätzung."

Quelle: RP
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