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Niederkrüchten
Auf Pendel-Kinder angewiesen

Niederkrüchten: Auf Pendel-Kinder angewiesen
Mit Einpendlern aus dem Wegberger Norden kann die Realschule Niederkrüchten ihre Schülerzahl mittelfristig halten. FOTO: Busch
Niederkrüchten. Die Rettung von Haupt- und Realschule hat der Gemeinde Niederkrüchten Zeit verschafft. Der demografische Wandel hält den Handlungsdruck aufrecht. Bedroht sind die Hauptschule und die Grundschule Oberkrüchten. Von Jochen Smets

Im September 2010 schrillten im Schulausschuss sämtliche Alarmglocken: Die Hauptschule und die Realschule seien akut in ihrem Bestand gefährdet, warnte Tilman Bieber, Schulentwicklungsplaner beim Bochumer Unternehmen komplan. Im Schulentwicklungsplan, den komplan damals vorstellte, wurden für das kommende Schuljahr gerade mal 39 Schüler als neue Fünftklässler für die Realschule prognostiziert. Nötig wären 56. Dennoch entschied der Rat nach hitzigen Diskussionen, für den Erhalt von Realschule und Hauptschule zu kämpfen und nicht auf den vom Land gestarteten Modellversuch Gemeinschaftsschule zu setzen, den das Oberverwaltungsgericht Münster kürzlich für rechtswidrig erklärt hat.

Jetzt drei Eingangsklassen

Es folgte ein Kraftakt, in dem Schulen, Politik, Verwaltung und Elternschaft massiv die Werbetrommel für die weiterführenden Schulen der Gemeinde rührten. Mit Erfolg: Statt der prognostizierten 39 Neuzugänge steht die Realschule inzwischen bei 66 Anmeldungen und wird statt zwei sogar drei Eingangsklassen bilden, kündigte Schulleiterin Bärbel Buchwald an. Aus der Hauptschule meldet Schulleiter Jakob Mülstroh 24 Anmeldungen – ebenfalls ein deutliches Plus (komplan-Prognose 2010: 19).

Die Stabilisierung der Realschule hängt auch damit zusammen, dass es der Gemeinde gelungen ist, in Merbeck und Arsbeck Eltern für die Niederkrüchtener Realschule zu begeistern. 20 Anmeldungen kommen aus dem Wegberger Norden. Wenn es gelingt, diese Einpendlerzahlen zu stabilisieren, könne die Realschule weiterhin mit konstanten Schülerzahlen rechnen, so Bieber. Allerdings bleibt der Handlungsdruck zumindest mittelfristig hoch. Aufgrund des demografischen Wandels werden die Schülerzahlen an den drei Niederkrüchtener Grundschulen von derzeit rund 600 auf 510 bis zum Jahr 2015 zurückgehen. Vor allem die Grundschule Oberkrüchten sei dann gefährdet, so Bieber.

Auch die Hauptschule, die auf Einpendler aus Brüggen angewiesen sei, hänge "am seidenen Faden". Es bleibt das strukturelle Problem, dass bisher nur ein Drittel der einheimischen Eltern ihre Kinder für eine weiterführende Schule in der Gemeinde anmelden. Zwei Drittel der Grundschulabgänger wechseln auf eine Gesamtschule oder ein Gymnasium außerhalb. Anja Degenhardt (Grüne) warb dafür, "sich frühzeitig Gedanken zu machen und eine langfristige Lösung zu finden". Dabei sollten alle Parteien und die Verwaltung "konstruktiv, zielführend und undogmatisch zusammenarbeiten", sagte Hans Ulrich Kneip (CWG). Johannes Wahlenberg (CDU) warnte vor Schnellschüssen.

Gespannt blicken Politik und Verwaltung derzeit nach Düsseldorf, wo die rot-grüne Landesregierung, möglichst im Konsens mit der Opposition, ein neues Schulgesetz einbringen will.

Quelle: RP
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