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Schwalmtal
Auf Zeitreise in der Heimatstube

Schwalmtal. Von Vereinsbüchern über Statuten bis zu Stammbäumen: In der Heimatstube Waldniel wird die Geschichte bewahrt. Und weil früher nicht alles katalogisiert worden ist, finden sich dort immer wieder Überraschungen Von Birgit Sroka

Es sind Dokumente, die viel über das Leben in Schwalmtal und Waldniel verraten. Es sind Papiere, die verstaubt in einem Regal lagen und in eine andere Zeit entführen. Es sind Unterlagen, die nun in der Heimatstube entdeckt wurden, als man dort ein neues Regal aufbaute. Klaus Müller und Eberhard Zechlin (1. Vorsitzender) vom Heimatverein sind beispielsweise stolz auf den Nachlass des Obst-Gartenbauvereins, der sich früher in der Gaststätte Stehr traf. Im Vereinsbuch von 1914 bis 1950 sind sämtliche Aktivitäten aufgezeichnet. Auch ein Kassenbuch von 1933 ist im Besitz des Heimatvereins. Auf Holztafeln wurden damals noch mit Kreide die wichtigsten Termine eingetragen. Diese Tafel stand in der mittlerweile geschlossenen Gaststätte.

"Wir sind auch im Besitz der Statuten der Gesellschaft Erholung", freut sich Klaus Müller. "Die muss es schon 1887 gegeben haben, die Statuten wurden 1889 erstellt. Der Zweck der Gesellschaft war das gemütliche Zusammensein. Politische Bestrebungen waren gänzlich ausgeschlossen." Der Vorsitzende der Gesellschaft Erholung war Bartholomäus Rosbach, Schriftführer war der damalige Besitzer der Textilfabrik Rumpus, Peter Hoster. "Hier sind einige Schätze im Haus", sagt Müller. "Man hat die früher nicht katalogisiert. Das sind immense historische Werte."

In der Heimatstube befinden sich Fotoalben von Besuchen der Schützenbruderschaften, eine Wegekarte von Kevelaer bis in die Eifel, Pins und ein Metallschild der Schlossbrauerei, ein Alkoholmesser in einer Holzschatulle sorgsam geschützt.

In jeder Ecke finden sich Dinge, über die Müller einiges erzählen kann. Aus dem Nachlass des Lehrers Hubert Pötter finden sich in der Heimatstube zwei Bilder und Bücher. Pötter schrieb viel über die Historie von Waldniel. "Wenn man etwas über Waldniel wissen möchte, kommt man nicht drum herum zu lesen, was er geschrieben hat." Ein Anekdötchen hat er zu erzählen: "Der ehemalige Bürgermeister Heinrich Jennissen besuchte jeden Verein. Daher gab es die geflügelte Aussage 'keine Feier gewesen, ohne Bürgermeister Jennissen'."

Die Genealogie der Familien Levy und Cahn befindet sich in der Heimatstube. Die beiden jüdischen Familien wohnten in Waldniel. Die einzige Überlebende der Familie war Helene Winter-Cahn, die nach Roermond flüchtete. Von ihr gibt es das Schulentlasszeugnis aus dem Jahr 1919 und ein Foto mit Vita. All diese Funde werden themenmäßig sortiert und demnächst gibt es in der Heimatstube eine Führung. Ein Abstecher lohnt sich also. Auch während des Weihnachtsmarktes am 4. Dezember. Denn dann ist auch die Heimatstube geöffnet.

Quelle: RP
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