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Brüggen
Aufruhr auf dem Spielplatz in Brüggen

Brüggen. Auf dem Spielplatz Birkenweg/Ecke Lindenweg kamen gestern mehr und mehr Bürger zusammen, um ihrem Ärger Luft zu machen: Die Gemeinde will dort ein Flüchtlingsheim bauen - die Anwohner sind dagegen Von Birgit Sroka

Rund 80 Anwohner hatten sich Freitag auf dem Spielplatz Birkenweg/Ecke Lindenweg versammelt, um ihr Unverständnis und ihren Unmut mitzuteilen. Etwa 20 Kinder spielten währenddessen auf der Anlage. Der Gemeinderat hatte im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Ratssitzung entschieden, dieses Gebiet für eine Bebauung zunächst für Flüchtlinge und später für Brüggener Bürger bereitzustellen. Bürgermeister Frank Gellen teilte ein paar Tage später mit, dass dieser Beschluss nun doch auf Eis gelegt werden und erst eine Bürgerversammlung stattfinden solle. Und die wurde auf dem Spielplatz gestern zum Teil bereits vorgezogen, und fast alle Fraktionen zeigten Präsenz.

Erwin Nasarzewski, ehemaliges Ratsmitglied, teilte mit, dass die Bürger sich übergangen fühlten. "Wir haben untergründig gehört, dass der Platz bebaut werden soll. Wir wollen für die Erhaltung plädieren." Einige Bürger meldeten sich danach zu Wort und zeigten meist deutlich ihre Verärgerung. Hierbei ging es nicht nur um den Erhalt des Spielplatzes und des Baumbestandes als wichtige Fläche für die Siedlung. Wolfgang Bonsels argumentierte, dass im Gebiet Neubaumaßnahmen speziell für Familien und Kinder geplant seien.

Die Anwohner äußerten ihren Missmut darüber, dass einige Politiker der Meinung sind, dass der Spielplatz nicht genutzt würde. Rainer Franke erwartete, dass sich die Verwaltung und die Fraktionen für die Kinder und damit "für unsere Zukunft entscheiden". Torsten Nobis bezweifelt, dass der nicht-öffentliche Ratsbeschluss rechtens sei und sagt: "Mir geht es darum, dass die Nachbarn erfahren, wie scheinheilig eine kommunale Verwaltung sein kann." Er begründet seine Meinung mit Gerichtsurteilen zur Regelung nicht-öffentlicher Ratsbeschlüsse. Nicht nur er fordert die Einsicht in den nun ruhenden Ratsbeschluss. Ein Anwohner regte sogar an, den Rat rechtlich zu belangen. Er erhielt Applaus und die Stimmung kochte.

Am 19. Mai habe eine Anwohnerin vom Bürgermeister auf Nachfrage die Antwort erhalten, dass die lange bestellte Rutsche nun aufgestellt werden solle. Die Anwohner beklagten, dass Spielgeräte abgebaut wurden und der Platz nicht mehr gepflegt wurde. "Hier stand das Gras bis vor kurzem meterhoch, und dann wird argumentiert, dass hier keine Kinder spielen." Im Hintergrund hört man Leute fragen: "Wollen die uns an der Nase herumführen?"

René Bongartz (Grüne) wies darauf hin, dass nun die Phase beginne, in der die Öffentlichkeit einbezogen würde und erklärte die baurechtlichen Schwierigkeiten der Gemeinde, für die dringend notwendigen Gebäude passende Grundstücke zu finden. Die Anwohner befürchteten trotz Wegfall anderer Unterkünfte eine Ghettobildung. "Das kommt mir vor wie eine Märchenstunde", protestierte Edgar Mündel. "Es sind keine 290 Meter Luftlinie zur geplanten Unterkunft am Eichenweg."

Und Stefan Stelten dazu: "Vor einem Jahr hat der Bürgermeister gesagt, es gäbe keine Nachverdichtung. Keiner hat gedacht, dass 300 Meter weiter nun ein Spielplatz für ein weiteres Gebäude weggemacht werden soll. Man hat uns dahinten bevormundet und das passiert hier wieder." 140 Flüchtlinge innerhalb eines so kleinen Gebietes seien zu viel. Die Anwohner erwarteten eine gerechtere Verteilung auf alle Ortsteile.

Ein Bürger fragte, warum sich die Verwaltung so vehement für die Nutzbarkeit der Turnhalle einsetze und hier ein wichtiger Treffpunkt für Kinder und Erwachsene beseitigt werden solle, wo doch ein Spielplatz auch der beste Platz sei, ausländische Familien in die Siedlung zu integrieren? Viele Stimmen wollten wissen, wer der Investor sei, der auf dem Spielplatz bauen wolle und melden sich der Reihe nach sarkastisch zu Wort: "Ich will hier auch bauen." "Wir auch, aber das geht wohl nur, wenn man genug Geld hat." Eine Anwohnerin fragte die Ratsmitglieder: "Wir zahlen Steuern und sie wollen uns hier Leute hinsetzen, die auf unserem Spielplatz sitzen?" Immer deutlicher wurden die Stimmen der Anwohner, auch Johannes Weiß (CDU) bemühte sich, das Prozedere zu erklären. Die Anwohner fragten, warum nicht ein solches Gebäude auf dem Grundstück "In der Haag" gebaut würde und wurden immer aufgebrachter. Man wolle natürlich an der kommenden Bürgerversammlung teilnehmen und dort die Argumente vorbringen. Dennoch befürchteten viele, dass die Entscheidung nicht mehr abwendbar sei.

Quelle: RP
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