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Viersen
Auftakt der Süchtelner Vespermusiken

Viersen. Mit Horn und Orgel begannen die 35. Vespermusiken in der Stadtkirche. Wilhelm Junker spielte auf drei verschiedenen Hörnern begleitet von der Orgel.

Mit Jagd-Fanfaren wurde die neue Saison der Süchtelner Vespermusiken eröffnet. Die beliebten Konzerte in der evangelischen Stadtkirche haben eine lange Tradition; sie finden im 35. Jahr statt. Kombiniert wurden diesmal Horn und Orgel. Wilhelm Junker hatte drei Hörner mitgebracht.

Für drei Sätze aus verschiedenen Hubertus-Messen verwendete Junker ein Parforce-Horn. Das hat keine Ventile, weswegen sich von Hause aus nicht alle Töne auf ihm spielen lassen. Wie Junker demonstrierte, kann ein versierter Hornist das Defizit mit Hilfe der "Stopftechnik" überlisten. Dann verändert man die Tonhöhe, indem man mit einer Hand in den Schalltrichter greift. Damit verändert man allerdings auch erheblich die Klangfarbe.

Auf dem modernen Doppelhorn lassen sich dank der Ventile alle Töne mit gleicher Klangfarbe spielen. Das machte das Horn zu einem beliebten Instrument der Romantik. Authentisch, mit sicherem Ansatz und genauer Intonation interpretierte Junker typische Beispiele wie "Meditatione" von Oreste Ravanello oder "Andante" von Camille Saint-Saëns. Im Laufe der Jahre fand Junker Gefallen an der Variante des Alphorns. Das hat die imposante Länge von dreieinhalb Metern. "Suite Pastorale", eine Komposition des 1949 geborenen Carl Rütti, ließ erkennen, dass sich dem Instrument gleichermaßen alpine Folklore wie Moderne entlocken lässt. Reizvoll klangen die Echo-Effekte zwischen Alphorn und Orgel.

An der Orgel war Hans-Peter Kortmann nicht nur ein zuverlässiger Begleiter, sondern auch ein überzeugender Solist. Obwohl ihm mit der Oberlinger-Orgel kein besonders großes Instrument zur Verfügung stand, wusste er die stilistischen Anforderungen geschickt zu registrieren. Deutlich anders als beim barocken Georg Böhm (Choralvorspiel zu "Vater unser") klang es beim romantischen Rheinberger (Allegro moderato aus der vierten Sonate). Witzig, fast wie auf einer Wurlitzer-Orgel klang es bei Percy Fletchers "Festival Toccata".

Offiziell endete das Programm mit jazzigen Klängen, mit dem Spiritual "Joshua fit the battle of Jericho". Bei der Zugabe begab sich Junker noch mal an sein größtes Instrument - für Hans Jörg Sommers "The Spirit of Alphorn". Nebenbei: Trotz seiner Größe ist der Transport eines Alphorns unproblematisch. Das Instrument lässt sich auseinandernehmen und in einem Etui von der Größe eines Posaunenkoffers unterbringen.

(gho)
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