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Viersen
Auftrittsverbot: Keine Wildtiere im Zirkus

Viersen: Auftrittsverbot: Keine Wildtiere im Zirkus
FOTO: dpa, bsc
Viersen. SPD-Ratsherr Heinz Plöckes wirft der Viersener Stadtverwaltung "schlampige Arbeit" beim Umgang mit Anträgen aus der Politik vor. Denn nah dem Willen der SPD-Fraktion soll es für Zirkusse, die Wildtiere wie Tiger und Elefanten in der Manege präsentieren, in Zukunft keine Genehmigungen für Platzrechte mehr geben. Von Joachim Niessen

Beim nachlässigen Umgang mit dem Tierschutz versteht Viersens SPD-Ratsherr Heinz Plöckes keinen Spaß. Das bekam in der jüngsten Sitzung des städtischen Haupt- und Finanzausschusses auch Parteifreund und Bürgermeister Günter Thönnessen deutlich zu spüren: "Es ist ungeheuerlich, wie die Verwaltung bei der Bearbeitung von Anträgen mit der Politik umgeht", schimpfte Plöckes in Richtung der komplett versammelten Dezernenten-Riege. "Die Verwaltung soll der Politik helfen, dass Dinge in Viersen umgesetzt werden. Sie soll nicht versuchen, dies zu verhindern. Schließlich geht es in diesem speziellen Punkt um Tierquälerei."

Genauer gesagt, es geht um Auftritte von Zirkussen, die in Viersen unter anderem auch Wildtiere in der Manege präsentieren. Nach dem Willen der SPD-Fraktion soll es hierfür in Zukunft in der Kreisstadt keine Genehmigungen für Platzrechte mehr geben. Die Sozialdemokraten wollen erreichen, dass nicht weiterhin Wildtiere unter oftmals problematischen Bedingungen gehalten werden. "Es gibt kein Tier, das freiwillig durch einen brennenden Ring springt oder auf den Hinterbeinen im Kreis tanzt. Hier ist zuvor der Wille des Tieres gebrochen worden. Das ist Tierquälerei", so Plöckes.

Der Politiker und seine Partei fordern, dass Viersen einen Beitrag leistet, damit diese Praxis endlich der Vergangenheit angehört. Eine artgemäße und verhaltensgerechte Wildtierhaltung sei nicht möglich, da reisende Zirkusse häufig ihren Standort wechseln und die Tiere unter den Bedingungen der Haltung und Dressur leiden.

Deshalb stellte die SPD vor Wochen einen detaillierten Antrag, dass die Verwaltung eine Vorlage mit dem Ziel erarbeiten soll, die Satzung der Stadt zum Schutz der Tiere zu ändern. Dieses Papier - unterzeichnet von der zuständigen Dezernentin Beatrice Kamper - bekam die Politik nun präsentiert. Die beiden Knackpunkte der knapp halbseitigen Rathauserklärung: "Die Stellungnahme kommt zusammenfassend zu dem Ergebnis, dass nach aktueller Rechtslage (...) ein generelles Verbot für Zirkusse mit Wildtieren nicht zulässig sein dürfte." Und: "Das vorstehende Ergebnis der rechtlichen Prüfung ist nach Auffassung der Verwaltung so eindeutig, dass sich das Erfordernis zur Erstellung einer weiteren Vorlage zum vorliegenden Antrag nicht ergibt."

Vor allem dieser Satz sorgte bei Plöckes für heftige Empörung. "Es gibt Urteile von zahlreichen Gerichten, die unserer Forderung entsprechen", so der Sozialdemokrat, der der Verwaltung gleich ein ganzes Bündel an Entscheidungen vorlegte. "22 Kommunen in Deutschland, darunter auch Städte wie München oder Köln, sind auf diesen Weg aktiv. Und sie wollen den Viersener Bürgern und der Politik allen Ernstes erklären, dass hier im Sinn der Tiere und des Tierschutzes nichts mehr zu machen ist? Das ist für mich ungeheuerlich." Selbst wenn die Rechtslage nicht eindeutig sei: "Wir wollen als Politik der Stadt Viersen ein Signal setzen. Hierfür die Rahmenbedingungen zu erstellen, das ist als Verwaltung ihr Auftrag. Wir möchten eine Satzung für Viersen, in der steht, dass ein Zirkus mit Wildtieren in unserer Stadt nicht mehr auftreten darf. Das ist alles."

Breite Unterstützung erhielt Plöckes bei den anderen Ratsmitgliedern. CDU-Fraktionschef Stefan Sillekens gab ergänzend zu bedenken: "Ich glaube, dass hier nicht nur die Kommunen gefordert sind. Mit Blick auf Kreis, Land und Bund halte ich ergänzende Entscheidungen für dringend nötig."

Fazit: Zum einen sollen sich Politik und Verwaltung des Kreises nun ebenfalls mit dem Thema beschäftigen, zum anderen versprach Bürgermeister Thönnessen, dass die zuständigen Ämter in Viersen die städtische Vorlage noch einmal überarbeiten werden. Das Ergebnis wird dem Ausschuss wieder vorgelegt.

Quelle: RP
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