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Viersen
Augen öffnen für die Kunst in der Stadt

Viersen. Beim "Kunstimbiss" führte Jutta Pitzen von der Städtischen Galerie im Park die Teilnehmer zu Skulpturen, die viele Spaziergänger in Viersens Innenstadt übersehen. Ein kurzer Rundgang von St. Remigius bis zur Rektoratstraße Von Sigrid Blomen-Radermacher

Es ist August, Hochsommer. Doch nun regnet es. Sieben kunstinteressierten Menschen macht das nichts aus: Sie haben sich unter ihren Schirmen versammelt, um an einer kurzen Kunstführung in der Mittagspause teilzunehmen - am "Kunstimbiss", den die Städtische Galerie im Park regelmäßig anbietet. "Im Sommer gehen wir eigentlich immer einmal außer Haus", erklärt Jutta Pitzen von der Städtischen Galerie den Kunstfreunden. Sie hatte die Idee, mit ihnen einen kleinen Spaziergang zu unternehmen - von der Remigiuskirche bis zur Alten Lateinschule, vorbei an einigen Kunstobjekten im öffentlichen Raum.

Viersens Innenstadt ist reich an Skulpturen. Doch die Arbeiten, auf die Pitzen mit viel Fachkenntnis hinweist und die sie erläutert, übersieht der Spaziergänger schon mal: Sie sind versteckt, thronen auf dem Dach eines Hauses, hängen an der Fassade oder stehen unscheinbar auf einer kleinen Wiese.

Noch gar nicht so lange hängt die "Durchdringung" an der Fassade der Deutschen Bank am Remigiusplatz. Auf Betreiben der Viersener Familie Zaum wurde dieses Wandrelief aus Aluminium aus den 1970er-Jahren von Wolfgang Göddertz nach dem Abriss des Sparda-Bank-Gebäudes in Köln nach Viersen gebracht. Passend gemacht für die Fassade, wurde es von über 22 Metern oben und unten auf insgesamt 8,50 Meter verkürzt.

Auf dem Remigiusplatz selbst markieren fünf von Stefan Kaiser aus Viersen gestaltete Säulen die sechs Städtepartnerschaften, die Viersen in den vergangenen mehr als 25 Jahren eingegangen ist - mit je dem Wappen der Städte. Zugleich verläuft die Linie, an der die Säulen stehen, an genau der Stelle, bis zu der die ursprüngliche Bebauung des Platzes bis 1945 verlief.

Mönchengladbach bekommt sehr bald seine Esel, Viersen hat schon seit 26 Jahren seine Schafe: Drei Stück grasen ganz unaufgeregt auf einer kleinen Wiesenfläche zwischen Rektoratstraße, Rahser Straße und Süchtelner Straße. Sie stammen von dem Bildhauer Franz Maas, der für Dülken die "Mondgesichter" entwickelte.

Weiter geht es zur Rektoratsstraße 10. In diesem Haus waren ab 1860 eine jüdische Schule sowie ein Betsaal untergebracht. Als sich der Geschichtskursus des Städtischen Gymnasiums Dülken mit dem Nationalsozialismus in Viersen auseinandersetzte, regte er auch an, Gedenktafeln für die jüdischen Gemeinden anbringen zu lassen. Stefan Kaiser realisierte sie. Gleich zwei Kunstwerke begegnen dem Spaziergänger, der den Blick hebt, an und auf der Alten Lateinschule: Günter Zins lässt an der Ecke seinen Eckenwürfel auftauchen (und beinahe verschwinden) - ein wunderbares Spiel mit Leichtigkeit und Stabilität. Auf dem Dach hat Jan Harmening, Kunstgenerator-Stipendiat von 2012, den "Kabeljungen" zurückgelassen: Der hockt da sinnend und blickt auf Viersen, während sein Kabel um ihn herum fällt. Harmenings Erfahrungen als jugendlicher Kabelzieher werden Pate gestanden haben.

Durch das Tor zum Katholischen Kindergarten St. Hildegardis kann man einen Blick auf ein Relief werfen, das den Rest einer Krieger-Gedächtnisstätte für die Toten der im Ersten Weltkrieg Gefallenen darstellt. Eigentlicher Platz dafür war die Turmkapelle, doch das ungeliebte Relief ging auf Wanderschaft und fand schließlich im Kindergartenbereich seinen heutigen Platz.

Quelle: RP
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