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Viersen
Ausbildung mit Blick über den Tellerrand

Viersen: Ausbildung mit Blick über den Tellerrand
Am traditionellen Girls'- bzw. Boys'-Day nahmen in Viersen die Mädels die Eisensäge, die Jungen dafür die Lockenwickler in die Hand. FOTO: Busch
Viersen. Einmal als Junge die Lockenwickler in die Hand nehmen und als Mädchen zur Metallsäge greifen. Beim Girls'- und Boys'-Day nutzten zahlreiche Schülerinnen und Schüler das Angebot, in für sie untypische Berufe zu schnuppern. Von Bianca Treffer

In der Metallwerkstatt des Bildungszentrums Niederrhein (BZNR) der Kreishandwerkerschaft Niederrhein quietschen die Sägen unüberhörbar. "Gerade bei Anfängern geht es etwas lauter zu. Wenn man besser mit der Säge umgehen kann, dann wird es leiser", bemerkt Michael Mühlenberg mit einem Lächeln. Aber da um den Zweiradmechanikermeister herum zehn Anfängerinnen bei der Arbeit sind, geht es entsprechend laut zu. Das kann aber der Begeisterung, mit der die Mädels bei der Arbeit sind, keinen Abbruch tun. "Wir stellen einen Schlüsselanhänger aus Metall her und das ist cool", dokumentiert Cara (15 Jahre) die einzelnen Arbeitsschritte, die mit dem Aufriss der Herzkontur per Reißnadel auf dem Metallstück begannen und über die Lochbohrung, das erste grobe Aussägen bis hin zum Feilen auf Maß reichen.

Ein Stückweit in einen Beruf hineinschnuppern, der vielleicht nicht so ganz mädchentypisch ist, aber nichtsdestotrotz auch Mädchen viele Chancen bietet, das nutzten am traditionellen Girls'- bzw. Boys'-Day zahlreiche Schülerinnen und Schüler der unterschiedlichsten Schulen aus dem Kreis Viersen und der Umgebung. Denn nicht nur die Mädchen schnupperten in typische Jugendberufe, sondern es ging ebenso umgekehrt zu. Geschnuppert wurde dabei nicht nur im BZNR, sondern auch in vielen weiteren Unternehmen.

Aber nicht nur die Metallberufe locken die Mädchen im BZNR. Bei Kirstin Boscher dreht sich alles um das Maler- und Lackiererhandwerk. Die Maler- und Lackierermeisterin erklärt gerade, wie eine Tapetenbahn ordnungsgemäß eingekleistert wird. Nadine darf als erste zum Quast greifen. Zügig pinselt die 16-Jährige die Bahn ein, um sie dann vorsichtig an den dafür vorgesehen Übungsstellwänden anzukleben. Ein Lob von Boscher folgt. "Ich würde gerne eine Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk machen. Aber bislang gab es nur Absagen. Ich glaube, als Mädchen ist es nicht so einfach, in diesem Beruf eine Lehrstelle zu finden", meint Nadine und erzählt betrübt, dass sie schon acht Absagen erhalten hat.

FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Der Girls'-Day und die Möglichkeit, für einige Stunden in ihrem Wunschlehrberuf tätig zu sein, lassen die Hauptschülerin hingegen strahlen. Bei den Jungs stehen indes die Haare im Mittelpunkt. Friseurmeisterin Jennifer Hengstenberg zeigt am Übungskopf, wie Volumenwickler in Haare eingedreht werden. "Das sieht so einfach aus, ist es aber nicht", bemerkt Justin (14 Jahre), der etwas zögerlich mit Kamm und Wicklern hantiert. Neben ihm arbeitet Nico (14 Jahre) voller Konzentration. "Das ist schon nicht schlecht, einmal einen eher typischen Mädchenberuf kennenzulernen", kommentiert der 14-Jährige den Boys'-Day. "Ich muss feststellen, es macht Spaß, mit Haaren zu arbeiten. Das hätte ich nicht gedacht", sagt Felix (14 Jahre), der schon etliche Wickler ordnungsgemäß eingedreht hat.

Ein Stückchen weiter, in der Lehrküche des BZNR, sind neun Schüler mit dem Herstellen eines süßen Blumenbrotes beschäftigt. Teigkneten ist angesagt. "Ist der gut so?", möchte Jonathan (13 Jahre) wissen. Eine kurze Überprüfung von Koch Helmut Heimen und ein Nicken. "Wenn der Teig nicht mehr klebt und sich vom Greifgefühl her gleichmäßig anfühlt, dann ist er in Ordnung", erklärt der Fachmann. "Ich habe viel Spaß am Kochen und koche auch zuhause. Daher habe ich mich heute auch für dieses Berufsfeld entschieden", erzählt Steffen (14 Jahre), der mit der gleichen Begeisterung wie Jonathan bei der Arbeit ist.

Quelle: RP
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