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Viersen
Auszeichnung für Fledermaus-Wohnung

Viersen. Die NABU Gruppe Viersen zeichnet im Rahmen der Aktion "Fledermausfreundliches Haus" Bürger aus, die sich für die kleinen fliegenden Säugetiere einsetzen. Die erste Plakette ging jetzt an den Dülkener Hartmut Otto. Von Bianca Treffer

Wenn die kleinen schwarzen Kügelchen auf der Fensterbank liegen, freut sich Hartmut Otto. "Daran kann ich sehen, dass der Fledermauskasten angenommen wird. Es handelt sich bei den Kügelchen um den Kot der Fledermäuse", verrät er mit einem Schmunzeln. Hoch oben unter dem Dach hängt seit rund drei Jahren ein länglicher Holzkasten, der den Fledermäusen als Heimat dient. Als langjähriges NABU-Mitglied ist Otto schon seit Jahren für den Schutz von Umwelt und Natur im Einsatz. Dabei war es zunächst mehr der Bau von Kästen für Eulen, die den Dülkener beschäftigten. Vor rund fünf Jahren kamen dann die Fledermäuse hinzu. "Ich habe meinen Sohn, der Landschaftsplanung studiert hat, öfters bei der Fledermauskartierung geholfen", erzählt Otto. Im Rahmen einer solchen Aktion hielt er die erste Fledermaus in Händen und war fasziniert von den kleinen fliegenden Säugetieren. Daheim ging es direkt an den Bau der Fledermauskästen, die genauso wie die Hilfen für die Eulen an den unterschiedlichsten Stellen in der Natur aufgehangen wurden. Neben der Herstellung und dem Anbringen erfolgte die Pflege der Kästen. "Schließlich habe ich mir gedacht, jetzt musst du auch daheim unbedingt mal einen Fledermauskasten anbringen", berichtet Otto. Immerhin hatte er schon rund 50 der Kästen gebaut und konnte auch im heimischen Garten die Fledermäuse beobachten, wobei es sich hier um die Zwergfledermaus handelt.

"Fledermäuse haben es nicht leicht. Der Grund liegt in den klinisch reinen Gärten, die weder ein Nahrungsangebot beinhalten noch Unterschlupfmöglichkeiten bieten", sagt Manuela Menn, die in Viersen ehrenamtlich eine Fledermaus-Ambulanz betreibt und zudem die Fledermausbotschafterin NABU NRW ist. Nachtblühende Pflanzen, die in der Dunkelheit Insekten anlocken, sind kaum in Gärten vertreten. Dementsprechend gering ist die Ausbeute an Insekten, wenn die Fledermäuse bei ihren nächtlichen Flügen zwecks Nahrungsaufnahme unterwegs sind. Dazu kommt die Tatsache, dass Häuser an den Dächern wenig Nischen und damit keinen Unterschlupf anbieten. Beiden Problemen kann allerdings abgeholfen werden. Zum einem gibt es für die verschiedenen Fledermausarten entsprechende Fledermauskästen, die an Hauswänden angebracht werden können. Die Ost- oder Westseite ist dabei optimal. Wenn es sich um eine sonnengeschützte Südseite handelt, geht dies auch. Aber es darf nicht zu warm sein, das mögen die Fledermäuse genauso wenig wie zuviel Regen. Das Anpflanzen von Nachtblühern wie zum Beispiel Phlox, Lichtnelken und Nachtkerzen lockt Insekten und damit die Nahrung der Fledermäuse an. Eine solche Anlage funktioniert selbst in einem Blumenkasten auf dem Balkon. Ein anderes Problem, das die Fledermäuse trifft, ist das Überwintern. Nicht alle verlassen den Niederrhein. Die, die hier bleiben, benötigen in der Regel kühle, aber frostfreie Räumlichkeiten. "Alte Spechthöhlen, die tief genug in Bäume gehen werden so zum Überwintern angenommen", informiert Günther Wessels vom NABU. Bei Otto indes freuen sich Menn und Wessels über die Bereitschaft, den Fledermäusen ein stückweit Heimat anzubieten. Dafür gab es jetzt die Plakette "Fledermausfreundliches Haus", samt Urkunde, Fledermausbestimmungsbuch und zwei Samentütchen mit nachtblühenden Pflanzen. "Die werden natürlich jetzt im Garten ausgebracht", versprach Otto, der sich über die Auszeichnung freut und hofft, dass sich auch Nachbarn dem vom NRW-Umweltministerium geförderten Projekt "Fledermausfreundliches Haus" anschließen.

Quelle: RP
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