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Schwalmtal
Azubi mit Herz für Senioren

Schwalmtal: Azubi mit Herz für Senioren
Sebastian Pütz (l.) macht zurzeit eine Ausbildung zum Altenpfleger im Seniorenheim St. Michael. Dazu gehören auch Gespräche mit Senioren wie Wilhelm Kenkmann (90). FOTO: h. Ahlen
Schwalmtal. Was macht ein Altenpfleger? Zum "Tag der Pflege" stellt Sebastian Pütz (22) seinen Ausbildungsplatz im Seniorenheim St. Michael vor. Dort begleitet er Senioren im Alltag. Gespräche und Lachen gehören dazu, Trauer und Tod auch Von Daniela Buschkamp

Sebastian Pütz übersieht man nicht: Der 22-Jährige macht gern Krafttraining, besucht Heavy-Metal-Konzerte oder Festivals. Für ihn der ideale Ausgleich zu einem fordernden Beruf. Der Waldnieler steckt in der drei-jährigen Lehre zum Altenpfleger. An seinem Ausbildungsplatz, dem Seniorenheim St. Michael in Schwalmtal-Waldniel, ist er für viele der 90 Bewohner "Basti", ein Fels in der Brandung, der sie durch den Alltag begleitet. Dabei ist er selbst an seine Grenzen gestoßen: "Ich habe hier schon einige Menschen sterben sehen", sagt Sebastian Pütz.

"Basti, wie hat Borussia gespielt?" fragen ihn nicht nur die Männer in seiner Etage. Der Kontakt zu den Senioren ist das, was dem Lehrling an seiner Tätigkeit gefällt. Doch der 22-Jährige weiß auch: Es ist ein Kontakt auf Zeit. "Man muss lernen, damit umzugehen", sagt der Altenpfleger-Azubi. Dabei helfen ihm seine erfahrenen Kollegen, etwa Pflegedienstleiterin Tanja Blazetic: "Keine Frage: Im Seniorenheim gibt es das Leben, aber eben auch den Tod. Für viele ist es der letzte Lebensabschnitt." Durch professionelle Betreuung lernen die Pflegekräfte, mit diesen Verlusten umzugehen und Trauer zuzulassen.

Dass Sebastian Pütz eine Ausbildung zum Altenpfleger macht, liegt an Zufällen. Der Waldnieler hatte im Jahr 2013 am Berufskolleg Viersen-Dülken sein Fachabitur in der Sparte Informations- und Telekommunikationstechnik absolviert, fand aber keinen Ausbildungsplatz. Beim Bistum Aachen bewarb er sich für den einjährigen Bundesfreiwilligendienst und entschied sich für die Arbeit mit Senioren.

Scheu vor Älteren kannte er nicht: "Meine 98-jährige Urgroßmutter lebt im Haus meiner Eltern", erzählt Pütz. Sie leide an Alzheimer, müsse rund um die Uhr betreut werden. Oft hatte er sich mit ihr unterhalten.

Als "Bufti" merkte Sebastian Pütz, wie sehr ihm diese Tätigkeit gefiel: "Das ist mein Ding". Deshalb bewarb er sich um einen Ausbildungsplatz als Altenpfleger. Innerhalb von drei Jahren absolviert er neben der Schule praktische Einsätze. Neben dem Seniorenheim gehören dazu auch ein Krankenhaus, ambulante Pflege und die Psychiatrie. "Altenpflege ist - platt gesagt - mehr als Hintern abputzen", sagt Sebastian Pütz. Als Azubi reicht er Essen an, begleitet die Pflegerinnen bei der Tabletten- und Insulingabe oder hilft bei der Körperpflege. "Die Aufgaben verändern sich mit der Dauer der Ausbildung. Gegen Ende wird Sebastian auch Nachtschichten übernehmen", so Pflegedienstleisterin Blazetic. Der Plausch über die Fohlenelf, ein offenes Ohr für Probleme oder Gespräche über die Vergangenheit, etwa über das Leben im Zweiten Weltkrieg - dieser Kontakt zu Älteren hat "mein Leben bereichert", sagt der 22-Jährige.

Längst sei nicht nur er derjenige, der anderen helfe könne - auch er selbst erfährt in St. Michael viel Unterstützung. "Wenn man mal einen schlechten Tag hat, klopft jemand aufmunternd auf die Schuler und sagt: ,Kopf hoch, das wird schon'", erzählt er. Schlechte Laune halte im Seniorenheim nicht lange vor: "Dazu wird hier einfach zu viel gelacht." Diese gute Laune nimmt Sebastian Pütz nach der Schicht mit - ins Fitnessstudio oder zum Metal-Konzert.

Quelle: RP
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