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Niederkrüchten
Beerdigung als Luxus

Niederkrüchten. Die Gebührenspirale auf den drei gemeindlichen Friedhöfen steigt immer weiter. Der Hauptausschuss beriet über Lösungen. Es drohe die Gefahr, dass ein Begräbnis so teuer werde, dass es sich viele nicht mehr leisten können. Von Jochen Smets

In den letzten fünf Jahren sind die Friedhofsgebühren in der Gemeinde um bis zu 400 Prozent gestiegen. Es ist ein Teufelskreis: Steigende Gebühren bedeuten weniger Beerdigungen, denn viele Bürger nutzen zum Beispiel eher das Venloer Krematorium als die Gemeindefriedhöfe. Weniger Beerdigungen wiederum bedeuten steigende Gebühren, weil die Kosten auf weniger Fälle umgelegt werden müssen.

Schließung kein Thema

Einige Einsparmaßnahmen sind umgesetzt, erläuterte Britta Baier von der Gemeindeverwaltung. So wurden die Pflegemaßnahmen auf den vom Bauhof unterhaltenen Friedhöfen in Niederkrüchten und Oberkrüchten eingeschränkt. Diese und andere kleinere Maßnahmen bewirken allerdings nur eine minimale Senkung der Gebühren.

Einen größeren Effekt hätte eine Schließung des Oberkrüchtener Friedhofs, denn dort gab es 2011 nur fünf Bestattungen. Doch das ist politisch ein Tabu. Bürgermeister Herbert Winzen und auch die Parteien betonten, dass eine Schließung kein Thema ist und kein Thema wird.

Beschlossen wurde dagegen eine andere Verteilung des Unterhalts von Wegen, Pflanz- und Freiflächen. Diese sogenannten Flächen für die Allgemeinheit machen 59 Prozent der Friedhofsfläche aus. Die Umlage der damit verbundenen Kosten erfolgte bisher abhängig von der Nutzungsdauer, zum Teil aber auch von der Größe des Grabes. Dieser Größenbezug wird nun herausgenommen. Die Folge: Erdbestattungen in Reihen-, Wahl- und Tiefengräbern werden günstiger, Urnenbestattungen teurer. Diese Einsparungen können sich erst 2013 auswirken, da die Gebührensatzung 2012 beschlossen ist.

Strittig ist die Frage, ob eine Privatisierung der Friedhofspflege, so wie in Elmpt bereits geschehen, auch in Niederkrüchten und Oberkrüchten zu größeren Kosteneinsparungen führen würde. Die Verwaltung erwartet davon keine wesentlichen Effekte. Dies habe eine Kostenanfrage bei privaten Anbietern ergeben. Da haben Teile der Politik und die angefragten Anbieter eine andere Meinung. Werner Hommen (CDU) kritisierte, die Anfrage sei so angelegt gewesen, dass es keine preisliche Verbesserung gegenüber dem Status Quo geben konnte. Die Anbieter kritisierten unrealistische Vorgaben.

Bürgermeister Herbert Winzen wies das energisch zurück: Die Abfrage habe sich an den Kriterien orientiert, die auch auf dem bereits seit Jahren von einem Fremdbetrieb unterhaltenen Elmpter Friedhof zu erfüllen seien.

Hermann Meyer (SPD) warb dafür, die Pflege der Friedhöfe Niederkrüchten und Oberkrüchten auszuschreiben: "Eine vernünftige Ausschreibung ergibt auch vernünftige Preise."

Quelle: RP
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