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Viersen
Berührende Erinnerungen ans Osterfest

Viersen. RP-Leser berichten heute von ihren besonderen Osterfesten — zum Beispiel von einer Kaffeetafel mit Soldaten während des Zweiten Weltkriegs in Dülken, von einer beinahe "heiligen Erbsensuppe" in Schwalmtal — und von einem wirklich tierischen Oster-Erlebnis vor 25 Jahren...

An ein Osterfest mitten im Zweiten Weltkrieg erinnert sich Irmgard Mertens, die auch heute auf einem Bauernhof auf dem Ransberg in Viersen-Dülken lebt. Ihre Nichte Ulrike Bons hat Foto und Text eingeschickt: "Dieses Foto entstand am Ostersonntag 1940 in der Küche des Bauernhofs meiner Großeltern Klara und Matthias Bons auf dem Ransberg in Dülken. Es zeigt (von rechts nach links) die Gastgeberfamilie: ganz rechts meine damals fünfjährige Tante Irmgard. Daneben ihr Vater und mein Großvater, der Bauer Matthias Bons. Auf der anderen Seite des Hausherrn sitzt der einzige Sohn Michael, mein Vater. Das etwa 19-jährige, stämmige Fräulein hieß Leni, stammte aus Sachsen-Anhalt und lebte als Hausmädchen auf dem Hof. Neben ihr sitzt die damals 37-jährige Hausherrin und Bäuerin Klara Bons, meine Großmutter. Die Gäste, die sie bewirten, waren acht Soldaten, die auf dem Hof einquartiert waren."

Für sie waren es paar friedliche Stunden während des Krieges; Soldaten an der österlichen Kaffetafel von Familie Bons. FOTO: Meretens

Auch wenn sich die Tante nicht mehr an den Grund der Einquartierung erinnern kann, zeige das Foto ihre Freude über die Kirschtorte. Hitler habe den Westfeldzug vorbereitet und entlang des Westwalls und der niederländischen Grenze Truppenteile, vermutlich auch in oder in der Nähe von Dülken, stationiert. "Die Soldaten schliefen mehrere Wochen auf dem Hof im Stroh. Meine Großmutter hatte Mitleid mit den Männern, die an Ostern so weit weg von ihren Familien waren. Aus diesem Grund lud sie die fremden Männer am Ostersonntag zu einer üppigen Kaffeetafel ein. Wenige Wochen später fiel in Dülken die erste Sprengbombe, und der Zweite Weltkrieg überrollte auch den Ransberg. Wir sind uns sicher, dass dieser Oster-Nachmittag für die Soldaten das letzte friedliche Kaffeetrinken gewesen sein wird, bevor die Kampfhandlungen des Westfeldzuges sie verschlungen haben." Die feierliche Oster-Kaffeetafel hat auf dem Ranshof übrigens nach wie vor Tradition.

Ein "tierisches Erlebnis" hatte Birgit Jandt-Olk aus Viersen beim Osterfest 1991: "Wir wohnten in einem Haus mit eigenem Garten, und für Ostersonntag war schönes Wetter angesagt, also wollte ich diesmal draußen den Osterhasen spielen. Meine Kinder, drei und sieben Jahre alt, standen gern schon um 6 Uhr auf. Deshalb ging ich am Samstagabend mit einer starken Taschenlampe in den Garten, um Schokoladeneier in unterschiedlicher Größe, Fruchtgelee-Eier, Marzipan-, Nougat- und Weichkrokanteier, Milchcreme-Eier sowie bunt gefärbte, gekochte Hühnereier und zwei Osterhasen zu verstecken. Am Ostersonntag-Morgen gingen die Kinder erwartungsvoll mit ihren leeren Körbchen in den Garten und fanden nach kurzer Suche ihre Ostereier. Doch was war das? In jedem Ei war ein mehr oder weniger großes und tiefes Loch. An einem Ei konnte man im Nougat sogar Zähnchenabdrücke erkennen! Da hatten die Mäuse nachts ein Osterfestessen gehabt."

Nanu? Was sind denn das für Löcher in den Nougat-Ostereiern? Am Ostersonntag 1991 machte die kleine Gabi eine merkwürdige Entdeckung. FOTO: Birgit Jandt-Olk

Annette vom Dorp hat noch ein Osterfest Ende der 1970er Jahre in besonderer Erinnerung: "Roller Skates, diese Rollschuhe mit den dicken Bremsblöcken vorne, waren für uns als Teenies Ende der 70er Jahre das absolute Highlight im Gegensatz zu den Rollschuhen in rot mit Gummibereifung, die man sich um die normalen Schuhe schnallte. Meine Schwester und ich hatten also nur einen einzigen - heute müssen wir wohl ehrlicherweise sagen - völlig übertriebenen Wunsch zu Ostern. Und als uns unsere Mutter kurz vor Ostern sagte: ,Ich habe meinen kompletten Verdienst für Ostergeschenke ausgegeben', war es für uns das sichere Zeichen, dass der Osterhase unsere Gebete erhört hatte. Wir verabredeten uns für den Ostersonntag mit unseren Cousinen zum Osterspaziergang - aber natürlich mit Rollerskates, in der festen Überzeugung, dass wir die cooleren Teile haben würden. Am Ostersonntag kam es uns schon komisch vor, dass die Geschenke so weich waren. Beim Auspacken die Enttäuschung: Wir bekamen jeder einen Schlafanzug geschenkt, ich in blau mit orangefarbenen Bündchen und meine Schwester in orange mit blauen Bündchen. Das Allerschlimmste war allerdings, dass wir unsere Cousinen anrufen mussten um ihnen mitzuteilen, dass wir uns leider ohne Rollerskates treffen würden.

Horst Bessel aus Viersen-Süchteln erinnert sich an einen Brauch am Ostermorgen: "...und dann öffnete Mutter die Fenster nach vorne und hinten, setzte sich ans Klavier und spielte, so laut sie nur konnte, den Kernpunkt unseres Glaubens: ,Christ ist erstanden von der Marter alle; des soll'n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein'."

Ostersonntag 1940 in der Küche der Familie Bons auf dem Ransberg in Dülken. Es gibt Kirschtorte. Wenige Wochen später fallen in Dülken die ersten Bomben, der Zweite Weltkrieg überrolte auch den Ransberg. FOTO: Mertens

Margret Crisp aus Schwalmtal erinnert sich an Ostern im Jahr 1946: "Obwohl die Lebensmittelvorräte nach dem Krieg sehr begrenzt waren, hielt man sich streng an die Fastenvorschriften des Karfreitags und Karsamstags. Am Karsamstag gab es bei uns Erbsensuppe ohne Fleisch, dafür aber geröstete Brotstückchen als Beilage, was auch sehr gut schmeckte. Mein Großonkel Johann, der in Köln ausgebombt war, wollte diesmal als Koch fungieren. Nach dem Tischgebet ließen wir uns die Suppe gut munden. Plötzlich fiel mein Blick auf die schwarze Zwei-Liter-Milchkanne. Darin hatte ich morgens aus der großen Zinkwanne, die hinter der St.-Michaelis-Kirche stand, mit etlichen anderen Kindern Osterwasser geschöpft, das der Pastor zuvor gesegnet hatte. Ich stand vom Tisch auf und lief zur Kanne - doch sie war leer.

Mein ahnungsloser Onkel hatte daraus die Erbsensuppe gekocht. Gesegnete Ostern! Dann kam der Ostermontag mit dem Kirchgang und nach dem Mittagessen ging's zum Eiersuchen in die ,Scheun'. Mein Vater hatte die Eier tags zuvor mit Zwiebelschalen braun gefärbt. Das Wichtigste für mich aber war, dass ich Ostern wieder Kniestrümpfe anziehen durfte und die verhassten, juckenden, braunen Wollstrümpfe, die mit Knöpfen und breitem Gummiband an ein Leibchen befestigt waren, bis zum nächsten Winter in den Schrank verbannt wurden. Nach dem Eiersuchen setzten wir unseren Spaziergang nach Lüttelforst fort. In der alten Bäckerei Jansen gab es bei Stina und Thereschen eine große Riemchentorte zum Osterfest."

Quelle: RP
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