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Viersen
Big bass bleibt auf der Rolle

Viersen: Big bass bleibt auf der Rolle
Sozialarbeiter Eric Loll (Mitte) kann den Rollenden Jugendtreff vorerst weiter zu den Kindern in Schwalmtaler und Niederkrüchtener Außenorten fahren. Die Jugendlichen wollen "ihren" Bus behalten. FOTO: Busch
Viersen. Das Projekt ist vorerst gerettet. Bis 2014 soll der Doppeldeckerbus weiterfahren. Eric Loll sitzt auch künftig am Steuer. Experten sollen den Wert des Jugendangebotes testen. Von Dominique Schroller

Niederkrüchten/Schwalmtal Der bunte Doppeldeckerbus ist längst mehr als ein Jugendtreff. Er hat sich zu einer Marke mit Wiedererkennungswert entwickelt. Doch obwohl der Big bass ein Erfolgsmodell ist, hatte das Kreisjugendamt im Frühjahr beschlossen, das Schätzchen auf vier Rädern ausrollen zu lassen und zum Ende des Jahres aus dem Verkehr zu ziehen.

Die Pläne hatten erheblichen Widerstand provoziert, und nun soll der Sozialpädagoge Eric Loll am Steuer sitzen bleiben und weiterhin die Außenbezirke in Schwalmtal und Niederkrüchten anfahren – vorerst.

Analyse der Uni Dortmund

Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben sich am Runden Tisch mit Vertretern des Kirchengemeindeverbundes Brüggen-Niederkrüchten als Träger der Einrichtung sowie Beteiligten aus beiden Gemeinden auf eine Denkpause bis Ende 2013 verständigt. In dieser Zeit sollen Fachleute die Qualität des rollenden Jugendtreffs analysieren.

"Dabei wollen wir möglichst auf die Kompetenz einer Hochschule zurückgreifen", betonte Martina Leshwange vom Landesjugendamt, die als Moderatorin mit am Tisch saß. Im Gespräch ist eine Forschungsstelle der Uni Dortmund.

Mit dem Kompromiss zeigte sich Kreisjugenddezernent Ingo Schabrich zufrieden. "Das ist eine gute Lösung. Wenn die Analyse vorliegt, haben wir verlässliches Datenmaterial und können unsere Entscheidung in die eine oder andere Richtung auf eine solide Basis stellen." Er plant, die Angebote für Jugendliche in Schwalmtal und Niederkrüchten ab 2014 neu zu gestalten. Bis dahin soll das Projekt Big bass weiter laufen. "Nun ist erst einmal Zeit gewonnen", kommentierte Pfarrer Alexander Schweikert den Kompromiss. Er hat sich engagiert für das Projekt eingesetzt.

"Ich habe mich kreuz- und quergelegt und musste mir dafür einiges anhören. Natürlich freue ich mich über die Entscheidung. Es war ein hartes Stück Arbeit." Er hatte am 30. Juni mit Wirkung zum 31. Dezember die Kündigung für Eric Loll aussprechen müssen und ist froh, sie nun zurücknehmen zu können. Schweikert hofft, dass die Analyse der Experten die Qualität und den Wert der Jugendarbeit auf Rädern feststellt.

"Es wäre schön, wenn deutlich wird, dass das Projekt mit Eric Loll weiter laufen kann, denn er hat es bewirkt und füllt es mit Leben." Im Vorfeld hatten sich die Ratsmitglieder in beiden betroffenen Gemeinden mehrheitlich für den Erhalt des Doppeldeckers ausgesprochen. Sie reagierten damit auf massiven Druck aus der Bevölkerung. Jugendliche hatten 900 Unterschriften für ihre mobile Anlaufstelle gesammelt, eine Demonstration organisiert und im Internetnetzwerk Facebook eine Gruppe zur Rettung des Big bass gegründet.

Eine Elterninitiative wandte sich in einem offenen Brief an die Mitglieder des Kreis-Jugendhilfeausschusses, der Niederkrüchtener Hans-Peter Besancon entwarf eine Postkarte und ein Plakat, der Verkaufserlös soll den Bus finanziell unterstützen. Der Einsatz hat sich gelohnt. Der Bus bleibt auf der Straße, auch wenn seine Zukunft nicht langfristig gesichert ist.

(RP/rl)
 
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