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Viersen
Bildhauerin lebt jetzt in der alten Lateinschule

Viersen: Bildhauerin lebt jetzt in der alten Lateinschule
Anna Mirbach ist in die alte Lateinschule an der Rektoratstraße in Viersen eingezogen. Ein Jahr will sie hier leben und arbeiten. FOTO: Jörg Knappe
Viersen. Die neue Kunstgenerator-Stipendiatin Anna Mirbach will die Zeit in Viersen nutzen, um wieder großformatiger zu arbeiten Von Angela Wilms-Adrians

In der äußeren Erscheinung mag Anna Mirbach eher zierlich sein, doch in ihr brennt schöpferische Energie. Während die Kunstgenerator-Stipendiatin über künstlerische Konzepte und Pläne spricht, entzünden sich bereits neue Ideen. Dann hält sie einen kaum merklichen Moment inne, deutet unvermittelt Möglichkeiten an, die sie vielleicht vertiefen möchte.

Dann greift sie nach einem ihrer Modelle, wägt ab, positioniert neu. Spätestens in diesen Momenten ist offensichtlich, wie sich die Künstlerin ihr Werk in Prozessen erarbeitet. In der alten Lateinschule hat sie nun für ein Jahr die Möglichkeit, sich frei von finanziellen Zwängen ihrer Kunst zu widmen.

Die Stipendiatin im Kunstgenerator von NEW und der Stadt Viersen überzeugte die Jury mit Werken, die trotz des Materials Leichtigkeit ausstrahlen und die Balance zwischen Figürlichem und Abstrakten halten. Inzwischen ist sie in ihrem temporären Domizil und Atelier angekommen. Viel Zeit für den Umzug von Düsseldorf nach Viersen blieb ihr nicht, da sie zeitgleich zwei Ausstellungen in Düsseldorf bestritt.

Derweil bereitet sie eine weitere Präsentation in einer kleinen New Yorker Galerie vor. Ein Modell zeigt den Aufriss einer Säule, ergänzt um modellierte Keramikelemente und Drucke von Gesten in der Art moderner Piktogramme. Die Arbeit ist so konzipiert, dass sie in Teilen im Koffer mitgenommen und alles Übrige vor Ort gebaut werden kann.

Andere Modelle beweisen, dass bereits Ideen für die abschließende Ausstellung in der Städtischen Galerie reifen. Es deutet sich eine Installation in der Auseinandersetzung mit Architektur, Raum, Bildhauerei und Figur an. Mirbach plant hier, mit Fotografie, Gitterelementen und Keramik zu arbeiten. Es geht um eine Last, die getragen und ausgehalten wird. Es geht im abgewandelten Zitat der griechischen Säulenfiguren um das Verhältnis von Architektur, Raum und Bildhauerei, das für frühere Künstler einst bedeutsam war.

Zu einer Seite des Ateliers liegen lose gesammelt Keramikteile, die noch gebrannt werden und anschließend glasiert werden sollen. "Keramikobjekte sind üblicherweise aus einem Stück. Doch mich interessiert, dass das Material in seinem monadischen Charakter doch zusammengesetzt wird", sagt Mirbach. Sie weiß noch nicht, ob sie alle diese Teile verwerten wird. Denn zum einen ist sie fasziniert von der autonomen Form, die ohne Idee und Zusammenhang entsteht, zum anderen setzt sie sich mit der auf den Raum bezogenen Lösung auseinander.

Gegenüber der losen Sammlung reihen sich Keramikobjekte, die mehrere Arbeitsschritte hinter sich haben, aneinander. Sie sind gegossen, zerbrochen und wieder neu zusammengesetzt - oft mehrfach -und farbig glasiert. "Für mich ist die Bemalung eine Möglichkeit, mit Farbigkeit umzugehen. Mich interessiert hier nicht das Malerische. Es geht mir nicht um eine harmonische Komposition, sondern um die Frage, wie sich Formen über die Farbigkeit aufzulösen scheinen", sagt die Künstlerin.

Zur Keramik fand die Bildhauerin über den Wunsch, sich Modelle herzustellen. Keramiken dieser Art sind in Installationen integriert, oft in Verbindung mit Gitterrastern. Das bildhauerische Anliegen steht bei Mirbach immer an erster Stelle. So auch bei Fotos, die schließlich als eigenständiges Werk Bestand haben. Jedes Foto ist gespeist aus verschiedenen Bildquellen, die durch Licht und Spiegelung zusammengefasst sind. "Ich würde mich nie als Fotograf bezeichnen", sagt Mirbach, die sich ebenso wenig als Malerin versteht. Noch von der Farbe feuchte, auf den Boden liegende Papierarbeiten sind experimentelle Studien.

Die einstige Meisterschülerin des Künstlers und Professors Thomas Grünfeld hat Betonreliefs geschaffen, bis der Wunsch nach Arbeiten mit mehr Leichtigkeit Gestalt annahm. In früheren Jahren hat die 36-Jährige anders als in jüngster Zeit Großformate bevorzug. Den Freiraum, den ihr das Stipendium bietet, will Mirbach nun nutzen, um im großen Atelier auch wieder größere Arbeiten zu schaffen. Dann will sie erneut "in den bildhauerischen Prozess anders einsteigen".

Quelle: RP
 
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