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Viersen
Bildung öffnet Türen zum besseren Leben

Viersen. In den 35 Jahren ihres Bestehens hat die AWA Erfolge erzielt und nüchterne Lektionen gelernt. Eine Zwischenbilanz. Von Sabine Janssen

Ambroise Klevor käme nicht auf den Gedanken, Togo zu verlassen und in Deutschland zu leben. "Ich will nicht hier bleiben. Ich lebe gut in meiner Heimat", sagt der 47-Jährige, der gerade in Viersen zu Gast ist. Doch die Flüchtlinge kann der Westafrikaner verstehen. "Keiner ist geboren, um zu leiden", sagt er.

Sein Leben wäre vielleicht anders verlaufen, wenn ihm vor 35 Jahren nicht die Aktionsgemeinschaft Viersen-West-Afrika (AWA) Schule und Studium ermöglicht hätte. Klevor stammt aus einer Familie mit zehn Kindern. Niemals hätte sein Vater seine Ausbildung bezahlen können. Klevor war eines der ersten Patenkinder der AWA; heute arbeitet er als Redakteur bei Togopress und leitet das Sport-Ressort.

Der Werdegang des Togolesen ist ein Muster-Beispiel für gelungene Entwicklungshilfe. Nicht alle Patenkinder der AWA studieren, aber alle 520 bekommen eine solide Schul- und Berufsausbildung. "Bildung ist die einzige Chance auf ein besseres Leben. Wir begleiten sie so weit, dass sie auf eigenen Füßen stehen können", sagt AWA-Vorsitzende Marina Hammes.

Gerade hat der Verein sein 35-jähriges Bestehen mit einem Afrika-Fest gefeiert. "Wenn ich die augenblickliche Flüchtlingssituation betrachte, dann sehe ich uns in unserer Arbeit bestätigt. Wir helfen den Menschen vor Ort, wir helfen ihnen, im Land zu bleiben und ihre Familien zu versorgen."

Mit Klevor ist auch Isaac Lassey zu Besuch in Viersen. Der 63-Jährige hat bereits in den Anfängen der AWA mitgeholfen. "Ich wurde als Dolmetscher geholt und bin dann in die Verantwortung hineingewachsen", sagt der Lehrer, der unter anderem in Saarbrücken Germanistik, Romanistik und Europarecht studiert hat. Klevor und Lassey führen den togolesischen Partnerverein der AWA Kadodo und sind für die Betreuung der Projekte und Patenkinder vor Ort zuständig. "Ohne sie könnten wir die Hilfe nicht leisten. Aber aus den Partnern sind längst Freunde geworden", sagt Hammes, die 2008 den Vorsitz der AWA übernahm.

Vielen Kindern in Togo und Benin hat der Verein durch die Finanzierung von Schule und Ausbildung geholfen und damit deren Familien. Jeder in Togo, der seinen Lebensunterhalt verdient, unterstützt auch seine Angehörigen. "Vom Zusammenhalt der Familien in Afrika können wir viel lernen", sagt Hammes.

Die AWA und ihr Partnerverein wollen nicht einfach nur Geldgeber sein, sie begleiten die Kinder, lassen sich Zeugnisse, Impfpässe zeigen. "Manchmal muss man die Familien der Kinder anleiten, dass Schule kein Luxus ist. Angesichts der Situation ist das oft schwer zu vermitteln", erklärt Lassey.

Die AWA musste auch lernen, dass Projekte an Lebensumständen und bitterer Armut scheiterten. Beispiel: Aids-Vorsorge. "Bei schwangeren, HIV-infizierten Frauen reicht eine Spritze, um das Kind im Mutterleib vor der Ansteckung zu schützen. Diese Spritzen haben wir bezahlt. Doch der Schutz funktioniert nur, wenn die Kinder hinterher nicht beim Stillen angesteckt werden. Aber das lässt sich nicht verhindern. Babynahrung und Fläschen-Sterilisieren? Das funktioniert dort nicht", erklärt Marina Hammes.

www.awa-viersen.de

Quelle: RP
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