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Viersen
Blinde Viersenerin lernt Skifahren

Viersen: Blinde Viersenerin lernt Skifahren
Nina Odenius (l.) und Skilehrerin Marie hatten in Norwegen viel Spaß beim Skifahren. FOTO: Nina Odenius
Viersen. Mit Hilfe des Projekts "Snow & Eyes" hat die blinde Nina Odenius in Norwegen das Skilaufen lernen können. Von Bianca Treffer

Wenn Nina Odenius ihre Taufurkunde in die Hand nimmt, dann muss sie unweigerlich schmunzeln. Auf dem Dokument steht nämlich: "Hiermit taufen wir dich, Nina, auf den Namen 'Eiserne Schneeprinzessin'. Willkommen im Kreis der Freude des weißen Sports". Die ungewöhnliche Taufe fand in einem der bekanntesten Skigebiete Skandinaviens statt, im norwegischen Hemsedal. Dort hat die Viersenerin das Skilaufen gelernt. Und das, obwohl die 24-Jährige blind ist. Seit drei Jahren ist Hemsedal der Skiort, den die Organisatoren des Projekts "Snow & Eyes" ansteuern, um dort blinden und sehbehinderten Menschen das Skilaufen zu ermöglichen. Über eine Organisation für blinde und sehbehinderte Studenten erfuhr Odenius, die an der Uni in Düsseldorf Romanistik und Politikwissenschaften studiert, von dem Angebot. "Ich dachte mir, das könnte ich einmal ausprobieren", sagt sie. Den Wintersport hatte die 24-Jährige bis dahin nur beim Langlaufen kennengelernt, das ihr allerdings nicht so viel Spaß gemacht hatte.

Mitte März startete die einwöchige Skitour, bei der sich die Teilnehmer in Kiel trafen, um von dort gemeinsam die Reise nach Norwegen anzutreten. Ihre Eltern, Angelika und Hans Odenius, brachten ihre Tochter nach Kiel, wo Odenius die anderen 15 Teilnehmer sowie die acht Begleiter kennenlernte. Mit der Fähre ging es nach Oslo und von dort mit Kleinbussen in die angemieteten Appartements in Hemsedal. Am nächsten Tag lernten die Kursteilnehmer die insgesamt 16 Skilehrer kennen, die allesamt von der Sportwissenschaftlerin Ann-Kristin Ehling für die Aufgabe, blinde bzw. sehbehinderte Skiläufer zu betreuen, ausgebildet wurden. Nur die Viersenerin und eine weitere blinde junge Frau waren absolute Neulinge. Die übrigen Teilnehmer hatten schon Skierfahrung und konnten mit ihren Lehrern direkt auf die Piste, wo die Kommunikation zwischen Skilehrer und Schüler über Headsets funktioniert. "Ich hatte zuerst wirklich Angst. Das Gefühl, auf den Ski zu gleiten und zu rutschen, war so ungewohnt. Mein Gleichgewichtssinn ist nicht so ausgeprägt und daher habe ich mich schwer getan", sagt Odenius. Sie überlegte sogar, das Skifahren ganz abzubrechen. Doch Ehling und die Skilehrer vor Ort ließen sich etwas einfallen. Zu Odenius' persönlicher Skilehrerin Marie kam Kollege Günther hinzu. Um der Blinden ein sicheres Gefühl zu vermitteln, nahmen die beiden die Skianfängerin an die Stange. "Marie und Günther haben mich in die Mitte genommen und an jeder Seite einen Skistock gehalten. An diesen Stöcken konnte ich mich festhalten und erst einmal ein Gefühl für das Gleiten bekommen, ohne Angst haben zu müssen, hinzufallen", sagt Nina Odenius. Dann kam ein Skistock weg, es folgte der zweite und dann schließlich fuhr sie, sich an den Händen der Skilehrer festhaltend, ihr erstes Stück Piste.

Odenius war begeistert und die ganze Gruppe freute sich mit ihr. "Wir haben meinen Erfolg abends mit einer Party gefeiert", sagt Odenius. Überhaupt habe die ganze Gruppe samt der Betreuer auch abseits der Piste und den Skistunden viel Spaß gehabt. Es wurde gemeinsam gekocht, erzählt und viel gelacht. "Nina hat uns jeden Tag voller Begeisterung von ihrem Urlaub berichtet", sagt Mutter Angelika Odenius. Odenius selber fand es ganz toll, dass sie dort abgeholt wurde, wo sie skitechnisch stand und von niemandem zu etwas gedrängt wurde, was sie sich noch nicht zutraute. So ging es Stück für Stück vorwärts. "Mir hat das Skilaufen viel Spaß gemacht. Es war eine tolle Erfahrung und ich glaube, ich werde es nächstes Jahr wieder probieren", sagt die Studentin nach diesem Erlebnis.

Quelle: RP
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