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Brüggen
Bombensuche in Brüggen beginnt Mitte August

Brüggen. Auf einem Feld in Brüggen ist ein Flugzeug gefunden worden, das 1944 abstürzte. Unklar ist, ob es Bomben geladen hatte. Sollten Experten etwas finden, könnte eine Evakuierung notwendig sein

Bei der Suche nach den sterblichen Überresten eines verschollenen Piloten haben amerikanische Archäologen auf einem Feld am Deichweg in Brüggen ein Flugzeug gefunden, das am 18. Dezember 1944, während des Zweiten Weltkrieges, abstürzte. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine P51D Mustang, die Donald L. Tur-nidge von der 356nd Fighter Group flog. Er überlebte den Absturz.

Unklar ist, ob das Flugzeug bewaffnet war: Unter den Tragflächen konnten wahlweise Zusatztanks oder Bomben angebracht werden - maximal zwei 250-Kilo-Bomben. Grabungsarbeiten am Deichweg fanden Ende Juli statt, dabei war auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst schon vor Ort. Am Mittwoch, 17. August, kommen nun die Kampfmittelexperten nach Brüggen, um geophysikalische Untersuchungen durchzuführen, die mindestens einen Tag dauern sollen. Dabei wird der Boden gescannt. Dass dort Metall liegt - nämlich die Teile des Flugzeugs - ist ja bekannt. Doch man hofft, durch Form und Lage von Metallteilen im Boden abschätzen zu können, wo man graben muss, um festzustellen, ob dort Bomben liegen oder nicht. "Wir gehen nicht davon aus, dass da etwas liegt", sagt Brüggens Bürgermeister Frank Gellen (CDU). "Aber wir können es eben nicht hundertprozentig ausschließen." Gemeinsam mit den Amerikanern habe man versucht, Klarheit zu bekommen. Das Fazit: "Wir müssen handeln", so Gellen.

Dass man nicht weiß, ob das Flugzeug, das am Deichweg abstürzte, Bomben geladen hatte oder nicht, liegt daran, dass die Mission, zu der Turnidge und die anderen Piloten der 356nd Fighter Group am 18. Dezember 1944 aufbrachen, sehr geheim war. Bei solchen Einsätzen war es von den Wünschen des jeweiligen Piloten abhängig, was er sich zutraute: eine Stabilisierung der Maschine durch das zusätzliche Gewicht? Oder schätzte er die Bomben eher als Behinderung seiner Wendigkeit ein und verzichtete auf sie? Darüber gibt es keine Aufzeichnungen.

Weiß ein Pilot, dass er seine Maschine verliert, gibt es ein Notfall-Prozedere, bei dem die Bomben vorher abgeworfen werden. Konnte Turnridge es auslösen? Oder gelang ihm nur der rettende Sprung? Auch das ist nirgendwo verzeichnet.

Weil das Grundwasser am Deichweg so hoch steht, wird die Grabung schwierig und teuer. Für die Kampfmittelbeseitigung kommt das Land NRW auf, doch alle Vorbereitungsarbeiten, etwa das Abpumpen des Wassers, muss die Gemeinde Brüggen zahlen. Darüber werde die Verwaltung die Politik kurzfristig informieren, erklärt Bürgermeister Gellen. Eine Alternative gebe es nicht: "Die Sicherheit der Bevölkerung geht vor. Wir können nicht mit unserem heutigen Wissen so tun, als gehe uns das nichts an - nur weil über 70 Jahre nichts passiert ist."

Je nachdem, was gefunden wird, könnte eine Evakuierung notwendig sein. Im Radius von 500 Metern um die Fundstelle liegen etliche Häuser, vor allem in Richtung Gelagweg. Allerdings ist nicht mit Hektik zu rechnen, denn um die gefürchteten Säurezünder handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Die seien bei solchen Missionen nicht eingesetzt worden, erklärten die Amerikaner.

(hah)
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