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Schwalmtal
"Boots-Zwillinge" gehen in Rente

Schwalmtal: "Boots-Zwillinge" gehen in Rente
Herbert Höppner (l.) und sein Zwillingsbruder Walter Geisler übergeben ihren Bootsverleih zum Saisonende an einen neuen Pächter. FOTO: hah
Schwalmtal. Die Brüder vom Hariksee sind eine Art Wahrzeichen. Die 80-Jährigen geben ihren Bootsverleih ab. Heute können sich Besucher von ihnen verabschieden

Eigentlich sieht es noch gar nicht so aus, als ob Herbert Höppner und Walter Geisler (80) gerade viele ihrer Handgriffe zum letzten Mal machen würden. "Wir müssen noch die Kähne von unten streichen", sagt Höppner, "ach ja, und bis Ende Februar noch Angelscheine verkaufen." Aber die Tretboote haben sie gestern zum letzten Mal auf Hochglanz gewienert. Für das große Abschiedsfest heute. Die Zwillinge geben den Bootsverleih ab. Im nächsten Jahr übernimmt ein neuer Pächter.

"Wenn man die 80 überschritten hat, muss man langsam an die Rente denken", sagt Walter Geisler. In Rente - das waren die beiden streng genommen schon, als sie im Jahr 2002 den Bootsverleih übernahmen. Geboren wurden die beiden in Düsseldorf, "am Unterbacher See", wie Herbert betont. Schon da sei der Grundstein für die Verbindung zum Wasser gelegt worden. Gelernt haben beide Polsterer und Dekorateur. Als es nach der Lehre aber nur 84 Pfennig pro Stunde geben sollte, gingen sie zur Glashütte nach Gerresheim - für damals beachtliche 3,34 Mark.

Ein Campingurlaub in Spanien, den Herbert 1981 mit Frau und Kindern unternahm, brachte ihn auf die Idee, in der Heimat nach einem Wohnwagenstandort zu suchen. Er landete am Mühlrather Hof. Am Wochenende und im Urlaub gab es von da an den Hariksee. Seit 22 Jahren wohnt er in einem Häuschen am Ende des Sees. Auch sein Bruder wohnt am See - und kann von dort auf den Bootsverleih schauen.

Es gebe fast nur positive Erinnerungen, versichern die Zwillinge wie aus einem Mund. "Wir haben viele, viele nette Leute kennengelernt", sagt Walter. Jeweils acht Monate im Jahr, von Anfang April bis End Oktober, haben beide 15 Jahre lang gearbeitet. "Keiner von uns war auch nur einen einzigen Tag krank", sagt Herbert. "Wenn man das nicht mit Herzblut macht, dann kann man den Bootsverleih vergessen."

Den beiden fallen viele Dinge ein, die sie in Erinnerung behalten werden - auch Kurioses. Wie die Mutter, die in Panik ihrem 14-jährigen Sohn hinterhersprang, der beim Aussteigen aus dem Boot am Steg das Gleichgewicht verlor und im hüfttiefen Wasser stand. Der Vater übrigens sei dann trockene Sachen holen gefahren, weil er die beiden Nassen nicht in das erst einen Tag alte Auto einsteigen lassen wollte.

Wer sich von den Boots-Brüdern verabschieden möchte, hat heute ab 13 Uhr beim Abschiedsfest Gelegenheit dazu. Morgen wird es wahrscheinlich schon wieder schwieriger. "Da werden wir alle Hände voll zu tun haben", sagt Walter nach einem Blick auf die Wetter-App. "Da soll es noch mal richtig schön und sonnig werden, da wollen die Leute Boot fahren."

(hah)
 
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