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Viersen
Brachter und Freunde feiern 900 Jahre

Festumzug 900 Jahre Bracht
Viersen. Mit den Kostümen der Vereine und Freundeskreise wurde am Sonntag Ortsgeschichte lebendig Von Birgitta Ronge

Nieselregen und Sonnenschein begleiteten gestern im Wechsel die Brachter beim Festumzug durch das Dohlendorf. Anlass war die urkundliche Ersterwähnung Brachts vor 900 Jahren. In den vergangenen Wochen hatten Vereine, Nachbarschaften und Freundeskreise Kostüme genäht und an Wagen gebastelt, um zu zeigen, wie vielfältig und bunt das Leben im Dorf in 900 Jahren war - und heute noch ist. So präsentierten sich die Freunde im Freundeskreis Appel als Knechte und Mägde, die Mitglieder der Straßengemeinschaft Holtschneiderweg als Müller, die Mitarbeiter der Bäckerei Erich Lehnen als Bäcker wie anno dazumal - sogar mit schellengeschmücktem Pferd vor dem Bäckerwagen.

Mit Margret Hendrix, die sich um die Erstellung zahlreicher Kostüme gekümmert hatte, zogen Wäscherinnen durch den Ort. Ebenfalls Mägde brachte der Gesangsverein Wohlgemut auf die Straße, als "Kleifexer" und Panneschöpper erinnerten die Ziegelei Laumans und der Theaterverein Einigkeit Alst an die Hochzeit der Ziegelindustrie.

"The Crossed Swords": Die Dudelsack-Band zog mit Pipemajor David Johnston durch Bracht. FOTO: Busch

Mit den Kostümen der Fußgruppen wurde die Ortsgeschichte lebendig: Da erinnerten Frauen, als Hebammen gekleidet und das Baby im Tuch dabei, an die Hebamme "Müller'sch Lehn". Der FC Staubwolke Alst erzählte gleich eine ganze Geschichte: Unter dem Motto "Schlachtfest vor der Hochzeit" fuhr Georg Boers der Gruppe voran - auf dem vom alten Hanomag gezogenen Wagen demonstrierte er, wie früher daheim gewurstet wurde. Als Brautauto folgte ein Goggomobil Coupé, Baujahr 1961, mit Michael Wolters am Steuer, Gottfried Optenplatz lenkte den Lanz Bulldog, dem die Hochzeitsgesellschaft folgte.

Der Spielmannszug St. Antonius Born, der Musikverein Cäcilia Brüggen, die Juxkapelle "Zuuver zat" aus Reuver und die Dudelsackspieler und Trommler der "Crossed Swords" sorgten für Stimmung, die Sänger des Amicitia-Chores sangen: "So schön wie Bracht wird's keinen Ort mehr geben." Viel Applaus erhielten die Kinder, die im Zug mitzogen, darunter die Jungen und Mädchen des Kindergartens Schleveringhoven, die kleinen Pagen, die den Gruppen mit Schildern voran zogen, die Kinder der Kita Hampelmann, die Grundschüler, die sich fein gemacht hatten wie Schulkinder früher - die Jungen mit Hemd und Latzhose, die Mädchen mit Kleid, Schürze und Kniestrümpfen und Schleifen an den Zöpfen.

Müller'sch Lehn: Brachter Hebammen-Gruppe mit der Enkelin der Hebamme in ihrer Mitte. FOTO: Busch

In einer Kutsche fuhren Ehrenbürgermeister Karl-Heinz Mesterom, Brüggens Ehrenbürger Wildor Hollmann und die beiden ältesten Brachterinnen mit: die 96-jährige Christel Gendrisch und die 101-jährige Katharina Lisges. Für die kenntnisreiche und humorvolle Moderation sorgten Willy Hauser und Bruno Schüttler, der schmunzelnd bemerkte, dass es sich um keinen Karnevalszug handele - es sei schließlich ein historischer Zug, da würde es nur "alte Kamelle" geben.

Quelle: RP
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