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Kreis Viersen
Brandherd Nebenkosten

Kreis Viersen. Die Strom- und Gasversorger fordern immer mehr Geld von den Verbrauchern. Vielen Haushalten geht finanziell die Puste aus. Mieter suchen kleinere Wohnungen und bitten Hausverwalter um Ratenzahlungen. Von Ludger Peters

Immer mehr Familien blicken bang auf ihre Girokonten: Reicht das Geld in diesem Monat noch? Müssen Ersparnisse für den regulären Lebensunterhalt angeknabbert werden? Die Mieten mit den Betriebskosten (Gas, Strom, Wasser, Abwasser, Grünpflege und anderes mehr) zehren die finanziellen Möglichkeiten vieler Familien auf. Manche können nicht mehr ihren normalen Verpflichtungen nachkommen.

„Es ist beängstigend“, konstatiert Hans Moors, Geschäftsführer der Baugesellschaft Nettetal AG. Seitdem sich in den vergangenen Jahren das Preiskarussell vor allem für Gas und Strom immer schneller drehte, nahm die Zahl der Mieter sprunghaft zu, die um Stundungen oder Ratenzahlungen nachsuchten. „Wir wollen Mieter nicht verlieren, also suchen wir mit ihnen nach Möglichkeiten.“

Nebenkosten-Puffer

Bis vor zwei Jahren, so berichtet Moors, hätten die meisten Mieter freiwillig einen Nebenkosten-Puffer zugelassen. „Fünf oder zehn Euro im Monat mehr als erforderlich, zahlten die meisten freiwillig. So schützten sie sich vor Preisschüben, manchmal kam ja am Ende eines Abrechnungszeitraums ein willkommenes Guthaben heraus.“

Das ist Vergangenheit. Albert Becker, Geschäftsführer der Viersener Aktienbau (VAB), sieht sich ebenfalls immer häufiger mit verzweifelten Mietern konfrontiert, die nicht mehr zahlen können. Wer bisher einigermaßen zurande kam, droht jetzt als Problemfall abzugleiten. Um durchschnittlich 19 Prozent hat die VAB Nebenkosten angepasst – und darin nicht nur gestiegene Gas- und steigende Strompreise einberechnet, sondern auch schon die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007.

Der Viersener Immobilienmakler Walter Schmitz, der mehr als tausend Wohnungen verwaltet, verzeichnet vermehrt Kündigungen. „Die Leute versuchen sich kleiner zu setzen“, so eine Sprecherin. Gerade erst hat eine vierköpfige Familie eine 97 Quadratmeter große Wohnung verlassen. „Wir können nicht mehr“, hieß es als Begründung. Die Wohnung sei nicht mehr zu halten.

„Mit dem klassischen Einkommens des Familienvaters allein kommen Familien nicht mehr über die Runden“, bestätigt Hans Moors. „In manchen Haushalten ist die Lage so bedrückend, dass ich nur noch dazu raten kann, nicht mehr alle Räume zu heizen, sondern nur die, in denen man sich aufhält.“ Andere haben Kosten für Grünpflege einer Wohnanlage dadurch abgeschüttelt, dass sie die Aufgabe selbst erledigen. „Aber das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Leute haben keinen Spielraum mehr. Was sie hier einsparen, packt ihnen die nächste Preiserhöhung um ein Vielfaches obendrauf.“

Quelle: RP
 
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