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Brüggen
Brüggen baut ein Haus für Flüchtlinge

Brüggen. Nur zwei Jahre sollten die Flüchtlinge in der ehemaligen Landesjagdschule bleiben, hatte die Verwaltung angekündigt. Die Planung scheint aufzugehen: Die GWG will am Eichenweg ein Mehrfamilienhaus errichten, fertig sein soll es 2017. Von Birgitta Ronge

In vielen Kommunen weiß man sich anders nicht mehr zu helfen, doch in Containern oder Turnhallen möchte die Gemeinde Brüggen keine Flüchtlinge unterbringen. Doch für die steigende Zahl von Flüchtlingen Wohnraum zu beschaffen, bereitet auch der Gemeindeverwaltung in Brüggen Kopfzerbrechen. An der Stiegstraße in Bracht gibt es mehrere Häuser, in denen Asylsuchende leben, etwa 80 Menschen sind dort untergebracht. In angemieteten Wohnungen im Gemeindegebiet leben rund 20 Menschen, 20 wohnen derzeit auch in der ehemaligen Landesjagdschule am von-Schaesberg-Weg in Brüggen. Dort werden derzeit zwei Klassenräume umgebaut, so dass 16 weitere Personen dort einziehen können. In Born soll darüber hinaus Platz für zwölf Menschen geschaffen werden.

Die Gemeinde habe versucht, in allen Ortsteilen Wohnungen anzumieten für die Flüchtlinge, berichtet Bürgermeister Frank Gellen. Doch der Markt sei "nicht so erfreulich für uns", wie Gellen feststellt. Und das, was angeboten werde, sei nicht immer so, dass die Gemeinde es auch nutzen könne. Dabei drängt die Zeit: Im Jahr 2014 wurden der Gemeinde 54 Flüchtlinge zugewiesen, bis zum 31. Juni jetzt zählte Brüggen schon 51 Zuweisungen. Und der Plan war, die ehemalige Landesjagdschule nur für zwei Jahre zur Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen, sie also nicht über Jahre hinweg dafür zu nutzen. Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (GWG) für den Kreis Viersen hat sich nun bereit erklärt, in Brüggen ein Haus für Flüchtlinge zu bauen. Dafür kauft die GWG der Gemeinde ein Grundstück am Eichenweg ab, dem Bolzplatz gegenüber. Auf der Fläche dort soll in einigen Jahren ein Wohngebiet mit Einfamilienhäusern entstehen. Vorn an der Straße ist in der bisherigen Planung ein Mehrfamilienhaus vorgesehen.

Dieses Mehrfamilienhaus will die GWG errichten. Zehn Wohnungen, je 70 bis 80 Quadratmeter groß, seien geplant, erläutert GWG-Vorstand Diether Thelen. Das Haus umfasst zwei Vollgeschosse und ein aufgesetztes Staffelgeschoss und wird barrierefrei eingerichtet. Auch die Vorrüstung für einen Aufzug ist geplant, er kann später eingesetzt werden, wenn es den Bedarf gibt. Thelen rechnet mit Baukosten von insgesamt 1,7 Millionen Euro. Spätestens Mitte 2017 soll das Haus fertig sein. Für sieben bis zehn Jahre - über den Zeitrahmen müssen sich Gemeinde und GWG noch unterhalten - würde die Gemeinde dann von der GWG die Wohnungen anmieten, um Flüchtlinge unterzubringen. Nach Ablauf dieser Zeit würde die GWG die Wohnungen instandsetzen und sie dann zur Miete anbieten. Das seien voraussichtlich kleinere Arbeiten, so Thelen: "An Dach und Fach wird man nach der kurzen Zeit nichts machen müssen."

Der Gemeinderat stimmte der Planung zu. Das Mehrfamilienhaus am Eichenweg sei "würdevoller als alles andere, was in der Kürze der Zeit möglich wäre", sagt Bürgermeister Gellen: "Wir bringen die Menschen dahin, wo Menschen sind, wo sie sich integrieren können." Bauamtsleiter Dieter Dresen erinnert daran, dass in Brüggen immer wieder bezahlbarer Wohnraum gefordert wird: Die Planung passe "wunderbar in das Konzept, das es schon länger für dieses Gebiet gibt, und bedient genau die Nachfrage, die wir in Brüggen haben".

Für das Grundstück, auf dem das Mehrfamilienhaus errichtet werden soll, geht die Gemeinde jetzt in die Planungsphase. Die gesamte Fläche, auf der einmal Einfamilienhäuser entstehen sollen, wird erst in ein paar Jahren geplant. Gleichzeitig will die Gemeinde jetzt aber schon das Bauleitplanverfahren für die Fläche der ehemaligen Landesjagdschule angehen. Dort strebt die Gemeinde eine Wohnbebauung an. Dem jetzigen Plan zufolge könnte sie nur eine Schule dort bauen. Also muss der Plan geändert werden.

Etwa 50 bis 60 Flüchtlinge könnten Mitte 2017 am Eichenweg in das neue Haus der GWG ziehen. Vorher will die Gemeinde mit den Anwohnern reden - und zwar nicht erst 2017, sondern jetzt schon. Nach den Sommerferien sei ein Ortstermin geplant, um zu skizzieren, was dort vorgesehen ist, kündigt Gellen an. Dieses Vorgehen hat sich schon bei der Landesjagdschule bewährt: Bislang, so Gellen, gebe es am von-Schaesberg-Weg keine Beschwerden - weder von Nachbarn noch von Bewohnern des Jägerhofs.

Quelle: RP
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