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Brüggen
In den Ferien steht der Stundenplan an

Brüggen: In den Herbstferien steht der Stundenplan an
Heiko Glade ist seit 1998 an der Gesamtschule Brüggen tätig. Er übernahm nun die Stelle des stellvertretenden Schulleiters von Joachim Wagner. In den Ferien kümmert sich Glade um den Stundenplan und korrigiert Klassenarbeiten. FOTO: Busch
Brüggen. Als neuer stellvertretender Gesamtschulleiter kümmert sich Heiko Glade um den Stundenplan. Er wünscht sich, dass die Schüler die Schule mit einem gesunden Selbstbewusstsein verlassen - und wissen, wohin ihr Weg führen soll. Von Birgitta Ronge

Früher gab es in den Lehrerzimmern riesige Wände mit vielen bunten kleinen Steckern drauf. Mit Hilfe dieser Tafeln entwickelten die Schulleiter den Stundenplan - für alle Schüler, für alle Lehrer, und ja, auch für alle Räume. Das war recht aufwendig, und je größer die Schule war, desto länger dauerte es, den Stundenplan zu erstellen. Inzwischen kümmert sich an vielen Schulen ein Computer darum, auch an der Gesamtschule in Brüggen. Die Software berechnet verschiedene Modelle, aus denen Heiko Glade dann das beste Modell auswählt und "hier und da noch an ein paar Schräubchen dreht", wie er erklärt.

Zum ersten Mal kümmerte sich der stellvertretende Leiter der Gesamtschule in den Sommerferien um den Stundenplan, jetzt sind der Computer und Glade wieder dran: In den Herbstferien wird einiges geändert, denn der Stundenplan ist immer in Bewegung. Neue Lehrer kommen hinzu, andere gehen fort, mal ist einer krank, mal geht eine Lehrerin in Elternzeit. Der eine arbeitet Vollzeit, der nächste nur ein paar Stunden. All das muss der Computer wissen, um ein Stundenplan-Modell berechnen zu können.

Zum neuen Schuljahr nun übernahm die Stelle des stellvertretenden Schulleiters von seinem Vorgänger Joachim Wagner. Seit 1998 ist Heiko Glade an der Gesamtschule in Brüggen tätig. Er kommt eigentlich aus Paderborn, studierte Englisch und Sport für das Lehramt und absolvierte sein Referendariat an einem Gymnasium in Bonn. Eine Gesamtschule habe er, bevor er nach Brüggen kam, noch nie von innen gesehen, erzählt Glade. "Ich bin da sehr blauäugig reingestolpert", gibt er zu. "Aber mittlerweile bin ich überzeugter Gesamtschullehrer. Die Idee, die dahinter steht, vertrete ich gerne und sehr offensiv." Er sei auch kein Freund von G8, sagt Glade, "weil ich nicht glaube, dass das eine Jahr, was die Schüler einsparen, ihnen irgendetwas bringt". Schaue man sich ein ganzes Leben an, in dem das Renteneintrittsalter immer weiter nach hinten rücke, falle das eine Jahr nicht ins Gewicht - "aber die Lebensqualität, die man den Jugendlichen durch G8 nimmt, ist beträchtlich." Er ist selbst Vater eines achtjährigen Sohnes und hat festgestellt: "Für mich ist wichtig, dass Kinder am Nachmittag die Schule auch einmal vergessen und andere soziale Erfahrungen machen können."

Die Bezeichnung "stellvertretender Schulleiter" liegt Glade nicht so. Er sieht sich eher als Organisationsleiter, der Abläufe verbessern und für die Koordination der beiden Schulstandorte Brüggen und Bracht sorgen will. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört es auch, die Zufriedenheit am Arbeitsplatz zu erhalten - und zwar für pädagogisches wie für nicht-pädagogisches Personal an der Schule. Inklusion und der Unterricht von Flüchtlingskindern sind weitere Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. Daneben unterrichtet Glade nun noch 14 Stunden pro Woche Englisch und Sport. Früher sei er sportlicher gewesen, erzählt der 48-Jährige schmunzelnd - er lief Halbmarathon, war im Karate- und im Volleyballverein und betreute mit einer Lehrerin die Skifreizeit der Schule. Das machten heute die Gelenke nicht mehr so mit, sagt Glade, "aber ich glaube, dass ich bei einem ernsthaften Badminton-Spiel immer noch jeden Schüler schlagen würde."

Klassenlehrer sei er immer gern gewesen, sagt Glade. Die Schüler sechs Jahre lang begleiten zu können, sei eine wertvolle Erfahrung. Der Einfluss des Lehrers sei natürlich begrenzt, man verbringe schließlich nur etwa 30 Stunden pro Woche miteinander, doch wenn es gelinge, "das Samenkorn zu pflanzen", wie Glade es nennt, sei er zufrieden. Was sollen die Schüler aus ihrer Schulzeit mitnehmen? "Ein gesundes Selbstbewusstsein", sagt Glade. "Und sie sollen wissen, wo sie im Leben stehen und in welche Richtung ihr Weg führen soll." Das sei allerdings heute für viele junge Leute sehr schwierig: "Heute stehen allen alle Wege offen. Das ist die Generation, die vor lauter Entscheidungsmöglichkeiten nicht weiß, wohin." Da seien dann Lehrer und Eltern gefragt, gemeinsam mit den Jugendlichen zu überlegen, welcher Weg wohl der richtige sein könnte.

Der Weg hat Glade nach Dülken geführt, wo er seit elf Jahren mit seiner Familie lebt. Dort fühle er sich sehr wohl, doch auch in Brüggen fühle er sich zu Hause. Was ihn besonders freute: Dass er für den WDR-2-Tag in Brüggen gefragt wurde, ob er nicht das Quiz-Team verstärken wolle: "Das hat mir gezeigt, dass ich mich auch als Brüggener fühlen kann, ohne hier zu wohnen."

Quelle: RP
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