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Brüggen
Brüggen: Nachbarn kritisieren Neubaupläne

Brüggen. Der Bolzplatz an der Straße "In der Haag" soll bebaut werden. Vier Varianten stellte die Gemeinde bei einer Bürgerversammlung vor. Anwohner übten Kritik: Sie fürchten, dass ihre eigenen Häuser durch Mehrfamilienhäuser nebenan an Wert verlieren Von Birgit Sroka

Junge Menschen, die ins Berufsleben starten und eine eigene kleine Wohnung suchen, finden keine in Brüggen. Und ältere Menschen, die alleinstehend sind oder sich kleiner setzen möchten, finden ebenfalls keine. Das hatten in der Vergangenheit auch Bürger der Gemeinde Brüggen immer wieder kritisiert. Die Gemeinde hat nicht mehr viele eigene Grundstücke, die zeitnah bebaut werden können, um dem Wohnungsmangel entgegenzuwirken. Nun soll die Fläche an der Straße "In der Haag" in Brüggen, auf der sich noch ein Bolzplatz befindet, für eine Wohnbebauung vorbereiten werden. Das Grundstück gehört der Gemeinde. Vier Varianten für eine Bebauung mit Einfamilienhäusern, Doppelhäusern oder Mehrfamilienhäusern wurden jetzt bei einer Versammlung den Anwohnern vorgestellt. Doch die waren mit der Planung nicht einverstanden: Starker Gegenwind wehte Bürgermeister Frank Gellen (CDU) und den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung entgegen.

Viele Anwohner waren in den großen Sitzungssaal des Rathauses gekommen, die Stimmung war angespannt. In Ausschüssen und im Rat sei kontrovers diskutiert worden, "ob da wirklich ein größeres Gebäude errichtet werden soll", so Gellen. Die vier Varianten jetzt seien nur Vorschläge: Letztlich könne auch eine Mischung entwickelt werden, die allen Belangen gerecht werde. Der Bürgermeister betonte: "Wir wollen nicht den Millionär, der sich dort eine Luxusvilla hinsetzt." Dieses Angebot liege der Gemeinde vor.

CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Schmidt erinnerte an eine gut besuchte Info-Veranstaltung, bei der Bürger darauf hingewiesen hatten, dass es in Brüggen keine kleineren Wohnungen gebe. Dabei gehe es nicht um sozialen Wohnungsbau, so Gellen, sondern um Menschen, die sich auch eine Miete von vielleicht acht Euro pro Quadratmeter für eine moderne Wohnung von 50 bis 60 Quadratmetern in einem schönen Umfeld leisten könnten.

Die Zuhörer störte vor allem, dass die für ihre eigenen Häuser geltenden Baufestsetzungen nun möglicherweise geändert werden könnten, wenn die Fläche des Bolzplatzes überplant wird, um dort Mehrfamilienhäuser zu bauen. Stadtplaner Henning Schmidt fand: "Man muss bestehende Regelungen auch überdenken dürfen", die Anwohner sahen das allerdings anders. "Das ist ein gewachsenes Wohngebiet. Wenn die Gemeinde unbedingt etwas Neues für den Bedarf planen möchte, warum nicht in einem großen Neubaugebiet? Alle anderen haben sich an die Festsetzungen halten müssen", klagten Zuhörer und forderten die Gemeinde auf, dem Millionär doch das Grundstück zu überlassen, um die Gemeindekasse aufzubessern, das Laumans-Gelände zu kaufen und dort Mehrfamilienhäuser zu errichten.

Als Vertreter von 13 Nachbarn sprach ein Anwohner. Er erklärte, dass den Anwohnern bislang auf ihren Grundstücken ein Ausbau nach Süden untersagt worden sei. Weitere Kritikpunkte der Nachbarn: Sie wollten die "Vergreisung" des Wohngebiets verhindern und seien darum gegen Mehrfamilienhäuser, in denen eventuell viele ältere Menschen wohnen könnten. Auch fürchteten sie Verkehrsbehinderungen durch zu viele Fahrzeuge und zu wenig Parkplätze. Der Schulweg der Kinder würde dadurch unsicherer. Die Varianten zwei bis vier - die Vorschläge mit den Doppelhaushälften oder Mehrfamilienhäusern - passten einfach nicht in das Bild der Straße.

Der eigentliche Knackpunkt aber wurde erst danach deutlich. Der Vertreter der Nachbarn sprach von einer Teilenteignung: Die Anwohner hätten erhebliche Aufwendungen auf sich genommen, um in diesem Gebiet bauen zu können. Durch Mehrfamilienhäuser in der Nachbarschaft würden ihre Grundstücke an Wert verlieren. Dafür erhielt er deutliche Zustimmung von den anwesenden Zuhörern.

Gellen betonte, dass die Planung ein Prozess sei, der am Beginn stehe. Anregungen der Bürger würden aufgenommen. Die Verwaltungsmitarbeiter und Mitglieder des Rates bemühten sich während der Diskussion sichtlich um eine unbewegte Miene, doch einigen war die Enttäuschung über die Reaktion der Zuhörer anzusehen.

Quelle: RP
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