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Brüggen
Brüggen sucht Flächen für Flüchtlingshäuser

Brüggen: Brüggen sucht Flächen für Flüchtlingshäuser
Bürgermeister Frank Gellen (re.), hier in der Flüchtlingsunterkunft am Südwall, schlägt Alarm: Brüggen kann keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. FOTO: gemeinde
Brüggen. In der Gemeidne fehlt Platz für Unterkünfte. Kurzfristig sollen Gewerbeobjekte die Lücke schließen, langfristig Wohnungen der GWG. Von Daniela Buschkamp

"Wir können keine Flüchtlinge mehr aufnehmen", sagt Brüggens Bürgermeister Frank Gellen bei einer Pressekonferenz im Rathaus. Er hat deshalb eine Überlastungsanzeige an die Bezirksregierung in Arnsberg formuliert. Eine Antwort stehe noch aus. Pro Woche hat sie Brüggen bisher im Durchschnitt 16 Menschen zugewiesen. Aktuell gibt es Überlegungen, eine Halle mit bis zu 60 Plätzen als Unterkunft herzurichten. Diese könne aber frühestens "in zwei bis drei Monaten" genutzt werden, so Gellen.

Container oder Zelte seien für die Verwaltung keine Alternativen. "Container werden nicht gern bezogen", sagt Anja Tiskens, Koordinatorin im Rathaus für Flüchtlingsfragen. Die Menschen würden sogar eine Sporthalle bevorzugen. Bei Treffen mit den Flüchtlingen habe sie Gefühle von "Angst über Skepsis bis Hilfsbereitschaft" erfahren. "Wir haben dort auch für gegenseitigen Respekt und Rücksichtnahme geworben", so Gellen. Zelte seien "wegen des Wetters unmöglich", sagt Gerd Schwarz, Leiter des Fachbereichs Personal. Feldbetten oder Sanitärcontainer seien nur mit langen Wartezeiten zu erhalten. Weitere Turnhallen will der Bürgermeister nicht bereitstellen: "Dagegen verwahre ich mich. Sie werden intensiv genutzt, wir müssen auch eine Infrastruktur für unsere Sportler aufrechterhalten."

Diese Situation hat unterschiedliche Konsequenzen. Für die Bürger bedeutet es, dass sie weiter auf das Hallenbad in Bracht verzichten müssen. Ursprünglich hatte die Verwaltung geplant, die Schwimmstätte bis zum Jahresende wieder für den Sport freizugeben. Jetzt erklärt Gellen: "Wir wissen nicht, wann das Bad wieder zur Verfügung steht." In der Einrichtung seien die Sportgeräte aus der Turnhalle gelagert.

Für die Schüler am Standort Bracht heißt es, dass die Turnhalle am Südwall weiterhin nicht genutzt werden kann. "Wir wollten die Halle ursprünglich mit 64 Flüchtlingen belegen", erläutert der Bürgermeister. Nach Beratung mit einem Brandschutzexperten habe man diese Zahl aber auf 24 reduziert. Neben Problemen mit dem Brandschutz fürchtete die Verwaltung das Ausbrechen von Konflikten. Dies sei eine Erfahrung, wenn zahlreiche Menschen in Hallen leben, in denen Bereiche nur durch Stellwände getrennt seien, so Gellen.

Langfristig muss die Verwaltung jetzt neue Bauprojekte vorbereiten, um weiteren Flüchtlinge eine Heimat zu bieten und sie zu integrieren. "Es geht nicht nur darum, die Menschen wie in einer Erstaufnahmestelle aufzunehmen. Viele von ihnen könnten auch dauerhaft hier leben", betont der Verwaltungschef. "Deshalb müssen wir so schnell wie möglich planen." Zurzeit erstelle die Verwaltung eine Liste mit Flächen, auf denen solche Gebäude errichtet werden können. "Diese Liste wollen wir so bald die möglich den Politikern vorlegen. Wir werden dazu unter Umständen eine Sondersitzung des Bauausschusses ansetzen", kündigt Gellen an. Sein Plan: "In 18 Monaten werden wir diverse Gebäude haben."

Vorbild ist ein Projekt der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (GWG) des Kreises Viersen am Eichenweg in Brüggen: Auf einer kommunalen Fläche errichtet die Gesellschaft ein Mehrfamilienhaus, dessen Wohnungen an Flüchtlinge vermietet werden. Werden diese nicht mehr benötigt, wird das Gebäude saniert und auf dem freien Markt angeboten. Zehn Wohnungen soll es in dem Mehrfamilienhaus am Eichenweg geben, die GWG rechnet mit Baukosten von insgesamt 1,7 Millionen Euro.

Quelle: RP
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