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Schwalmtal
Bürgerstiftung kritisiert den Kies-Beschluss

Schwalmtal. Die Bürgerstiftung will mehr Geld für das Pastorsfeld geboten haben. Doch ein verbindliches Angebot kam zu spät, sagt der Kirchenvorstand Von Birgitta Ronge

Die Bürgerstiftung Lüttelforst wirft dem Kirchenvorstand der Pfarrei St. Matthias in Schwalmtal vor, nicht nur die Sanierung der Lüttelforster Kirche St. Jakobus im Blick gehabt zu haben, als er beschloss, das "Pastorsfeld" für den Kiesabbau an die Tiefbaufirma Sanders zu verkaufen. "Die Mehrheit des Kirchenvorstandes hat damit gegen die wirtschaftliche Vernunft, unter Schädigung des Kirchenvermögens und gegen den erklärten Willen der Lüttelforster Bürger und Katholiken gezielt einem Schwalmtaler Unternehmen geholfen, seinen Kiesabbau zu erweitern", heißt es in einer Mitteilung der Bürgerstiftung.

Sowohl die Tiefbaufirma, die seit Jahrzehnten in Lüttelforst Kies abgräbt, als auch die Bürgerstiftung hatten das Kirchengrundstück kaufen wollen, das der Kirchenvorstand Ende Mai an Sanders zu verkaufen beschloss. Beide legten ein Angebot vor - Sanders mit dem Ziel, dort weiter Kies abbauen zu können, die Stiftung mit dem Ziel, den weiteren Kiesabbau in Lüttelforst zu verhindern. Die Bürgerstiftung übt massive Kritik an der Vorgehensweise der Pfarrer: Die hauptamtlichen Akteure der Kirchengemeinde hätten die ehrenamtlich Entscheidenden (also die Mitglieder des Kirchenvorstands) nicht korrekt unterrichtet, "jedenfalls soweit diese nicht vorab in die eigentliche Absicht eingeweiht waren, dem Unternehmen zu helfen". Um "eine Entscheidung zugunsten des befreundeten Unternehmens durchzusetzen, wurden gezielt falsche Angaben gemacht".

Nach der Rechnung, die die Stiftung in ihrer Mitteilung aufmacht, liegt die Stiftung mit ihrem Angebot höher als die Tiefbaufirma. Danach habe Sanders neben dem notariell angebotenen Kaufpreis von 254.000 Euro eine zusätzliche, vor Vertragsschluss überwiesene Zahlung von 146.000 Euro angeboten, was in Summe 400.000 Euro ergibt. Die Bürgerstiftung hingegen habe notariell verbrieft für die Sanierung der Kirche St. Jakobus 255.000 Euro angeboten, außerdem für zehn Jahre eine Beteiligung an den Betriebskosten für St. Jakobus mit 10.000 Euro pro Jahr, gesamt 432.000 Euro. Zudem hätte die Kirche das Grundstück später als Ackerland verpachten oder verkaufen können, was bei sieben Euro pro Quadratmeter 177.000 Euro einbringen könnte.

Die Vorwürfe gegen den Kirchenvorstand, die in den vergangenen Wochen laut wurden, weist Pfarrer Thorsten Aymanns als Vorsitzender des Gremiums zurück. Aymanns hatte am Dienstag einen Brief an die Schwalmtaler Gläubigen auf der Internetseite der Pfarrei eingestellt, um zu erklären, wie und warum der Kirchenvorstand den Beschluss für das Angebot von Sanders fasste: Es werde häufig vorausgesetzt, dass die Angebote von Sanders und der Stiftung gleich gut gewesen seien, das aber sei nicht der Fall gewesen, so Aymanns. Die Angebote ließen sich schwer miteinander vergleiche, "da es eben nicht nur um unmittelbar zu zahlende Beträge ging. Zu beurteilen waren auch mögliche, heute aber nur schwer zu bewertende künftige wirtschaftliche Entwicklungen und die Frage, ob das jeweilige Angebot vom Bistum genehmigt werden wird", so Aymanns. Er macht deutlich: "Entscheidend war die rechtliche und finanzielle Sicherheit beider Angebote zum Zeitpunkt der Entscheidung."

Zeitpunkt der Entscheidung war, so führt der Kirchenvorstand von St. Matthias aus, der 23. Mai. Ein notarielles Angebot der Firma Sanders habe dem Kirchenvorstand seit dem 24. Februar vorgelegen, befristet bis Ende Mai. Daraufhin habe der Kirchenvorstand die Bürgerstiftung aufgefordert, bis spätestens Mitte März ebenfalls ein verbindliches Angebot vorzulegen. Per E-Mail habe der Kirchenvorstand die Mitteilung erhalten, dass die Stiftung beabsichtige, das Grundstück zu einem Preis zu erwerben, der 1000 Euro über dem Betrag der direkten Zahlung von Sanders lag. Ein dringend benötigtes, juristisches Angebot aber sei ausgeblieben.

Der Kirchenvorstand ließ das Angebot von Sanders beim Bistum juristisch und auf Genehmigungsfähigkeit prüfen. Die Prüfung verlief positiv, das Bistum gab grünes Licht. Die Bürgerstiftung hingegen ließ trotz mehrfacher Aufforderung den 15. März verstreichen, ohne ihr Angebot juristisch belastbar vorzulegen, teilt der Kirchenvorstand mit, auch danach legte die Stiftung zunächst kein rechtlich verbindliches Angebot vor. Erst am 23. Mai habe die Stiftung ein verbindliches Angebot vorgelegt - zu spät, das Bistum um Prüfung zu bitten. Mehrheitlich beschloss der Kirchenvorstand am 23. Mai, an Sanders zu verkaufen.

Quelle: RP
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