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Schwalmtal
Bufdis helfen Schwalmtals Flüchtlingen

Schwalmtal: Bufdis helfen Schwalmtals Flüchtlingen
Aga Laszewski (vorne Mitte) und Kerstin Schwarze (hinten Mitte) koordinieren im Pfarrbüro die Flüchtlingshilfe in Schwalmtal. Dabei helfen ihnen Bundesfreiwilligendienstleistende. Moritz Maubach und Lea Brachtendorf (rechts) waren die ersten Bufdis in der Schwalmtaler Flüchtlingshilfe. Neu dabei ab September ist Nicola Raßmes (links). FOTO: Busch
Schwalmtal. Lea Brachtendorf und Moritz Maubach waren die ersten Bundesfreiwilligendienstleistenden bei der Flüchtlingshilfe in Schwalmtal. Erst seit 2016 werden dort Bufdis eingesetzt. Jetzt berichten die beiden von ihren Erfahrungen Von Birgitta Ronge

Das alte Pfarrhaus an der Niederstraße in Waldniel ist die Schaltzentrale der Flüchtlingshilfe. Von hier aus koordinieren Aga Laszewski und Kerstin Schwarze die Arbeit für die Menschen, die aus ihren Heimatländern geflohen und in Schwalmtal angekommen sind. Etwa 300 Flüchtlinge leben aktuell in den Unterkünften der Gemeinde, unter ihnen rund 80 Kinder. Sie brauchen in vielen Dingen Hilfe: Es gilt, viele Formulare auszufüllen, mit ihnen zum Arzt oder zur Bank zu fahren, ihnen zu zeigen, wo sie Kleidung bekommen, wo es Sprachkurse gibt und welche Freizeitangebote Schwalmtaler Vereine machen. Die Kinder müssen in Kindergärten und Schulen angemeldet werden.

Im vergangenen Jahr wurde der Flüchtlingsberaterin Aga Laszewski klar: "Ich brauche Hilfe." Die Pfarrgemeinde bot daraufhin zwei Stellen im Bundesfreiwilligendienst an, und zwei Abiturienten aus Willich meldeten sich. Sie waren die ersten Bufdis, die im Bistum Aachen in der Flüchtlingshilfe tätig wurden. Jetzt hat der 19-jährige Moritz Maubach seinen Dienst beendet, die 18-jährige Lea Brachtendorf ist bis Ende Mai dabei. Lea will nun Pädagogik studieren, Moritz Architektur. Für Flüchtlingsberaterin Laszewski hat sich die Hilfe bewährt. Nicola Raßmes (19) aus Schwalmtal beginnt im September, ein weiterer Bufdi soll noch hinzukommen.

Eigentlich hatten Moritz und Lea nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) absolvieren wollen. Dann stießen sie auf das Angebot der Schwalmtaler Flüchtlingshilfe. Und für die beiden war klar: Das machen wir. "Ich fand es damals schon nicht gut, wie die Gesellschaft mit der Flüchtlingssituation umgeht", erzählt Lea. Sie fügt hinzu: "Hier kommen Menschen an, die Hilfe brauchen, und manche sagen: ,Schickt sie zurück.' Ich kann nicht nachvollziehen, wie man so eine Anti-Haltung haben kann. Wir können helfen, also sollten wir es auch." Es gebe ja auch keine andere Möglichkeit, betont Moritz: "Die Lage verbessert sich ja nicht, wenn alle Flüchtlinge in der Türkei sind."

Im September 2016 begannen die beiden ihren Dienst in Schwalmtal. Sie halfen Kindern bei den Hausaufgaben, organisierten Möbel für Flüchtlinge, fuhren mit Asylsuchenden zum Arzt, erklärten, welche Feste es im Ort gibt, und halfen bei der Ferienfreizeit für Kinder. Was sie gelernt haben? "Ich habe kein Problem mehr damit, irgendwo anzurufen oder irgendwo zu klingeln und mit fremden Menschen zu sprechen", sagt Lea. Die beiden haben gelernt, dass man sehr viele Formulare ausfüllen muss, um sich beim Jobcenter anzumelden - und dass die Anträge auch für Menschen, die sehr gut Deutsch sprechen, schwierig zu verstehen sind. Sie haben gelernt, dass Flüchtlinge es nicht leicht haben, eine Wohnung zu finden. Um für anerkannte Flüchtlinge eine Wohnung zu finden, telefonierte Lea mit Vermietern in Mönchengladbach und Krefeld, "aber die sagen, dass sie keine Mieter wollen, die Geld vom Jobcenter erhalten", hat die 18-Jährige festgestellt. Die beiden haben auch gelernt, dass sie nicht allen Menschen helfen können, denn nicht jeder darf bleiben. "Man muss auch akzeptieren können, wenn man nichts machen kann, wenn jemand abgeschoben wird", erklärt Moritz.

Umso mehr freuen sich die beiden, wenn sie einem Flüchtling eine Freude machen können: "Wir verteilen die Briefe vom Bundesamt in den Unterkünften", erklärt Lea. "Und wenn jemand den Brief bekommt, in dem steht, dass er drei Jahre bleiben darf, und sich so freut, dann freut man sich mit." Und oft sind es die kleinen Dinge, die auch den Helfern Freude machen. Moritz nennt ein Beispiel: "Wenn man merkt, dass viele besser Deutsch lernen, und dann irgendwann sagen: ,Tschüss, schönen Tag noch.'"

Quelle: RP
 
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