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Viersen
Busfahrer sucht mutmaßlichen Schläger über Facebook

Viersen. Am Bismarckplatz soll ein junger Mann einen Busfahrer verletzt haben. Der Angegriffene fahndete daraufhin im Internet mit Fotos nach dem Flüchtigen Von Gabi Peters, Franziska Hein und Laura Sandgathe

Der Fall soll sich am Donnerstag gegen 11.30 Uhr zugetragen haben. Zeugen schildern das Geschehen wie folgt: Ein junger Mann will am Bismarckplatz in den Bus steigen. Weil er keinen Fahrausweis dabei hat, weist ihn der Fahrer aus dem Bus. Daraufhin soll der Mann den Fahrer beleidigt haben. Als der den Notruf 110 wählt, schlägt der junge Mann zu.

Die Polizei bestätigte gestern, dass es eine Anzeige wegen Körperverletzung gibt und auch die Verletzung des Busfahrers. Mehr Details will sie nicht preisgeben. Es werde noch ermittelt, hieß es gestern Mittag. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Busfahrer bereits eine Erfolgsmeldung verkündet. Er hatte über Facebook einen privaten Fahndungsaufruf nach dem Verdächtigen gestartet. Dazu hatte er zwei Fotos des mutmaßlichen Täters veröffentlicht. Dieser Post wurde innerhalb weniger Stunden 10.000-fach geteilt, auch von Mönchengladbacher Prominenten. Ergebnis: Wenig später verkündigte der Busfahrer einen "Fahndungserfolg" und veröffentlichte einen Screenshot vom Profil des mutmaßlichen Schlägers.

Die Reaktion auf diese Aktion im Netz: Zuerst gab es Genesungswünsche für den Busfahrer, aber auch Beleidigungen und Anfeindungen in Richtung des mutmaßlichen Schlägers, darunter sogar Aufrufe zur Selbstjustiz. Anschließend posteten viele Internetnutzer "Glückwünsche". Doch auch wenn die private Suche über Facebook nach einem mutmaßlichen Straftäter Erfolg hatte und moralische Unterstützung findet, ist sie rechtlich äußerst fraglich. Der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke ist sich sicher, dass eine Privatfahndung mit Foto bei Facebook gegen das Recht am eigenen Bild verstoße und daher nicht zulässig sei. Private Fahndungsaufrufe könnten unter Umständen strafbar sein, so der Experte. Ob nun auch der Busfahrer als eigentliches Opfer mit einer Strafe zu rechnen hat oder auch alle, die seinen Fahndungsaufruf teilten, war gestern noch nicht zu erfahren. Der Fahrer hat mittlerweile alle seine Posts zu diesem Fall gelöscht. Die Facebookseite des Verdächtigen ist komplett verschwunden.

Quelle: RP
 
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