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Serie Mühlen im Kreis Viersen
Campen an der Dilborner Mühle

Serie Mühlen im Kreis Viersen: Campen an der Dilborner Mühle
Idylle pur in Niederkrüchten: ein Blick über den Mühlenweiher zur Dilborner Mühle. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Die Dilborner Mühle in Overhetfeld ist eine der wenigen Mühlen, die über ein Wasserradhaus verfügen. Wo einst zwei Mühlräder im Einsatz waren, ist heute noch ein gewaltiges Rad vorhanden. Von Natascha Becker

Wahre Schätzchen liegen oft versteckt. Das trifft auf die Dilborner Mühle, heute bekannt als idyllisch gelegener Campingplatz, auf der ganzen Linie zu. Denn von außen verrät das Gebäude mit keinem eindeutigen Hinweis, dass hier einst eine Öl- und später auch eine Getreidemühle im Einsatz war. Die gesamte Mühlentechnik einschließlich des Wasserrades ist nämlich in einem zweigeschossigen Ziegelsteinbau mit grünen Gitterfenstern verborgen. "Nicht jeder unserer Camper weiß, dass er quasi neben einer Mühle sein Quartier aufgeschlagen hat", sagt Georg van de Weyer, der gerade zwei grüne Fensterläden am Wasserradhaus öffnet und einen gigantischen Einblick gewährt.

Zunächst ist nur ein Rauschen zu hören, dann wird in der Dunkelheit des Gebäudes mit der gewölbten Decke das mächtige Mühlrad mit seinen Holzschaufeln sichtbar. Das dreht sich zwar nicht, weil es arretiert ist, doch die Schwalm umspült die alte Gerätschaft. "Wir überlegen, ob wir es nicht wieder in Gang setzen sollen", erzählt van de Weyer, dessen Familiengeschichte untrennbar mit der Dilborner Mühle verbunden ist. Sie befindet sich nämlich seit einigen Jahrhunderten in Familienbesitz. Die Müllertradition zieht sich wie ein roter Faden durch die Familie. Selbst 1950 lief die Mühle noch, allerdings mit Elektromotor. "Wie alt die Mühle dabei genau ist, weiß keiner mehr. Bei einem Brand im Jahr 1911 ging sämtliches Urkundenmaterial über das Schloss Dilborn und die Mühle verloren", berichtet van de Weyer.

Aber nicht nur das Mühlrad lockt. Im Inneren des Mühlenhauses ist die Zeit stehen geblieben. Das gesamte Mahlwerk ist noch erhalten. Die hölzernen Zahnräder mit ihren unzähligen Holzzähnen inmitten der uralten Eichenbalken mit ihren Rissen und Altersspuren zeigen eine Technik, die auch heute noch funktioniert. "Mein Vater hat das Mahlwerk noch über einen Generator betrieben", erzählt van de Weyer und deutet auf den auch schon etwas vorsintflutlich anmutenden Generator sowie den Riemen, der als Antrieb diente.

Wer über eine steile Stiege höher klettert, stößt direkt auf drei Mahleinheiten mit je zwei Mühlsteinen. Die drehbaren Arme des Wenders schweben noch über den Steinen, als würde gleich der Müller kommen und einen der tonnenschweren Mahlsteine anheben. Ein alter Holzhebel im Boden mutet ungewöhnlich an, dient aber dazu, die Zahnräder hinauf und hinunter zu setzen - was ebenfalls noch funktioniert, wie van de Weyer mit entsprechender Kraftanstrengung beweist. Es knirscht und rumpelt, und das Zahnrad eine Etage tiefer senkt sich langsam ab. Eine weitere Stiege höher lockt die Maschine, mit der die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Unterm Dach zeigt sich auch, mit welch einfacher Technik für eine entsprechende Lüftung der Mühlenspeicher, wo das Korn lagerte, gesorgt wurde.

Quelle: RP
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