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Camping-Mord in Niederkrüchten
"Sie sah keinen anderen Ausweg"

Camping-Mord in Niederkrüchten: Frau sah Mord als Ausweg
Ermittler am Tatort in Niederkrüchten. (Archiv) FOTO: Günter Jungmann
Viersen. Eine Frau aus Neuss soll mit drei Komplizen ihren Lebensgefährten ermordet haben. Die Leiche des Mannes war auf einem Camping-Platz in Niederkrüchten entdeckt worden. Nun hat die Polizei über die Hintergründe der Tat informiert.  Von Birgitta Ronge, Niederkrüchten

Am Mittwochmorgen hat die Polizei in Mönchengladbach zwei junge Männer festgenommen. Die Ermittler sind davon überzeugt, dass die beiden 23-Jährigen einen 54-jährigen Mann aus Viersen ermordet haben sollen. Bei dem Mann handelt es sich um den Lebensgefährten einer 52-jährigen Neusserin. Sie und ihr 20-jähriger Sohn sollen die beiden jungen Männer zu dem Mord an dem  Lebensgefährten angestiftet haben. Ein Haftrichter schickte bereits Mitte März Mutter und Sohn wegen gemeinschaftlichen Mordes in Untersuchtungshaft, jetzt folgten die beiden jungen Gladbacher.

Am Freitag gaben Polizei und Staatsanwaltschaft Details bekannt. Danach soll die Frau die Tat mit ihrem Sohn geplant und gemeinsam mit den beiden jungen Männern ausgeführt haben. Die Neusserin und der Viersener befanden sich seit etwa einem Jahr in einer Beziehung. Im Herbst 2017 pachteten sie eine Parzelle auf dem Campingforst am Laarer See in Niederkrüchten. Ihre Wohnungen in Neuss und Viersen behielten beide bei – der Wohnwagen diente ihnen dazu, ihre Beziehung ausleben zu können, wie es Hauptkommissar Ingo Thiel am Freitag formulierte.

"Das Opfer war speziell, was Beziehungen anging"

In der Beziehung fühlte sich die Neusserin, die einen Aushilfsjob hatte, offenbar stark eingeengt. "Das Opfer war speziell, was Beziehungen anging", so Thiel. Der Viersener sei "sehr einnehmend" gewesen, habe "sehr forsch" auf seine Lebensgefährtin eingewirkt. Auch körperliche Auseinandersetzungen habe es gegeben. "Letztlich sah sie für sich keinen anderen Ausweg mehr, sich aus dieser Beziehung zu befreien", so Thiel, als den Tod ihres Lebensgefährten zu planen.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler verging etwa eine Woche zwischen der Planung und der Ausführung der Tat. Am Abend des 18. Januar alarmierte die Neusserin über Notruf die Polizei: Sie habe ihren Lebensgefährten tot im Wohnwagen gefunden. Thiel war um 23.45 Uhr dort.

Schnell war den Ermittlern klar, dass der Viersener nicht Opfer eines Raubmordes geworden war: "Das sah aus wie eine Inszenierung, nicht wie ein klassischer Raubüberfall", so Thiel. Damit begann die akribische Arbeit der Ermittler, in die neben der 20-köpfigen Mordkommission auch zahlreiche Fachleute wie Wissenschaftler eingebunden waren.

Lange Suche nach den Tätern

Mit Unterstützung von Diensthundeführern und Polizeitauchern kamen die Ermittler weiter. Leichenspürhund "Miss Marple", trainiert darauf, menschliches Blut zu erschnüffeln, fand im Wäldchen neben der Parzelle des Opfers einen Pflasterstein. Harald Schneider, führender Experte für DNA-Analyse beim Landeskriminalamt in Wiesbaden, konnte an dem Pflasterstein Hautschuppen des Opfers und der Neusserin nachweisen. Ein Polizeitaucher förderte im Laarer See das Handy des Vierseners zutage. Dieses habe einen Kontakt enthalten, den die Lebensgefährtin fingiert habe, berichtete Thiel.

Mit Hilfe von Profilern entwickelten die Ermittler ein Bewegungsbild der Täter. Am 14. März nahmen sie schließlich die Neusserin und ihren Sohn in ihren Wohnungen fest. Im Laufe der Vernehmungen wurde deutlich, dass zwei weitere Personen an der Tatausführung beteiligt waren: die beiden 23-jährigen Mönchengladbacher, die am Mittwoch nun festgenommen wurden.

Komplizen bekamen Geld

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Die beiden jungen Männer sind laut Polizei bislang nicht auffällig geworden. Beide hatten nach dem Abitur eine Ausbildung begonnen – der eine als Einzelhandelskaufmann, der andere als Maurer wie der 20-jährige Sohn auch. Beide seien zur Tat angestiftet worden und hätten "das Angebot angenommen, ein bisschen Geld zu bekommen". Dabei sei es nicht nur darum gegangen, dem Mann einen Denkzettel zu verpassen. "Der sollte nicht mehr aufstehen", so Thiel. "Es war klar, dass am Ende der Tod steht."

Der Viersener kam nicht allein durch einen Schlag mit dem Pflasterstein zu Tode. Er sei durch eine "Kombination von Einwirkungen" gegen Kopf und Oberkörper gestorben, habe stumpfe und offene Verletzungen gehabt. "Es sind verschiedene Sachen eingesetzt worden", berichtete Thiel, der hinzufügte: "Die ganze Geschichte kann sich ein Drehbuchautor nicht ausdenken."

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