| 00.00 Uhr

Viersen
"Causa Küppers": Wer wusste was in der Politik?

Viersen. Als im September 2015 unter dem Tagesordnungspunkt "Personalangelegenheiten" eine Behaltensentscheidung für Wirtschaftsförderer und GMG-Geschäftsführer Thomas Küppers zur Debatte stand, fühlte sich der Rat der Stadt Viersen durch die Ratsvorlage nur ungenügend informiert. Von Sabine Janssen

Doch nicht alle Ratsmitglieder können für sich in Anspruch nehmen, über den Vorgang nicht informiert gewesen zu sein. Der Beirat der Grundstücks-Marketing-Gesellschaft war und ist hochkarätig mit Kommunalpolitikern aller Parteien besetzt.

Die Entscheidung der zusätzlichen Vergütung wurde im Frühjahr 2014 im Beirat getroffen. Der Vereinbarung zufolge erhält Küppers zusätzlich zur Beamtenbesoldung nach A 15 eine monatliche Vergütung von 3000 Euro brutto plus einer Tantieme von fünf Prozent des Jahresüberschusses der GMG. Den GMG-Vorsitz hatte zu der Zeit der Christdemokrat Günter Neumann. Auf Nachfrage unserer Redaktion wollte er sich nicht äußern.

Sein damaliger Stellvertreter im GMG-Beirat Friedhelm Werner (Grüne) sagt indes: "Mich wundert sehr, dass heute so viele in Erstaunen ausbrechen. Der GMG-Beirat war und ist immer mit Viersener Politikern besetzt. Die Mitglieder waren in der Regel gut vorbereitet. Sie wussten, was beschlossen wurde. Jetzt aber tun einige Ratsmitglieder so, als wüssten sie von nichts. Auch der Bürgermeister saß im GMG-Beirat."

Dem Wirtschaftsförderer Thomas Küppers droht ein Disziplinarverfahren, weil er seine zusätzliche Vergütung als Geschäftsführer der Grundstücks-Marketing-Gesellschaft (GMG) auch auf mehrfache Aufforderung laut Stadtverwaltung nicht angezeigt hat.

Über die Hintergründe der damaligen Vergütungsvereinbarung sagt Werner: "So weit ich mich erinnere, ging es um die Notwendigkeit, dem Wirtschaftsförderer und GMG-Geschäftsführer ein attraktives Gehalt zu bieten, damit er in Viersen bleibt. Dabei hat man sich an Geschäftsführer-Gehältern der freien Wirtschaft orientiert." Alt-Bürgermeister Günter Thönnessen (SPD) sagte zu der damaligen Vereinbarung im GMG-Beirat: "Maßgebliche Ratsmitglieder waren über den Vorgang informiert. Im Nachhinein betrachtet hätte man damals die Tischvorlage im GMG-Beirat nicht so Hals-über-Kopf beschließen sollen. Man hätte sie zunächst mit in die Fraktionen und in die Verwaltung nehmen sollen. Ich habe jetzt nur die Befürchtung, dass die Stadt, ihre Wirtschafts- und Standortförderung, Schaden nehmen wird."

Die Besetzung des GMG-Beirats im Frühjahr 2014 sah wie folgt aus: Vorsitzender Günter Neumann (CDU), stellvertretender Vorsitzender Friedhelm Werner (Grüne), Anne Bieler (CDU), Erhard Braun (CDU), Stefan Feiter (FDP), Karl-Heinz Gerhards (SPD), Paul Mackes (CDU), Hans-Willi Pertenbreiter (FürVie), Heinz Plöckes (SPD), Günter Thönnessen (Bürgermeister, SPD).

Neumann und Werner haben den GMG-Beirat ebenso wie auch andere Ratsmitglieder im Herbst 2014 verlassen.

Den Vorsitz hat heute Paul Mackes (CDU), sein Stellvertreter ist Hans-Willi Pertenbreiter.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Viersen: "Causa Küppers": Wer wusste was in der Politik?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.