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Wildschutz beim Mähen
Damit Rehkitze nicht unter die Räder kommen

Wildschutz beim Mähen: Landwirte suchen Wiesen nach Rehkitzen ab
Mähmaschinen sind gefährlich für Wildtiere. Vor allem Rehkitze verstecken sich zur Erntezeit im hohen Gras. Damit beim Mähen trotzdem kein Tier getötet wird, tun Bauern fast alles – nicht zuletzt aus Eigeninteresse. Von Franziska Hein, Viersen

"Ich habe auch schon mal ein Rehkitz überfahren", sagt Heinz-Wilhelm Heitzer. Der erfahrene Landwirt hat einen Pferdehof in Süchteln und baut außerdem Futter für seine Pferde an – Weizen, ein bisschen Hafer und natürlich Gras. Im Juni, wenn es hoch genug steht, wird geerntet. 

Doch das ist auch genau die Zeit, in der Rehe und auch Kleinwild wie Kaninchen Nachwuchs bekommen. Für die jungen Wildtiere wird die Mähmaschine zur großen Gefahr. "Rehkitzen fehlt in den ersten vier Wochen der natürliche Fluchtinstinkt", erklärt Jäger Michael Zanders. Seit mehr als zehn Jahren hat er eine Jagdpacht. "Solange sie noch klein sind, bleiben sie dort liegen, wo die Ricke sie abgesetzt hat und bewegen sich nicht vom Fleck, auch wenn da eine laute Mähmaschine ankommt." Anstatt wegzulaufen, ducken sich die Tiere nur noch tiefer ins Gras. 

Jäger und Landwirt arbeiten Hand in Hand

Zanders pflegt gute Kontakte zu den Landwirten in seinem Revier. Landwirte wie Heinz-Wilhelm Heitzer rufen den Jäger an, wenn sie mähen wollen und bitten ihn, mit seinen Hunden die Wiesen abzusuchen. 

Heitzer hat den Jäger am Morgen verständigt, das Wetter ist beständig genug, um endlich Heu zu ernten. Die Männer treffen sich an der Wiese. Das Stück liegt zwischen einer Landstraße und einem Acker – kein Ort, an dem Rehkitze häufig liegen. Doch sicher ist sicher. Bevor Heitzer die Mähmaschine startet, sucht Zanders mit seinem Kollegen Benjamin Schmitz-Zerres die Wiese ab. Doch ihre drei Hunde arbeiten unter erschwerten Bedingungen. 

Hunde können die Rehkitze nicht immer aufspüren

"Rehkitze sind kurz nach der Geburt vollkommen geruchsneutral", sagt Zanders. "Das heißt, der Hund kann nur ganz schlecht Witterung aufnehmen." Deswegen müssen er und seine Hunde gründlich suchen; oft entdeckt man ein Rehkitz nur, wenn man direkt davor steht. Mittlerweile gibt es deshalb sogar Drohnen, die mit Wärmebildkameras die Wiesen absuchen. So kann man Rehkitze zuverlässiger finden.

Zanders kennt die Stellen in seinem Revier, an denen Ricken in seinem Revier die Kitze absetzen. Besonders beliebt sind Wiesen, die nahe am Waldrand liegen. Erst vergangene Woche hat Heitzer gleich vier Rehkitze in seinen Wiesen gefunden, die dann vorsichtig weggesetzt wurden. Auch Kaninchen finden seine Helfer und er häufiger. Umso mehr stört es ihn, dass mancher Tierschützer den Eindruck erweckt, Landwirte würden den Tod von Wildtieren leichtfertig in Kauf nehmen. Bei Autounfällen kämen Jahr für Jahr mehr Rehe ums Leben als durch Mähmaschinen, betont er. 

Tote Rehe bedeuten oft tote Kühe

"Wir Landwirte haben überhaupt kein Interesse daran, Tiere beim Mähen zu erwischen", verdeutlicht Heitzer. "Das Futter wird dadurch verunreinigt." Ein totes Tier im Heu kann zu Botulismus führen, einer Fleischvergiftung. Heitzer kennt einen Bauern im Ort, der im vergangenen Jahr gleich mehrere Kühe verloren hat, weil dessen Futtermais verunreinigt war. 

Kein Rehkitz - aber eine Handvoll Fasanen-Eier finden die Jäger in der Wiese. FOTO: heif

Entsprechend sorgfältig geht Zanders daher vor. Mit den Hunden durchkämmt er die Wiese Stück für Stück. "Such voran", lautet das Kommando an die Hunde. Und die Suche lohnt sich an diesem Tag. Zwar hockt kein Rehkitz im hohen Gras, dafür finden die Hunde Fasaneneier. Die nimmt Zanders mit nach Hause. Dort brütet ein Rebhuhn die Eier aus und zieht die Fasanenküken die ersten drei Wochen auf. Danach werden sie wieder ausgewildert. Nachdem die Wiese gemäht ist, suchen die Jäger die Wiese noch einmal mit ihren Hunden ab, um sicherzugehen, dass kein Tier getötet wurde. 

Noch während Zanders mit seinen Hunden am Wiesenrand darauf wartet, dass der Bauer fertig gemäht hat, hält an der Straße der nächste Traktor. Ein junger Landwirt steigt aus – und bittet Zanders, als nächstes seine Wiese zu kontrollieren.

 
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