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Viersen
Das alte Märchen vom Froschkönig neu erzählt

Viersen: Das alte Märchen vom Froschkönig neu erzählt
Die beiden Puppenspieler Dorothee Carls (hier als Hausmädchen des Froschkönigs) und Michael Hatzius (als sein Diener) mit der 1,20 Meter großen Puppe. Hatzius, der 2013 den Deutschen Kleinkunstpreis erhielt, ist aus dem Fernsehen auch mit seiner Echse bekannt. FOTO: Jörg Knappe
Viersen. In der Festhalle spielte das Theater Urknall gestern den "Froschkönig oder der eiserne Heinrich". Eine komödiantische Inszenierung, die die kleinen und großen Zuschauer begeisterte Von Janetta Janßen

Die Kinder sind zurückhaltend. Doch die, die sich trauen, berichten, dass sich der Frosch "flauschig" und "warm" anfühle. Und dass der Froschkönig über 1,20 Meter groß ist und die meisten der kleinen Zuschauer überragt, ist für die Kids sonderbar und faszinierend zugleich. 45 Minuten vergehen wie im Fluge. Ein Theaterstück mit viel kindlichem Humor, vielen witzigen Passagen und großer Spielfreude der beiden Puppenspieler Dorothee Carls und Michael Hatzius, die während der Dreiviertelstunde in unzählige Rollen schlüpfen und dafür von Groß und Klein am Ende tosenden Applaus bekommen.

Die Zuschauer dürfen in der Festhalle direkt auf der Bühne auf einem Stuhl Platznehmen. Der Schauplatz ist zum Greifen nah. "Das Stück ist eine Märchenadaption vom Froschkönig", heißt es in der Ankündigung. Der "Patient" - ein grüner Frosch mit gelblichen Glubschaugen wurde von einer alten Frau verzaubert. "Früher war ich ein stattlicher Prinz", sagt der Frosch, dem Michael Hatzius seine Stimme leiht. Immer wieder gehen die Vorhänge des rechteckigen Schauplatzes auf uns zu. Was für die Kleinen dahinter verborgen bleibt, sind zwei Puppenspieler, die nicht nur verschiedene Stimmen imitieren, sondern auch von Rolle zu Rolle schlüpfen: Mal ein alter König, mal der verliebte Heinrich oder die Hauptfigur - dem Frosch ständig hin und her wechseln. Das Stück ist bei den Zuschauern beliebt. 2009 entstand die Inszenierung in Zusammenarbeit mit dem Theater Waidspeicher unter der Regie von Melanie Sowa. Die Puppenspieler touren durch ganz Deutschland. Seit Mitte September war Dorothee Carls nicht mehr zu Hause. "Meine Kinder und mein Mann sind gerade mit unterwegs, weil die Zwei noch nicht schulpflichtig sind, sonst könnte ich das nicht machen", sagt Carls. Es fliegt Konfetti, es fliegt Popcorn und der Frosch kann davon nicht genug bekommen, auch baden mag er, aber "ohne Wasser und mit einem trockenen Lappen". Die Kinder sind begeistert, lachen sich schlapp, schauen fasziniert zu.

Die Melodien, die erklingen, sind auf die Sekunde genau abgestimmt. Verantwortlich dafür ist kein Techniker, sondern die beiden Puppenspieler selbst. "Seit einiger Zeit machen wir das allein, der Techniker wollte nicht mehr touren", erzählt Michael Hatzius. Und das wird zur Herausforderung: Denn die Zwei müssen spielen, je nach Rolle in wenigen Sekunden ihr Outfit wechseln und sie bedienen mit ihrem Fuß während des Stückes auch ein kleines Gerät auf dem Boden, das die Musik erklingen lässt.

Der Froschkönig ist einsam. Er besitzt nur noch eine einige Kiste, in der er seine Geschichte aufbewahrt und den Zuschauern erzählt. So springen die Puppenspieler zusammen mit dem Publikum von Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück, berichten von der bösen Hexerei, einem verwirrten alten König, der sich die Namen seiner drei Töchter nur schwer merken und einer schönen Prinzessin, die den Bann brechen kann.

Moritz (4) und Maximilian (3) können nicht mehr still sitzen, als Prinzessin Marina ihre goldene Kugel aus Versehen in den Brunnen wirft und der Frosch immer wieder abtaucht und sich dem Publikum ganz außer Puste wieder zeigt. Die Jungs kichern und lachen, als die Prinzessin vor der "grünen und garstigen" Kröte zu entkommen versucht. Immer wieder werden die Zuschauer überrascht: ein lauter Knall, wild umher fliegendes Popcorn, ein Frosch, der kopfüber durch die Gegend getragen wird und dann ist dieser nach einem Kuss plötzlich verschwunden. "Wo ist der denn?", fragt Moritz und streckt seinen Hals. "Der hat sich wieder in einen Prinzen verwandelt", sagt Oma Ingrid Walter. Die 68-Jährige hatte, wie ihre Enkel, großen Spaß: "Einfach toll, so viel Witz und spannend, das haben sie super gemacht", sagt die Mönchengladbacherin. Ihr Mann stimmt ihr zu: "Ich bin ja normalerweise nicht für Kindertheater zu haben, aber ich habe viel gelacht", sagt Jürgen Walter.

Doch nach der Vorstellung kommt der Froschkönig, der von einem Puppenbauer in Berlin angefertigt wurde, noch mal nach vorne. Und wieder verstellt Michael Hatzius seine Stimme, während der Frosch vorsichtig an Kinderfingern knabbert und sich unter den Füßen kitzeln lässt. "Wichtig ist, dass das Zusammenspiel zwischen uns funktioniert", sagt Dorothee Carls, während unter ihren Füßen ein paar Kinder noch die Reste an Popcorn im Mund verschwinden lassen. Hatzius und Carls kennen sich vom gemeinsamen Studium an der Hochschule für Schauspielkunst. und 2004 gründeten sie das "Theater Urknall". Die Puppenspieler sind mit ihrem Auftritt in der Viersener Festhalle zufrieden. Am Abend geben sie eine weitere Vorstellung. Und dann geht es für die Freiberufler mit ihrer Theatertour weiter nach Eschborn.

Quelle: RP
 
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