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Thomas Kamphausen
"Das AMG soll Heimat für den Tag sein"

Thomas Kamphausen: "Das AMG soll Heimat für den Tag sein"
Seit dem 1. August ist Thomas Leiter des Bischöflichen Albertus-Magnus-Gymnasiums in Dülken. "Ich bin zu einer sehr offenen und lebendigen Schulgemeinde gestoßen", sagt der 43-Jährige. RP-Foto: F.-H. Busch FOTO: Kamphausen
Viersen. Der neue Leiter des Bischöflichen Albertus-Magnus-Gymnasiums in Dülken spricht über die Vorzüge kirchlicher Schulen, schnelles Internet, das neue G 9 — und verrät, wie er sich als Schüler angestellt hat

Welchen Abi-Schnitt haben Sie?

Kamphausen Ich habe mein Abitur 1994 mit der Note 1,4 bestanden.

Das klingt, als wären Sie ein fleißiger Schüler gewesen...

Kamphausen Von wegen... Ich hatte aber das Glück, mit wenig Aufwand gute Noten erreichen zu können. Schule ist mir einfach leicht gefallen und hat mir viel Spaß gemacht. Das liegt sicher auch daran, dass ich Lehrer hatte, die mich sehr motiviert und als Menschen überzeugt haben.

Sie hatten also als Schüler viel Freizeit. Wie haben Sie die verbracht?

Kamphausen Ich habe als Jugendlicher viel Musik gemacht. Meine Instrumente waren Kontrabass und Klavier, meine Musikrichtungen Klassik und Jazz. Im Schulorchester und in einer Big Band habe ich zum Beispiel gespielt, außerdem im Kirchenchor gesungen und in der Gemeinde St. Michael Holt in Mönchengladbach Jugendgottesdienste mitorganisiert. Eine Zeit lang habe ich auch intensiv Schach gespielt.

Was war Ihre schlechteste Schulnote?

Kamphausen In der sechsten oder siebten Klasse hatte ich mal eine 4- in einer Englisch-Klassenarbeit. Das Thema weiß ich nicht mehr. Mir fällt auch noch eine Anekdote aus dem Sportunterricht ein: Wir waren draußen und sollten Speerwerfen. Mein Speer landete falschrum in der Erde... Der Sportlehrer sagte mir damals voraus, dass ich wohl keine Karriere als Sportler machen werde.

Wenn Sie heute Schüler wären, würden Sie G 8 oder G 9 wählen?

Kamphausen Ich würde auf jeden Fall G 9 nehmen, auch für meine Kinder. Ich glaube, dass Bildung Zeit braucht und dass Kinder und Jugendliche Zeit haben sollten, um Dinge zu entdecken und sich anzueignen. Die Welt ist so vielfältig. Deshalb sollten die Schüler die Möglichkeit haben, auch Projekte zu vertiefen, die sie interessieren, aber vielleicht nicht unmittelbar nützlich sind. Wenn G 9 wieder eingeführt wird, sollten wir Schülern mehr Gelegenheiten bieten, über den Tellerrand der Schule hinauszuschauen - zum Beispiel beim Lernen an Orten außerhalb der Schule, in sozialen und ökologischen Projekte, aber auch beim Einblick in die Arbeitswelt.

Ist es heute leichter oder schwieriger als 1994, sein Abitur zu bestehen?

Kamphausen Es ist jedenfalls nicht schwieriger als früher. Heute ist das Abitur berechenbarer, weil die Lehrer mit den Schülern auf bestimmte Aufgabenformate hinarbeiten. Problemorientiertes Denken wird stärker gefördert. Das ist gut.

Welche Leistungskurse hatten Sie?

Kamphausen Mathe und Musik, das waren meine Lieblingsfächer. Zwei Jahre vor dem Abitur wusste ich, dass ich erstens Lehrer und zweitens Musiklehrer werden wollte.

Warum wollten Sie unbedingt Lehrer - und später Schulleiter - werden?

Kamphausen Ich habe schon als Jugendlicher im schulischen und kirchlichen Umfeld den Eindruck gewonnen, dass ich gut erklären und Menschen anleiten kann. Zudem waren meine Eltern beide Lehrer. Der Beruf macht mir auch nach 15 Jahren viel Freude. Es ist spannend, immer wieder aufs Neue darüber nachzudenken, wie man die Schüler motiviert. Nach dem Referendariat bin ich als Lehrer bewusst an eine katholische Schule gegangen. Irgendwann blickte ich über meine beiden Unterrichtsfächer Musik und Religion hinaus auf das gesamte Schulleben. Daraus wuchs der Wunsch, als Schulleiter mehr Verantwortung zu übernehmen.

Warum wollten Sie an einer katholischen Schule unterrichten?

Kamphausen Ich bin überzeugt, dass wir in einer offenen, bunten Gesellschaft nur dann respektvoll miteinander umgehen können, wenn man selbst einen Standpunkt hat. Und kirchliche Schulen haben einen weltanschaulichen Standpunkt, die christliche Sicht auf den Menschen und die Welt. An kirchlichen Schulen versuchen wir, den Schülern zu helfen, eigene Standpunkte zu entwickeln. Das finde ich überzeugend, es trägt dazu bei, dass eine Gesellschaft nicht auseinanderbricht. Unser Anspruch ist, dass wir den Schüler nicht nur gut unterrichten, sondern uns um ihn als ganzen Menschen kümmern. Wir möchten ihm vermitteln: Du bist als Mensch wichtig, unabhängig von deiner Leistung - und so sollen auch die Schüler miteinander umgehen. Natürlich gibt es Schüler, die nach acht Jahren Schule auf Distanz zur christlichen Prägung gehen. Aber es ist uns wichtig, dass sie sich damit auseinandergesetzt haben.

Wieso wollten Sie ans AMG?

Kamphausen Mich reizt, dass es eine Ganztagsschule ist. Schon an meinen ersten beiden Stationen als Lehrer habe ich erlebt, dass Schule nicht um 13 Uhr zu Ende ist. Schon da stand ich vor der Aufgabe: "Wie gestalte ich einen Tag, der abwechslungsreich und spannend für die Schüler ist?" Es macht mir Spaß, eine Schulwoche zu planen. 2015 bin ich als stellvertretender Schulleiter an eine Schule nach Köln gekommen, die Ganztagsschule ist. Dann sah ich die Ausschreibung für das AMG und habe mich einfach beworben.

Seit dem 1. August sind Sie dort Schulleiter. Ihr erster Eindruck?

Kamphausen Das AMG soll Heimat für den Tag sein. Ich bin zu einer sehr offenen und lebendigen Schulgemeinde gestoßen, die diesen Gedanken lebt. Lehrer, Schülervertreter und Elternvertreter denken aktiv mit und sind dabei immer kritisch-konstruktiv.

Was sind Ihre Ziele für das AMG?

Kamphausen Da gibt es vier Themen, die zusammenhängen. Erstens müssen wir noch mal darüber nachdenken: Was bedeutet "katholische Schule" angesichts einer Schülerschaft, die immer weniger eine Bindung an die Kirche und den christlichen Glauben hat. Zweitens: intensiver darüber nachdenken, wie wir Schüler individueller fördern können. Das hängt - drittens - mit der Digitalisierung zusammen: Wir brauchen nicht nur die technische Ausstattung, sondern müssen auch wissen, was wir damit pädagogisch machen können. Und viertens müssen wir die Wiedereinführung des G 9 gestalten, wenn die Vorgaben klar sind. Das AMG bleibt Ganztagsschule - aber man muss abwarten, welche Gestaltungsräume sich durch das neue G 9 ergeben.

Wie sehen Sie die Schullandschaft in Viersen?

Kamphausen Unser Blick als AMG geht nicht nur auf die Stadt Viersen, sondern in die Region, weil wir einfach den Anspruch und die Vorgabe des Bistums haben, Schule für die Region zu sein. Mein Wunsch an die Politik in Stadt und Kreis Viersen ist, dass wir bei der Digitalisierung unser Engagement bündeln und nicht Zuständigkeiten hin- und herschieben. Wir brauchen Glasfaseranschlüsse in allen weiterführenden Schulen. Dafür gibt es klar formulierte Absichten, Konzepte und Pläne, aber ich wünsche mir, dass wir bei der Umsetzung schneller vorankommen.

NADINE FISCHER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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