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Viersen
Das Feld mit dem vieltausendfachen Tod

Viersen: Das Feld mit dem vieltausendfachen Tod
Ein erschütterndes Zeugnis vom Wahnsinn des Krieges: Josef Meijer, geboren am 20. Februar 1945, überlebte gerade mal einen ganz Tag. In Ysselsteyn fand er seine letzte Ruhestätte, die stets mit Blumen geschmückt ist. FOTO: Peters, Ludger
Viersen. Mehr als 31.000 Tote haben in der Kriegsgräberstätte Ysselsteyn bei Venray die letzte Ruhe gefunden. Ein Besuch zum Volkstrauertag. Von Ludger Peters

31.598 Gräber. Für jedes Grab steht ein Kreuz auf einer riesigen, von Bäumen gesäumten Fläche. Die sorgsam in Blöcken und Reihen angeordneten Gräber mit ihren schlichten, grauen Steinkreuzen zeichnen das sanfte, wellige Profil der Heide- und Moorlandschaft "De Peel" nach. Ganz in der Nähe befindet sich das Dorf Ysselsteyn bei Venray. Es hat der Kriegsgräberstätte für Deutsche ihren Namen gegeben.

Es regnet an diesem Tag, grau hängen Wolken tief über der Landschaft. Arne Schäfer führt bereitwillig über das Gelände. Der junge Mann aus dem Raum Unna verbringt ein freiwilliges Jahr für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) hier. Die Zahl 31.598 stimme nicht, sagt er. "Es kommen immer noch mehr Gräber dazu", erklärt er. Im Gräberfeld gleich links vom Eingang fanden Opfer des Ersten Weltkrieges ihre letzte Ruhestätte. Auf der Anlage stehen immer wieder frische, neue Kreuze. Die sterblichen Übereste von Soldaten, die irgendwo im Land exhumiert oder gar in der See gefunden wurden, werden hier bestattet.

Arne Schäfer (rechts) und ein Kollege im freiwilligen Dienst des VDK vor dem Sarkophag aus dem Jahr 1937. Unter dem Ehrenmal ruhen 13 Soldaten des Ersten Weltkriegs. FOTO: Peters, Ludger

Ihre letzte Ruhestätte haben nicht nur deutsche Soldaten beider Weltkriege hier gefunden. Soldaten der Verbündeten von Nazideutschland liegen hier ebenso wie Männer, Frauen und Kinder, die im Internierungslager Vught bei s'Hertogenbosch starben. Besonders erschütternd für Besucher ist das Grab von Josef Meijer. Er wurde am 20. Februar 1945 geboren und starb nicht einmal 24 Stunden später. Wer die Daten auf den Kreuzen betrachtet, muss tief erschüttert sein. So viele junge Menschen, 16 oder gerade 17 Jahre alt, haben in diesem Krieg den Tod gefunden. Aber es sind auch viele Familienväter, die mehrere Jahre bereits in der Wehrmacht kämpften und irgendwo in den Niederlanden oder bei der Ardennen-Offensive umkamen. Sie alle liegen hier, viele haben ihre Lebensdaten behalten. Viele Kreuze tragen nur die Inschrift "Ein deutscher Soldat". Nichts gibt Auskunft darüber, unter welchen Umständen jemand sein Leben verlor, ob er nur widerwillig dem "Führer" gefolgt war oder ob er zu den verbrecherischen Tätern des Regimes gehörte. Auf diesem Feld des vieltausendfachen Todes sind alle gleich. Hier und da schmücken Blumen oder Kränze einzelne Gräber.

Arne Schäfer erzählt auch vom niederländischen Hauptmann Ludwig Johann Timmermans. Er war im Auftrag seiner Regierung von 1948 bis 1976 Verwalter der Anlage, die eng mit ihm verknüpft ist. Er habe, gegen zum Teil erbitterten Widerstand von Landsleuten, den Soldatenfriedhof angelegt und gepflegt. Er ließ ihn auch nicht nach der Pensionierung los. Timmermanns brachte immer wieder junge Menschen beider Länder hier zusammen. Als er 1995 starb, wurde er kremiert und seine Asche über den Friedhof verblasen. Unweit des Hochkreuzes im Zentrum der Anlage steht ein Gedenkstein.

Unter einer schweren Grabplatte ruhen gemeinsam vier Soldaten: Heinrich Dohmen, Heinz Koch, Franz Madreiter und ein "unbekannter Soldat". Deutsche Gefallene wurden in den ganzen Niederlanden auf Zivilfriedhöfen und Feldgräbern exhumiert und nach Ysselsteyn gebracht. FOTO: Peters, Ludger

Seit 1976 betreut der VDK den Friedhof, damals übergaben die Niederlande ihn der Bundesrepublik. Er ist der größte deutsche Soldatenfriedhof weltweit. Die heutigen Grabkreuze setzten Soldaten der Bundeswehr bis 1981. Angehörige stifteten ein Glockenspiel, das zentral in der Anlage steht und alle halbe Stunde erklingt.

Quelle: RP
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