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Viersen
Das Fotoalbum der Dülkener

Viersen: Das Fotoalbum der Dülkener
Durch Requisiten konnte der Fotograf die Porträtierten in die unterschiedlichsten Umgebungen "versetzen". Diese junge Frau posiert am Gartenzaun, im Hintergrund ist eine gemalte Flusslandschaft zu sehen. FOTO: Albert Breuer
Viersen. Im Nachlass des Fotografen Albert Breuer gibt es viele Porträts. Wer zu sehen ist, weiß man nicht. Von Birgitta Ronge

1866 eröffnet Albert Breuer in Dülken das erste "Photographische Atelier". Dort fertigt er Porträt- und Familienaufnahmen an. 35 Jahre lang hält Breuer die Menschen, die zu ihm kommen, im Bilde fest. Paare kommen ebenso zu Breuer wie Familien. Eltern lassen ihre Kinder fotografieren. Doch wer auf den Fotos zu sehen ist, weiß man nicht. Die Bilder sind nicht beschriftet.

Fast 2000 Bilder gibt es im Nachlass des Dülkener Fotografen. Viele davon sind derzeit in einer Ausstellung zu sehen, die der Verein für Heimatpflege im Viersener Salon in der Villa Marx in Viersen eingerichtet hat. Kuratiert wurde die Schau von Helge Drafz, der in seinem Buch zur Ausstellung, "Photographisches Atelier Albert Breuer. Fotografie der Gründerzeit am Niederrhein" einen tieferen Einblick in die Geschichte der Fotografie gibt - anhand von Breuers Bildern.

Auch wenn man die Namen der Abgebildeten nicht kennt, lässt sich doch allerhand an den Fotos ablesen. Zum Beispiel, welcher Gesellschaftsschicht die Porträtierten angehören. Trägt die Frau eine einfache Frisur mit Mittelscheitel und Knoten im Nacken, gehört sie wohl der Mittelschicht an - sie kann sich kein Mädchen leisten, das ihr das Haar aufwendig hochsteckt. Auch an der Aufmachung der Kleidung, an Spitzen und Borten, am Schmuck lässt sich ablesen, ob die Menschen gut situiert sind oder nicht. Gleichzeitig lässt sich das Alter der Abgebildeten oft kaum schätzen - die Kleidung und die Frisuren machen schon junge Leute alt. Auch Kinder wirken auf den Porträts älter, als sie sind, weil sie die Kleidung Erwachsener tragen.

Viele Familien lassen sich bei Breuer fotografieren. "In allen Haushalten, die es sich leisten können, hängt man ab den 1870er-Jahren Familienbildnisse an die Wand, schickt sie der entfernt lebenden Verwandtschaft, legt Fotoalben an", schreibt Drafz. Im Kreise ihrer Kinder posieren Eltern stolz fürs Foto. Die Familienfotos daheim an der Wand erinnern auch in späteren Jahren noch an diese Gemeinsamkeit, zu Hause mit den Geschwistern, wenn die Kinder erwachsen und verheiratet sind, die Eltern schon verstorben.

Diese Fotos werden wohl nicht alle verloren gegangen sein. Der Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege, Dr. Albert Pauly, hofft, dass Dülkener und Menschen aus dem Umland vielleicht noch einige dieser Fotos besitzen, die Breuer von ihren Vorfahren anfertigte, und wissen, wer darauf abgebildet ist. Dann hätten die bislang unbekannten Menschen einen Namen.

Die Ausstellung im Viersener Salon in der Villa Marx, Gerberstraße 20 in Viersen, ist bis 16. August zu sehen. Geöffnet ist donnerstags bis samstags von 15 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. www.viersener-salon.de

Quelle: RP
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