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Schwalmtal
Das ist die To-do-Liste für die Integration

Schwalmtal. Drei Diskussionsforen gab es im Sommer, um ein Integrationskonzept für Schwalmtal aufzulegen. Jetzt ist ein kreisweites Konzept geplant Von Birgitta Ronge

Ein eigenes Integrationskonzept für Schwalmtal wird es vorerst nicht geben. Das ist das Ergebnis der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Demografie und Soziales. Bei vier Gegenstimmen beschloss die Mehrheit, dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen und kein eigenes Konzept zu entwickeln.

Denn das soll bald kreisweit geschehen: Der Kreistag hatte im September beschlossen, ein kommunales Integrationszentrum (KI) beim Kreis zu installieren. Das Zentrum soll mit fünfeinhalb Stellen besetzt und als Abteilung des Kreissozialamts geführt werden. Start für das KI ist am 1. Januar 2017. Weil es zu den wesentlichen und frühen Aufgaben des KI gehöre, in Abstimmung mit den Kommunen des Kreises ein Integrationskonzept zu entwickeln, erscheine es nicht sinnvoll, parallel dazu ein eigenes Konzept zu entwickeln, hatte die Verwaltung argumentiert. Vielmehr sollten die Erkenntnisse aus der Arbeit vor Ort und aus Diskussionsrunden in das Kreis-Konzept einfließen.

Viele Ideen, wie man die Integration von Flüchtlingen fördern kann, sind in Schwalmtal in den vergangenen Monaten gesammelt worden. Im September 2015 hatte der Gemeinderat beschlossen, ein Konzept zur Betreuung und Integration von Flüchtlingen zu erstellen. Im Juni 2016 gab es zur Vorbereitung eines solchen Konzepts drei Diskussionsrunden zu drei Themenbereichen - zu Spracherwerb und Bildung, zu öffentlichen Räumen und zu Beschäftigung und Arbeit. Eingeladen waren zum Thema Spracherwerb beispielsweise Vertreter der Schulen, zum Thema öffentliche Räume Vertreter von Sportvereinen, zum Thema Arbeit Unternehmer. Konzipiert und moderiert hatten die Abende Mitarbeiter des Instituts für Forschung und Entwicklung in der Sozialen Arbeit (So.Con) an der Hochschule Niederrhein. Bezahlen musste die Gemeinde dafür nicht.

Fazit aus der Spracherwerb-Runde: Der Austausch der Schulen untereinander läuft gut, das Engagement derjenigen, die beim Spracherwerb helfen, ist groß. Doch es gibt auch Verbesserungsmöglichkeiten. So müssten die Schulen etwa personell besser ausgestattet werden. Und damit Erwachsene Sprachkurse aufsuchen können, wäre eine Kinderbetreuung sinnvoll. Im Bereich der Integration in öffentlichen Räumen stellten die Beteiligten unter anderem fest, dass Vereine und Einrichtungen offen für die Arbeit mit Flüchtlingen sind, der Asylkreis und Flüchtlingsberaterin Aga Laszewski als zentrale Anlaufstellen etabliert sind. Doch auch hier gibt es Verbesserungsmöglichkeiten - etwa, indem man eine Übersicht aller Angebote und Ansprechpartner erstellt, Raum für Begegnungen schafft, sich stärker vernetzt.

Fragen ergaben sich auch aus der Runde zum Thema Arbeit: Betriebe würden gern Flüchtlinge beschäftigen oder Praktika bieten, sind aber unsicher, welche rechtlichen Regelungen es gibt, etwa bei der Haftpflicht. Hier empfiehlt das Hochschulinstitut, Informationsveranstaltungen für Unternehmen anzubieten und eine Übersicht mit Ansprechpartnern zu erstellen, damit Firmenchefs wissen, an wen sie sich wenden müssen, wenn sie Flüchtlinge beschäftigen möchten. Auch kann die Gemeinde Arbeitsgelegenheiten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz schaffen, der Stundenlohn liegt bei 80 Cent. Insgesamt 20 dieser Arbeitsgelegenheiten hat die Gemeinde schon eingerichtet, unter anderem sind Asylbewerber als Reinigungskräfte in den Flüchtlingsunterkünften tätig, arbeiten in Schulen oder beim Bauhof.

Marco Kuhn (SPD) mahnte, die Kommune dürfe sich nun nicht zurücklehnen. Thomas Nieberding (Grüne) forderte, aus klaren Aufgabenstellungen jetzt auch klare Ziele zu formulieren, und fürchtete, dass nur noch mehr Zeit ins Land geht, bis ein Konzept vorliegt - schließlich dauerte es von der Antragstellung bis zur Präsentation der Ergebnisse 14 Monate. Hans Schneider (SPD) fürchtete gar, dass der Beschluss nun ein Beerdigen eines eigenen Schwalmtaler Konzepts sei. Die Mehrheit teilte diese Ansicht nicht.

Quelle: RP
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