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Viersen
Das letzte Zuhause in Süchteln verloren

Viersen: Das letzte Zuhause in Süchteln verloren
Aus dem Irmgardisstift mussten alle Senioren ausziehen. FOTO: busch
Viersen. Klaus-Walter und Resi Bleischwitz sind zwei der 45 Senioren, die das Süchtelner Irmgardisstift wegen Brandschutzmängeln verlassen mussten. Ein Schock, für den die Caritas noch eine Rechnung geschickt hat. Von Daniela Buschkamp

Für Klaus-Walter "KW" Bleischwitz (72) und seine Frau Resi (73) ist eine Welt zusammen gebrochen - ihre Welt im Irmgardisstift. Vor rund zwei Wochen erfuhren die Süchtelner, dass sie aus dem Altenheim ausziehen müssen - der Caritasverband Kempen-Viersen wollte es wegen Brandschutzmängeln schließen. Für den 72-Jährigen, der in seinem Leben nur fünf Tage außerhalb von Süchteln verbracht hat und der seine Heimatstadt über alles liebt, ein Schock: "Ich war froh, als ich nach meinem Schlaganfall hier ein neues Zuhause gefunden habe", erzählt er. Und zahlen soll das Paar auch: Obwohl es am 4. Oktober ausgezogen ist, stellte der Verband den gesamten Monat in Rechnung. "Wir haben von der Räumung aus der Zeitung erfahren. Ich habe danach viele Tränen fließen sehen", sagt der Senior mit brechender Stimme. Er hätte sich "eine persönliche Information" gewünscht.

Im Juni war Bleischwitz seiner Frau in das Stift gefolgt: - eine bewusste Wahl, nachdem der 72-Jährige einen Schlaganfall erlitten hatte und beide nicht mehr allein in ihrem Eigenheim leben wollten. "Meine Eltern waren glücklich, nachdem sie den Entschluss gefasst hatten, und freuten sich über ihr Doppelzimmer im Stift", erzählt Sohn Volker. Sie hätten sich im Stift, in dem Resi Bleischwitz zehn Jahre gearbeitet hatte, überaus wohl gefühlt. Für alle drei Generationen der Familie war es ideale Lösung: Sohn, Schwiegertochter und Enkelkinder wohnten gegenüber; Paul (sechs), und Carla (vier) besuchten Oma und Opa oft. Nun musste sich Volker Bleischwitz um ein neues Zuhause für seine Eltern kümmern. Zunächst informierte er sich über die Wohnungen im angrenzenden Neubau - die nahe liegendste Lösung. Allerdings wollte er Service-Leistungen nutzen, etwa für Essen, Wäsche oder Betreuung. Doch dies sei nach Auskunft der Caritas unmöglich gewesen. "Das verstehe ich nicht", wundert sich Bleischwitz. "Warum entlässt man eher Mitarbeiter, als die Wohnungen in die Pflege zu integrieren?"

Jetzt hat sich das Paar neu eingerichtet, viele Gemälde von Süchteln hängen an den Wänden. Doch ihnen fehlen die bekannten Mitbewohner. "Wir hatten Glück und konnten einen Platz im Notburgahaus finden", so Volker Bleischwitz. Dessen Leiter Andreas Pleißner habe die heimatlosen Senioren an einem Sonntag persönlich aufgenommen. Dank des Teams gebe es dort eine tolle Einrichtung.

"Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder. Sonst können Süchtelner Ehepaare nicht mehr zusammen ins Altenheim", meint Volker Bleischwitz. Im Caritas-Neubau gibt laut Sprecher Georg Maria Balsen neben den Pflegeplätzen "25 Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen im Rahmen des ,Betreuten Wohnens'; sie sind zwischen 40 und 65 Quadratmeter groß und barrierefrei". Zurzeit lässt der Verband prüfen, ob er den denkmalgeschützten Altbau weiter als Altenheim umbauen lässt und ob er den Neubau auch autark führen kann. "Dazu müssen viele planerischen Detailfragen untersucht werden", sagt Balsen. Durch den Bau und die Sanierung steckt der Verband in massiven finanziellen Schwierigkeiten: Ihm fehlen mindestens 4,8 Millionen Euro.

Zu den Kostenfragen für die Senioren erklärt Balsen: "Der Verband hat den Umzug entweder selbst durchgeführt oder trägt die Kosten. Selbstverständlich wird der Monat Oktober für Bewohner, die umziehen mussten, nur anteilig abgerechnet." Fragen dazu werden unter Telefon 02162 9670 beantwortet.

Auch wenn sich das Paar im Notburgahaus gut aufgehoben fühlt: Seinen Lebensabend wollte es im Herzen von Süchteln verleben - so, wie die sieben Jahrzehnte zuvor.

Quelle: RP
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