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Viersen
Das wundersame Leben des Christian Eloundou

Viersen. Er war Waisenkind, Straßenkind und Taekwondo-Weltmeister. In Kamerun wurde er politisch verfolgt, in Dülken unterrichtet Christian Eloundou Sportler. Heute Abend liest er aus seiner Autobiografie Von Heribert Brinkmann

Mit seiner Lebensgeschichte, die jetzt in Buchform erschienen ist, möchte Christian Eloundou die Leser ermutigen, niemals aufzugeben, den Augenblick zu akzeptieren und keine Angst vor Neuem zu haben. Mit 42 Jahren eine Autobiografie zu schreiben, bedeutet, viel erlebt und Schlimmes durchgemacht zu haben. Für Eloundou trifft das zu. 1974 in Kamerun geboren, wurde er mit zwölf Jahren zum Waisenkind. Er lebte auf der Straße, bis ihn ein weißer Priester aufnahm und ihm ermöglichte, das Abitur zu machen.

Sein Weg nach oben scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Eloundou absolviert eine Ausbildung zum Drucker und gründet ein eigenes Unternehmen. Nebenbei betreibt er Kampfsport - so gut, dass er Nationaltrainer der kamerunischen Nationalmannschaft im Taekwondo wird. Gleichzeitig engagiert er sich für Straßenkinder - schließlich war er selbst mal eins. Auf diese Weise will er etwas an andere zurückgeben, was er an Hilfe erhalten hat. Sein Einsatz für die Menschenrechte wird ihm in Kamerun zum Verhängnis. 2002 gerät er in eine Falle des Geheimdienstes: Er erhielt einen Druckauftrag für einen Wahlboykott. In seinem Buch erzählt er, wie er seiner Festnahme knapp entkam. 2003 nahm er an der offenen Weltmeisterschaft für Asiatische Kampfkunst in Hannover teil, wurde Weltmeister im Taekwondo in der Disziplin "Bewegungsformen" - und blieb.

Seit 13 Jahren lebt er jetzt in Deutschland, wo er sich ein neues Leben aufgebaut hat. Er arbeitet in Kempen, wo er mit seiner Familie lebt, in einer Druckerei und trainiert Jugendliche in Taekwondo. Mit dem Wetter am Niederrhein hat sich der Westafrikaner abgefunden, sagt er bei seinem Besuch in der Redaktion. Seine Heimat Kamerun vermisst er nicht - er kann sie heute auch wieder jederzeit besuchen. Er ist glücklich, wieder als Drucker arbeiten zu können. Eine Beschäftigung sei für Flüchtlinge der Weg in die neue Gesellschaft. Er hat viele Deutschkurse besucht und sich über deutsche Kultur und Werte informiert. Als "Neuling" müsse man die Erwartungen im neuen Land kennenlernen und sich anpassen, um in der Gesellschaft anzukommen. Das Wichtigste seien aber Sprachkenntnisse. Ohne deutsche Sprache gebe es Probleme mit der Integration.

In seinem Buch beschreibt er, wie er in Deutschland zurechtgekommen ist. Da ist nicht alles eitel Sonnenschein, er verschweigt auch nicht die Schwierigkeiten und Rückschläge. Eloundou beschreibt die bürokratischen Hürden der Asylgesetzgebung und zeigt auf, was Asylsuchenden auch zugemutet wird. Nur unter extremen eigenen Anstrengungen und mit Hilfe von neuen Freunden schafft er es nach vielen Jahren, trotz mehrfacher Ablehnung dauerhaft in Deutschland leben zu können. Aus der Sicht eines Betroffenen schildert er, wie es ist, seine Familie zurückzulassen, um sein Leben zu retten, in Deutschland um Asyl zu bitten und Frau und Kinder ebenfalls in Sicherheit zu bringen. Durch sein sportliches Engagement und sein gewinnendes Wesen gelingt ihm seine Integration - ohne seine eigene Identität aufzugeben. Er ist eben wirklich ein "König der Sonne", so wie ihn seine Großmutter einst als Kind nannte.

Auch wenn Christian Eloundou bereits bestens Deutsch spricht, für das Buch hat er sich professionelle Hilfe gesichert. Er schrieb es gemeinsam mit Inga Hanka, einer freien Journalistin und Fotografin.

Quelle: RP
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