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Brüggen
Dem pelzigen Holzfäller auf der Spur

Brüggen: Dem pelzigen Holzfäller auf der Spur
Markus Heines zeigt der Gruppe Spuren des Bibers und erzählt Wissenswertes zum Tier im Revier. FOTO: Julia Zuew / juz
Brüggen. Wegen seines dichten Fells wurde er gejagt, bei Gläubigen war er als Fastenspeise beliebt: Heute gilt der Biber europaweit als sehr seltene Art und ist geschützt. In Brüggen erkundeten Kinder und Erwachsene sein Revier Von Julia Zuew

Dicke Bäume liegen im Wasser der Dilborner Benden. An der Bruchstelle eines umgeknickten Baumes sind am Holz Bisspuren zu sehen: Hier war der Biber am Werk. Wie die Mitte einer Sanduhr sieht der Stumpf aus, am Boden liegen Späne. "Bei weichen Hölzern schafft der Biber einen Baum mit etwa 40 Zentimetern Durchmesser in einer Nacht", sagt Markus Heines vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Brüggen. Er führte am Wochenende rund 30 Interessierte durch das Revier der Biber an der Schwalm.

Der zweitgrößte lebende Nager der Welt - nur die in Südamerika heimischen Capybaras werden noch größer - liebt die Dämmerung und Dunkelheit. Einschließlich des Schwanzes können die Säugetiere über einen Meter lang werden. Den Tag verbringen Biberfamilien, meist bestehend aus Männchen, Weibchen und zwei bis drei Jungtieren, in der Biberburg - so heißt die Behausung der Nager. "Der Biber mag es bequem und läuft nicht gerne über Land, am liebsten bleibt er im und am Wasser", sagt Heines. Und er meidet das Tageslicht. Aber mit von Bibern angenagten Hölzern, einem Biber-Schädel, Fellen und weiteren Utensilien gewappnet konnten alle Teilnehmer der Führung den Biber trotzdem hautnah erleben.

Diesen Baum hat der Biber vor nicht allzu langer Zeit angenagt — die Spuren sind noch hell und frisch. FOTO: Zuew

1996 wurde nachweislich der erste Biber an den Dilborner Benden gesichtet, nachdem der Schwalmverband 1995 mit der Renaturierung des Flusses begonnen hatte. "Der Biber wurde einst fast ausgerottet", sagt Heines. Der dichte, warme Pelz war heiß begehrt, aber nicht nur deswegen wurde der Biber gejagt. Die sogenannte Kelle, der Schwanz des Bibers, ist mit Schuppen besetzt. Katholische Gläubige dürfen in der Fastenzeit zwar kein Fleisch vom Schwein, Rind oder Geflügel, aber Fisch essen. "Die Leute sagten sich: ,Der Karpfen hat Schuppen, der Hecht hat Schuppen, der Biber hat auch welche'", erzählt Heines. Kurzerhand habe die Kirche einst den Biber auf die Liste der Fastenspeisen gesetzt. Im Mittelalter stand Biberfleisch jedoch auch jenseits der Fastenzeit auf der Speisekarte. Biber-Suppe kommt aber schon lange nicht mehr auf den Tisch: Im 20. Jahrhundert wurde der Biber unter Schutz gestellt. So erholten sich die Bestände über Jahrzehnte, nachdem Europas größtes Nagetier in einigen Teilen Europas ausgestorben war. Die Jagd auf Biber ist seitdem verboten, und auch die Behausungen der Tiere sind streng geschützt. Alle drei Jahre werten Naturschützer unter der federführenden Leitung der Biologischen Station aus, wie viele Biber-Reviere es im Kreis Viersen gibt. Daraus können Experten schließen, wie viele Tiere in etwa die Flächen bewohnen. Vor zwei Wochen wurde die aktuelle Zählung abgeschlossen - 25 Reviere konnten die Fachleute erfassen. "Das sind zwischen 72 bis 82 Biber im Kreis Viersen", sagt Heines. Die meisten Reviere (15) liegen im Schwalmbereich. Sieben sind es an der Nette, und drei Bereiche wurden an der Niers gezählt.

Die Anwohner der Biber-Reviere würden die Tiere zwar kennen, aber selten Genaueres über den Holzfäller aus dem Tierreich wissen, sagt Heines. Auch Erwachsene würden bei der Biber-Tour meist dazulernen. Besucher Frank Schoenen gibt zu: "Ich hatte vorher damit gerechnet, einen Biber zu sehen." Er habe aber nicht gewusst, dass die Tiere meist im Dunkeln aktiv sind - einen Biber gab es nicht zu sehen. "Es war trotzdem sehr schön, und wir würden so etwas definitiv noch mal mitmachen", sagt Schoenen, der mit seinem Sohn mitgewandert ist. Auch der Sechsjährige hatte einen Biber erwartet. "Bist du enttäuscht?", fragt ihn der Vater. Der Junge schüttelt den Kopf.

Quelle: RP
 
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