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Thomas Traill im Interview
Den Naturschutz ins Bewusstsein tragen

Thomas Traill im Interview: Den Naturschutz ins Bewusstsein tragen
Der Lobbericher Thomas Traill ist jetzt die Stimme der Biologischen Station in Wesel. Am liebsten fährt er mit dem Rad - auch zur Arbeit. FOTO: Nikolei
Viersen. Seit Anfang August ist der studierte Chemiker Thomas Traill (27) in der Weseler Bio-Station für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Der "Naturfreak" fährt gerne Rad. Zum Beispiel freitags nach Dienstschluss 55 Kilometer nach Hause nach Lobberich.

Anfang August ist Hans Glader, der langjährige Öffentlichkeitsarbeiter und bekannte Naturfotograf der Biologischen Station am Freybergweg in Wesel, in den Ruhestand getreten. Sein Nachfolger ist der aus Nettetal stammende Thomas Traill. Der 27-jährige Chemiker soll an seiner neuen Wirkungsstätte wissenschaftlich arbeiten, Exkursionen leiten, Vorträge halten und die neue Stimme der Station werden.

Ein Chemiker als Öffentlichkeitsarbeiter der Bio-Station? Wie passt das zusammen?

Traill Das ist weniger unpassend, als es klingt. Bei einer Tätigkeit im Bereich Natur-, Umwelt- oder Klimaschutz hilft auch eine naturwissenschaftliche Grundlage.

Was haben Sie gemacht, bevor Sie nach Wesel gekommen sind?

Traill Zuletzt war ich als freiberuflicher Ornithologe tätig und habe Felder untersucht, die mit Pestiziden behandelt waren. Meine Aufgabe war es zu schauen, welche Auswirkungen das auf die dortige Vogelwelt hat. Zuvor habe ich direkt nach meinem Studium in Aachen beim Naturschutzbund Krefeld/Viersen als Landschaftspflegehelfer gearbeitet.

Gab es in Ihrer Kindheit oder Jugend ein Schlüsselerlebnis, das Ihre Liebe zur Natur geweckt hat?

Traill Das kann ich gar nicht so genau sagen. Sie reicht fast so weit zurück wie mein Gedächtnis. Ich habe als Kind erst die Schönheit der Natur gesehen, dann ihre Unersetzbarkeit. Der Gedanke, Naturschützer zu werden, kam mir wahrscheinlich mit etwa zehn Jahren. Einen großen Einfluss hatten da sicher meine Eltern und andere Menschen, die mir Verantwortungsbewusstsein und Achtung vor dem Anderen vermittelt haben. Das zielte wohl aufs Soziale ab, aber ich habe es auf die Natur ausgedehnt, weil ich gerade hier große Missstände sehe.

Wie haben Sie erfahren, dass die Stelle hier in Wesel frei wurde?

Traill Durch Dr. Ansgar Reichmann, den Geschäftsführer der Biostation Krickenbecker Seen in Nettetal, für die ich vorher ebenfalls tätig war.

Haben Sie mittlerweile Ihren Lebensmittelpunkt nach Wesel verlegt?

Traill Ja, ich habe hier ein Zimmer gefunden. Freitags radle ich zurück nach Nettetal.

Das ist aber doch ziemlich weit.

Traill Etwa 55 Kilometer. Es dauert drei Stunden, aber das ist mein Sport und den genieße ich. Sonst nähme ich Bus und Bahn. Mir ist wichtig, ohne eigenes Auto leben zu können. So schwer ist das heute gar nicht.

Montags, zu Beginn der Arbeitswoche, radeln Sie dann wiederum von Nettetal aus zur Biologischen Station nach Wesel?

Traill Die ersten zwei Monate bin ich Zug gefahren, aber zuletzt habe ich das Rad genommen. Ich habe noch nicht entschieden, wie ich das halte.

Wie ist das, wenn Sie Termine haben? Fahren Sie dann auch mit dem Rad?

Traill Wenn es die Zeit erlaubt, sind Rad und Fuß meine erste Wahl. Sonst nutze ich meist öffentliche Verkehrsmittel. Gelegentlich werde ich wohl den Firmenwagen nutzen.

Wie muss man sich einen Tag bei Ihnen in der Biologischen Station vorstellen?

Traill Da ist jeder Tag anders. Manchmal geht es zur Gänsezählung einen Tag an den Rhein. Andere Tage sind öffentlichen Veranstaltungen gewidmet. Oft bin ich aber auch im Büro oder betreue die Bundesfreiwilligen unserer Station. Es ist eine ansprechende Mischung aus Freiland- und Büroarbeit, aus Einzelarbeit und Teamwork, aus körperlicher und geistiger Anstrengung.

Was tun sich, um sich als Öffentlichkeitsarbeiter der Bio-Station bekannt zu machen?

Traill Ich werde mich in der nächsten Zeit beispielsweise auf Märkten und bei Festen am Stand der Bio-Station präsentieren, so wie kürzlich auf dem NUA-Sommerfest in Recklinghausen und jüngst beim Streuobstwiesenfest in Alpen. Ich möchte, dass das Thema Naturschutz in aller Munde ist. Ich bin froh, dass ich hier viele Freiheiten habe, daran zu arbeiten.

Ist für Sie die Bio-Station in Wesel eine Art Sprungbrett für eine weitergehende Karriere? Welche beruflichen Pläne haben Sie?

Traill Mit gefällt es hier sehr gut. Ich wäre froh, dauerhaft bleiben zu können.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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