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Niederkrüchten
Der amerikanische Traum

Niederkrüchten: Der amerikanische Traum
Mit leuchtenden Augen erzählte Imke Ahlen (17) beim Besuch ihres USA-Paten Uwe Schummer von ihren Erlebnissen an der Schule und mit den Menschen in Nebraska City. Jetzt lernt sie weiter im Wolfhelm-Gymnasium. FOTO: RPO
Niederkrüchten. Imke Ahlen sprüht nach zehn Monaten in den USA vor Begeisterung. Der Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer wählte die 17-Jährige aus Elmpt im Rahmen des PPP als "Botschafterin der niederrheinischen Kultur" aus. Von Wiltrud Wolters

Imke Ahlen musste sich umstellen. In Deutschland geht es sonntags zum Handball. In Nebraska City im Bundesstaat Nebraska war Gottesdienst angesagt. Als absolutes Pflichtprogramm. 7000 Einwohner und 28 Kirchen. "Die Menschen haben einen anderen Bezug zu Gott. Wer nicht an Jesus glaubt, den versucht man zu überzeugen", sagte Imke Ahlen nach ihrer Rückkehr im Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer.

Auf jeden Fall wieder hin

Dicke Fotoalben liegen auf dem heimischen Esstisch in Elmpt. "Das sind nur die besten Bilder. Insgesamt habe ich über 6 000 Fotos gemacht", berichtete Ahlen bei Kaffee und selbst gebackenen amerikanischen Muffins. Die Bilder dokumentieren von Halloween bis Weihnachten, vom Schusswaffentraining bis zum Abschlussball ein prägendes Kapitel ihres jungen Lebens, denn Ahlen hat Feuer gefangen. "Ich möchte auf jeden Fall wieder hin", erklärte die 17-jährige, die derzeit die 12. Klasse im St.-Wolfhelm-Gymnasium in Waldniel besucht.

Später möchte die Elmpterin Englisch, Geschichte und Erdkunde studieren und als Lehrerin Englisch unterrichten. "Es ist ein anderes Gefühl, die Muttersprache zu erleben. Man kann das nicht aus Büchern lernen, wie die Leute dort leben", meinte Ahlen.

Gerade in der Schule hat sie einen wesentlichen Unterschied zwischen den Kulturen ausgemacht. "Schule ist nicht so verhasst wie hier. Dort ist Schule cool. Da geht jeder gerne hin", merkte Ahlen an. Dabei war der Tag prall gefüllt. Zeitweise ging es bereits um 6 Uhr in der Frühe mit dem Tennistraining los. Von 8 bis 15.30 Uhr stand Unterricht auf dem Programm. Anschließend noch mal Training und am Abend Musical oder Chor. Zwei Stunden Training am Tag waren Pflicht. Jeder Lehrer vergab nach jeder Stunde Noten für jeden Schüler, so dass man via Laptop ständig einen Überblick über seinen aktuellen Leistungstand hatte.

Ungewöhnlich auch der Deutschunterricht im Fernkurs mit einem Lehrer, der irgendwo 100 Meilen entfernt saß. Wundern musste sie sich im Geschichtsunterricht. So wurde der zweite Weltkrieg in einer Woche abgehandelt. "Wir haben Schindlers Liste angeschaut, und meine Mitschüler haben gedacht, dass das fiktiv wäre. Am Ende haben sie mich gefragt, ob mein Opa oder mein Vater auch Juden umgebracht hätten", bemerkte die Schülerin.

Das Bildungsniveau sei deutlich niedriger als in Deutschland, stellte sie fest. Dafür habe das soziale Engagement einen höheren Stellenwert. So sind 40 Stunden soziale Tätigkeit eine Bedingung für den Abschluss.

Imke Ahlen lebt ihren amerikanischen Traum immer noch. Die Älteste von insgesamt acht Kindern im Hause Ahlen hält intensiv den Kontakt zu ihren Gasteltern in Nebraska und den neuen Freunden im Internet über Facebook. Allein ihre Schwester hat ihr untersagt, die amerikanische Flagge im Zimmer aufzuhängen. Das ginge dann doch zu weit.

Quelle: RP
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