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Schwalmtal
Der Bio-Anbau ist eine Herzenssache

Schwalmtal: Der Bio-Anbau ist eine Herzenssache
Jan-Paul und Marina van Leendert führen in Schwalmtal einen Bio-Hof. In diesem Jahr baute das Paar erstmals Kartoffeln an. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Schwalmtal. Jeden Tag steht Bio-Bauer Jan-Paul van Leendert aus Schwalmtal auf dem Feld. Dort wachsen rote Bete, Rotkohl, Salate, Buschbohnen und einiges mehr. Seine Ware verkauft er ausschließlich auf Wochenmärkten. Von Jochen Smets

Zu behaupten, dass Jan-Paul van Leendert seinen Beruf gern ausübt, wäre untertrieben. Der Mann ist Bio-Bauer mit Haut und Haaren. "Das ist für mich eine Herzensangelegenheit", sagt er. Die Saat wurde früh gelegt: Sein Vater Peter begann vor 30 Jahren mit dem Bio-Landbau. Er war einer der anfangs oft belächelten Bio-Pioniere in der Region. Sohn Jan-Paul war schon auf Kindesbeinen dabei. Nach einem Abstecher in die Holzbranche - samt Schreinerlehre und Gesellenjahren - zog es den Junior zurück aufs Feld. Einen halben Hektar bewirtschaftet er rund um den Hof am Ortsrand von Dilkrath. Weitere eineinhalb Hektar hat er kürzlich dazu gepachtet.

Seinen Betrieb hält van Leendert bewusst klein. Er will sich nicht um Bürokratie und Verwaltung kümmern, sondern um sein Gemüse. Jeden Tag steht er auf dem Feld. Rote Bete, Rotkohl, Weißkohl, Salate, Kräuter, Buschbohnen, Zucchini, Stangenbohnen, Sellerie, Wirsing und Kartoffeln wachsen dort. Noch immer befällt ihn eine fast kindliche Begeisterung, wenn er das Ergebnis seiner Arbeit in Händen hält und sieht, dass sich die ganze Plackerei gelohnt hat. Dieses Jahr hat van Leendert zum ersten Mal Kartoffeln angebaut. Als es dann ans Roden ging, "war das wie Goldschürfen", sagt er schmunzelnd. Ist uns als Verbraucher diese Leidenschaft und Begeisterung für Lebensmittel abhanden gekommen? "Die Wertschätzung ist verloren gegangen", sagt van Leendert. Jeder Haushalt werfe heutzutage 80 Kilo Lebensmittel pro Jahr weg. "Es ist nicht mehr wichtig, dass ein Produkt gut ist, sondern billig." Dass Aldi, Lidl und Co. längst auf der Bio-Welle mitsurfen, sieht van Leendert durchaus positiv. "Es macht das Thema 'Bio' einer breiten Masse zugänglich. Es wird gesellschaftsfähig." Kritisch sieht er, dass die Discounter in Sachen Bio nicht ganzheitlich denken. Gerade erst habe einer Bio-Gurken aus Ungarn verkauft, obwohl die derzeit auch regional verfügbar seien.

Der Schwalmtaler verkauft ausschließlich auf Wochenmärkten: Donnerstags und freitags steht er mit seinem Wagen in Krefeld, samstags an der Viersener Festhalle. 90 Prozent der Käufer sind Stammkunden.

Billig ist van Leenderts Gemüse nicht. Ein Kilo Stangenbohnen kostet 6,90 Euro, ein Kopf Salat 1,60 Euro, ein Wirsing 2,90 Euro und ein Kilo Zucchini 2,40 Euro. Teurer ist die Bioware, weil van Leendert konsequent auf Kunstdünger, Pestizide, Herbizide und Gentechnik verzichtet. Das bedeutet ein Drittel weniger Ertrag - und mehr Arbeit, denn Unkraut zum Beispiel muss aufwendig von Hand entfernt werden. Gelegentlich mault einer über die Preise. Van Leendert sieht das gelassen. "Wenn sich jemand dafür interessiert, erkläre ich es gerne. Aber ich muss niemanden bekehren."

Quelle: RP
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