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Viersen
Der Blick durchs Schlüsselloch

Viersen. Mel Ramos macht Frauen, die sich zur Schau stellen, zum Inhalt seiner Kunst. In der Galerie Klimczak sind seine Arbeiten bis zum 7. November zu sehen. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Eigentlich wäre das doch eine Ausstellung, in der frauenbewegte Besucherinnen lautstark protestieren müssten. Lauter nackte, sich zur Schau stellende Frauen sind es, die der amerikanische Künstler Mel Ramos zum Inhalt seiner Kunst macht. Und das auch noch in einem kommerziellen Zusammenhang: Pin-up-Girls machen Werbung für einfach alles, Snickers, Zigarren, Getränke; Pin-up-Girls posieren hinter stilisierten Schlüssellöchern - fehlt nur noch der Automat, in den die Besucher der Ausstellung mit Druckgrafiken von Mel Ramos in der Süchtelner Galerie Klimczak ihr Geld einwerfen, um diese Frauen leuchten zu sehen. Bei aller Frauenbewegtheit: Der Protest gelingt nicht. Trotz der Kommerzialisierung der Frau, trotz der Tatsache, dass die Frau bei Ramos zum Objekt wird.

Mel Ramos, vor 80 Jahren in Kalifornien geboren, gilt als einer der bekannteren Pop-Art-Künstler. Die Galerie Klimczak zeigt Ausschnitte aus seinem reichhaltigen druckgrafischen Werk von 1965 bis heute. Die präsentierte Zeitspanne von 1965 bis 2015 beweist, dass sich Ramos thematisch treu geblieben ist: Die nackten stilisierten Frauen stehen im Mittelpunkt. Im Laufe der Jahre sind sie allerdings glatter, glänzender, anonymer geworden.

Ist die Frau in "Bonnards Bath" von 1979 noch eine "echt" und menschlich-warm wirkende Frau (was daran liegen mag, dass Ramos' Frau Modell stand), hat die "Candy"-Frau von 2004 das künstliche Aussehen, das für Ramos typisch geworden ist. Candy macht, wie der Name sagt, Werbung für Snickers. Mehr noch: Sie ist selbst ein süßer Riegel, der von der aufgerissenen Snickers-Verpackung umhüllt wird. Nackt, selbstverständlich. "Lola" wirbt für Cola. Sie steht im klassischen Colaglas und trägt die Züge der amerikanischen Schauspielerin Drew Barrymore. Dieser Zitate bedient sich Ramos immer mal wieder: Marilyn Monroe, auch Claudia Schiffer tauchen auf (wobei letztere es sich verbat, als Modell in einer Ramos-Arbeit aufzutauchen).

Der Blick durch Schlüssellöcher ist das klassische Symbol des Voyeurismus: Peek-a-Boo heißt eine aufwendige Arbeit, die in einer kleinen Edition von zwölf Stück aufgelegt wurde: Sie besteht aus einer Lichtbox, auf der ein Pin-up-Girl aufgemalt ist, das durch ein angedeutetes Schlüsselloch schaut. Ihre Konturen sind ausgeschnitten vor die Figur gelegt. Warum Proteste - zumindest heute - wenn überhaupt, dann schwach ausfallen: weil die Frauen überzogen artifiziell, von der Wirklichkeit so weit entfernt sind.

Info Die Ausstellung in der Galerie Klimczak, Oberstraße 2 in Viersen-Süchteln, ist bis Samstag, 7. November, jeweils dienstags bis freitags, in der Zeit von 12 bis 18 Uhr, und samstags in der Zeit von 11 bis 14 Uhr zu sehen.

Quelle: RP
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