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Schwalmtal
Der Herr der Gitarren

Schwalmtal: Der Herr der Gitarren
Helmut Stauder schleift in seiner Werkstatt Gitarrenbünde, die vom häufigen Spielen abgenutzt sind - so wird das Instrument aufgewertet. FOTO: jörg knappe
Schwalmtal. Helmut Stauder baut seit 30 Jahren Zupfinstrumente. Mit einem Blick auf Gitarre und Co erkennt er, wie gut ein Musiker sie beherrscht Von Tim Specks

Helmut Stauder streicht mit seinen Fingern über den Hals einer Westerngitarre. Dann rückt er seine Schreibtischlampe zurecht und sieht sich die einzelnen Bindungen aus der Nähe an. "Eins sieht man sofort", sagt er. "Die Gitarre hat kein Virtuose gespielt."

Helmut Stauder, 63, lange, graue Haare, gleichfarbiger Bart, blauer Kittel und rote Brille, ist Zupfinstrumentenmacher. "Eigentlich ein ziemlich sperriges Wort", sagt er und lehnt sich dabei in seinen Stuhl. Laien würden ihn eher als Gitarrenbauer bezeichnen. Das trifft aber nur einen Teil seiner Arbeit. Wer seine Werkstatt auf dem Schwalmtaler Land betritt, sieht sofort: Stauder baut eben viel mehr als nur Gitarren. An den Wänden, auf Tischen und unter der Decke stehen und hängen einige der Instrumente, die der gebürtige Dülkener repariert - oder selber gebaut hat.

In dem kleinen Raum, in dem Besucher sofort diesen typischen Werkstattgeruch, eine Mischung aus Holz-, Leim- und Metalldüften, bemerken, arbeitet Stauder mittlerweile seit rund 30 Jahren. Vorher war er in Viersen tätig, kurze Zeit auch in Dülken.

Angefangen hat all das 1980. "Ich habe damals nach dem Abitur Jura studiert, mich aber auch immer für den Bau von Instrumenten interessiert", sagt Stauder. Nach einiger Zeit war für ihn klar: Er muss sich für eine Sache entscheiden. "Beides parallel zu machen, war nicht möglich." Er entschied sich, eine Ausbildung zu machen - und wurde Zupfinstrumentenmacher.

Mittlerweile steht Stauders Geschäft auf drei Säulen: Bau nach Kundenwünschen, Reparatur und Verkauf fertiger Instrumente. "Beim Bau von individuellen Instrumenten", sagt Stauder, "ist es wie bei Maßanzügen - sie sollten genau zum Kunden passen." Im Jahr verkauft er rund fünf maßgefertigte Stücke. Die Kosten für eine nach Kundenwünschen gestaltete Gitarre können dabei schon mal bei 3000 Euro liegen. Dafür aber kann der Instrumentenbauer genau auf Soundvorstellungen und optische Wünsche seiner Kunden eingehen. "Die einen möchten Verzierungen aus Perlmutt, die anderen ihre Initialen auf dem Gitarrenhals eingraviert haben", sagt er. Eines ist ihm bei aller Individualität wichtig: "Fabrikinstrumente müssen nicht zwangsläufig schlecht sein." Gerade für Einsteiger könnten fertige Modelle gut geeignet sein: "Preiswerte Instrumente sind immer besser geworden."

Neben dem Bau eigener Instrumente kümmert sich Stauder in seiner kleinen Werkstatt auch um die Reparatur einzelner Stücke. Grundsätzlich, sagt er, könne jedes Instrument repariert werden. "Die Frage ist nur, ob es immer wirtschaftlich ist." Manche Kunden könnten kaum einschätzen, ob sich eine Reparatur finanziell lohnt oder ein Neukauf die bessere Entscheidung wäre. Bricht etwa der Kopf einer Gitarre ab, sehe das "brutal" aus, sei aber recht einfach zu reparieren. Auf der anderen Seite gebe es auch Fälle, in denen die Reparatur einer 40-Euro-Gitarre 140 Euro kosten würde - aus wirtschaftlicher Sicht Unsinn.

Sich selbst beschreibt Stauder als geduldigen Mensch. Nur, wenn etwa ein Zulieferer Probleme mache, könne er genervt sein. Die schönsten Momente auf der anderen Seite seien die, in denen Kunden ihr neues Instrument zum ersten Mal sehen: "Da freuen sich Erwachsene wie kleine Kinder."

Quelle: RP
 
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