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Schwalmtal
Der Kranenbach fließt bald wieder offen

Schwalmtal: Der Kranenbach fließt bald wieder offen
Vom Kockskamp bis zum Kranenbachcenter hat der Kranenbach ein neu gestaltetes Bett erhalten. Das Wasser, das man hier sieht, ist kein Bachwasser, sondern Grundwasser, das aus der Baugrube abgepumpt wurde. FOTO: Busch
Schwalmtal. Der Schwalmverband baut an der Hauptstraße in Amern einen Durchlass für den Kranenbach. Ende des Monats soll er fertig sein. Dann wird die Straße für den Verkehr freigegeben — und der Durchlass für den Bach und seine Bewohner Von Birgitta Ronge

Hoch oben am Kran hängt ein riesiges Betonteil. 15 Tonnen schwer ist das Stück von einem Rohr, das mit dem Kran langsam über die Baumwipfel gehoben wird und dann in die Baugrube hinabgelassen wird. Die Grube durchschneidet die Hauptstraße in Amern, die wegen der Bauarbeiten noch für den Verkehr gesperrt ist.

Eigentlich sollten die Arbeiten gar nicht so lange dauern, erklärt Thomas Schulz, Geschäftsführer des Schwalmverbands. Ende der Sommerferien wollte der Schwalmverband, der die Arbeiten durchführt, fertig sein. Doch als man die Grube anlegte, um den neuen Durchlass für den Kranenbach anzulegen, stieß man auf Leitungen und Kabel, die nicht alle da lagen, wo sie den Plänen zufolge liegen sollten. Zum Teil mussten Leitungen abgeklemmt oder verlegt werden.

15 bis 20 Tonnen schwere Betonteile bilden den Durchlass. FOTO: Busch

Nun ist ein Ende in Sicht: In den nächsten Tagen werden die Leitungen verbunden, heute ist Gas dran, Freitag Wasser. Der Durchlass soll dann fertig sein. In der kommenden Woche wird der Unterbau für die Straße angelegt, am Mittwoch folgt der Asphalt. Ab Donnerstag soll die Hauptstraße wieder befahrbar sein.

Der Durchlass-Bau bildet den letzten Teil eines größeren Projekts zur Renaturierung des Kranenbachs. Auf beiden Seiten des Durchlasses hat der Schwalmverband dafür gesorgt, dass der Bach wieder Lebensraum für Pflanzen und Tiere wird. Denn der gerade Verlauf des Bachs und vor allem das Rohr, durch das der Bach auf einer Länge von 80 Metern unter dem Parkplatz des Kranenbachcenters hindurchfloss, machten es Tieren unmöglich, auf die andere Seite zu kommen. Das Rohr stand zeitweise trocken. Dort fiel kein Licht ein, und dort entwickelte sich auch keine Sohle. So, erklärt Schulz, kamen weder Mikroorganismen noch Fische auf die andere Seite. Sie konnten dem Kranenbach nicht bis zur Mündung folgen. Am Kranenbachcenter war Schluss.

Der EU-Wasserrahmenrichtlinie folgend kümmerte sich der Schwalmverband darum, den Kranenbach wieder in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. 900.000 Euro kostete die Maßnahme insgesamt, 80 Prozent der Kosten trägt das Land NRW, den Rest der Schwalmverband. Zunächst wurden auf beiden Seiten des Durchlasses kleine Auen geschaffen. Pflanzen wie Röhricht- und Seggen-Arten, auch Erlen haben sich inzwischen angesiedelt. Baumwurzeln und Steine reduzieren die Fließgeschwindigkeit. Ist der neue Durchlass fertig, wird das Bachbett an der Brücke mit einer Barriere versehen. Dann fließt der Kranenbach nicht mehr geradeaus durchs Rohr, sondern rechts ab durch den neuen Durchlass.

Sollte es ein Starkregenereignis geben, fließt der Kranenbach über die Barriere. Dann fließt das Wasser auch durch das alte Rohr unter dem Parkplatz hindurch.

Quelle: RP
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