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Brüggen
Der Meister des präzisen Kupferstichs

Brüggen: Der Meister des präzisen Kupferstichs
Auf einem Stich sind Gefäße wie diese zu sehen, die aus der Sammlung des Museums stammen. FOTO: Ilgner
Brüggen. Um die Jahreswende von 1616 auf 1617 starb der in Bracht geborene Kupferstecher Hendrick Goltzius. Das Museum Schloss Rheydt zeigt bis zum 26. Februar ausgewählte Werke aus der grafischen Sammlung Von Angela Wilms-Adrians

Als Kind verbrannte sich Hendrick Goltzius beide Hände. Zeit seines Lebens konnte er die rechte Hand nicht richtig öffnen. Dennoch erlernte er den Kupferstich und brachte es zu herausragender Meisterschaft. In einer Sonderausstellung mit ausgewählten Werken aus dem Bestand ehrt das Museum Schloss Rheydt den Kupferstecher, der 1558 in Bracht am Niederrhein geboren wurde. Auf Anraten seines Lehrmeisters Dirck Volkertszoon zog Goltzius in das niederländische Haarlem, wo er großes Ansehen genoss und vor beinahe 400 Jahren verstarb.

"Sein Werk hat große Wirkung gezeigt. Es wurde von Zeitgenossen gerne abgekupfert - trotz der Privilegien, die Goltzius genoss -, und es diente vielen Kunsthandwerken als Vorlage", betont Museumspädagoge Klaus Möhlenkamp und nennt zwei Beispiele: Im Museumsbesitz befinden sich ein Schrank und eine Truhe mit geschnitzten Herkules-Darstellungen, die nach Goltzius' Motiven gestochen wurden.

Die Ausstellung zeigt vorwiegend christliche und mythologische Themen sowie Allegorien. Hier "Das Urteil des Midas", eine Illustration zu Ovids "Metamorphosen". Der eselsohrige König Midas ist rechts im Bild neben König Timoleon und Pan zu sehen, wie die Musen lauscht er dem Spiel Apollons. FOTO: Detlef Ilgner

Die Ausstellung zeigt vorwiegend christliche und mythologischen Themen sowie Allegorien. Sie dokumentiert, dass Goltzius Bild-Ideen erfunden, entworfen und selbst gestochen hat sowie Gemälde von großen Künstlern seiner Zeit auf Kupferstich übertragen und somit zu deren Verbreitung beigetragen hat. Einige wenige Beispiele zeigen, dass er auch ein begnadeter Holzschneider war.

Das Blatt "Herkules erschlägt Cacus" ist im "Chiaroscuro" oder "Clair Obscur" gearbeitet, einem Gestaltungsmittel, das sich durch starke Hell-Dunkel-Kontraste auszeichnete und zur Steigerung des Ausdrucks und der Räumlichkeit diente. Bei der Darstellung eines Hackbrettspielers hingegen schraffierte der Meister stärker, um die Räumlichkeit zu steigern.

Eine Serie mit Darstellungen von antiken Gottheiten zeigt typische Motive der damaligen Zeit. So hat Goltzius zum Beispiel ein Fresko von Caldara als Vorlage für einen Kupferstich gewählt. Charakteristisch für die Zeit und sein Schaffen sind viele symbolische Anspielungen. Zwei Blätter aus einem Jahreszeitzyklus zum Beispiel verbinden Frühling und Winter mit Lebensaltern und sexuellen Anspielungen: Aus Kindern, denen ein Böckchen und Unschuldslamm zur Seite stehen, wird ein Paar, während im Hintergrund der Ziegenbock das Unschuldslamm reißt. Die Meisterstiche nach Gemälden berühmter Künstler sind für das Medium Kupferstich von enormer Größe. Faszinierend hat Goltzius auch hier die Ausdruckskraft der Vorbilder im Kupferstich umgesetzt. "Das ist eine unendlich präzise Arbeit. Durch harten oder feineren Druck des Grabstichels wird die Helligkeit bestimmt. Da durfte kein Schnitzer passieren", betont Möhlenkamp. In einem Stich nach Dürer hat sich Goltzius selbst ins Bild gebracht. Die Ausstellung zeigt auch ein Porträt des Kupferstechers, allerdings von fremder Hand. Doch so ist überliefert, wie der bedeutende Kupferstecher im Alter aussah.

Quelle: RP
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