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Niederkrüchten
Der Schwimmmeister für alle Fälle

Niederkrüchten. Timo Gertönis rettet nicht nur Menschen aus dem Wasser, er rettet auch Bäder: Der 29-Jährige hilft in Gemeinden, denen Personal fehlt Von Birgitta Ronge

Timo Gertönis war immer von Wasser umgeben. Als Junge war er im Schwimmverein, dann in der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Als er zum Wehrdienst eingezogen wurde, ging er zur Marine. Mit dem Schulschiff "Gorch Fock" segelte er über die Ozeane - von Gran Canaria zu den Kapverdischen Inseln und weiter zu den Azoren, auch nach Südafrika, als dort die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde.

Und jetzt sitzt der 29-Jährige in Niederkrüchten, erneut von Wasser umgeben: Am Beckenrand des Freibades steht sein weißer Plastikstuhl hinter der Rutsche. Immer wieder klettern Kinder die Leiter hinauf, rutschen hinunter und landen mit einem Platschen im Wasser. Weiter hinten im Becken werfen sich Jungen einen Wasserball zu, andere kommen angelaufen und fragen: "Wann macht ihr den Fünf-Meter-Turm auf?" - "Um fünf Uhr", antwortet Gertönis und deutet auf die große Uhr, die über der Dusche hängt. "Okay", rufen die Jungen, werfen einen Blick auf die Uhr und laufen wieder davon, um erneut ins kühle Nass abzutauchen. Bis fünf Uhr dauert es noch ein bisschen.

Timo Gertönis ist selbstständiger Schwimmmeister. Er springt dort ein, wo Personal fehlt - für ein paar Wochen oder Monate, je nachdem, wie lange in der Gemeinde, in der er tätig ist, Mitarbeiter wegen Urlaub oder Krankheit ausfallen. Das war auch in der Gemeinde Niederkrüchten der Fall. Also stellte die Gemeinde vorübergehend Gertrönis ein. Als in Elmpt das Hallenbad noch geöffnet war, kümmerte sich Gertönis dort schon um die Badegäste. Seit das Hallenbad geschlossen und das Freibad geöffnet ist, steht er nun dort am Beckenrand.

Große Kommunen können auf mehr Mitarbeiter zurückgreifen, Dienstpläne ändern, wenn jemand krank wird. In kleineren Kommunen sieht das anders aus: Finde man dort für die Urlaubs- oder Krankheitszeit von Mitarbeitern keine Vertretung, müssten Öffnungszeiten verkürzt, Bäder vorübergehend geschlossen werden, erklärt der Fachangestellte für Bäderbetriebe. Und für solche Fälle ist er da.

Heute hier und morgen dort zu sein, ist nicht jedermanns Fall. Der Weseler hingegen ist gern unterwegs. Das war er schon während der Zeit als Reserveoffizier bei der Marine, danach zog es ihn in die Schweiz, wo er als Badmeister arbeitete. Dort lernte er seine Frau kennen, die aus Xanten stammt - und die beiden zogen zurück an den Niederrhein. "Ich bin kein Mensch, der mit dem Stillstand leben möchte", sagt Gertönis, "ich genieße die Abwechslung".

Über fehlende Abwechslung kann er auch nicht klagen: Im Freibad ist immer etwas los. Als einer von drei Schwimmmeistern im Bad muss er sich darum kümmern, dass die Besucher die Haus- und Badeordnung einhalten, auf Sauberkeit und Hygiene achten. Streiten sich Kinder, vermittelt er, springen Jugendliche vom Beckenrand, erklärt er ihnen, dass das nicht geht und fürs Springen der Sprungturm da ist. Lassen Eltern den Nachwuchs aus den Augen, versucht er, ihnen zu erklären, was sie bei der Aufsicht besser machen können. "Wir haben die Aufsichtspflicht, und wir haben berufsbedingt einen anderen Blick auf die Gefahren", sagt der 29-Jährige. Als Schwimmmeister versuche er, Eltern für diese Gefahren zu sensibilisieren - schließlich möchte niemand, dass ein Kind ertrinkt.

Dass er bei der Arbeit mit so vielen Menschen zu tun hat, sei für ihn genau das Richtige, hat Gertönis festgestellt. Und dass er dabei die Möglichkeit hat, auch noch Sport treiben zu können, gefällt ihm gut. Hat er Frühschicht, springt er morgens auch mal ins Wasser: Um acht Uhr hat er das Becken für sich allein.

Quelle: RP
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