| 00.00 Uhr

Viersen
"Der Tod hält sich nicht an Dienstpläne"

Viersen: "Der Tod hält sich nicht an Dienstpläne"
Caritas-Geschäftsführer Peter Babinetz (erste Reihe r.), daneben Bereichsleiterin Beate Caelers und Kursusleiterin Susanne Kiepke-Ziemes, überreichten den Absolventen ihre Zertifikate. FOTO: Caritas
Viersen. Erstmals organisierte der Caritasverband in eigener Regie einen Fortbildungskursus in palliativer Pflege durch. Die Teilnehmer erfuhren, wie sie todkranken Menschen in der letzten Lebensphase optimal begleiten können. Von Kai Aussen

In ihrem Beruf begegnet Sarah Stammen (25) immer wieder sterbenden Menschen. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet in der Caritas-Pflegestation in Kempen, pflegt kranke und alte Menschen in deren Wohnung. Früher war sie in einem Krankenhaus beschäftigt. "Da war es nicht möglich, bei einem todkranken Patienten am Bett zu sitzen und ihm zehn Minuten die Hand zu halten - wir hatten einfach keine Zeit dafür", schildert sie. Auch in der ambulanten Pflege ist die Zeit knapp. Dennoch sagt die 25-Jährige nach der 160 Stunden umfassenden Fortbildung: "Heute würde ich mir diese Minuten nehmen und das auch gegenüber meinen Kollegen vertreten."

Palliative Pflege setzt dann ein, wenn ein kranker Mensch nicht mehr geheilt werden kann. Im Kursus lernten die Pflegefachkräfte, wie sie Schmerzen und andere Symptome lindern können und wie sie mit psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen umgehen. "Sie tragen künftig dazu bei, dass Menschen in ihrer letzten Lebensphase möglichst viel Lebensqualität erfahren und ihre Angehörigen gut begleitet werden", sagte Caritas-Geschäftsführer Peter Babinetz, als er den Teilnehmern jetzt ihre Zertifikate überreichte. Zu den Absolventen gehörten neben Fachkräften aus der Region Kempen-Viersen auch Mitarbeiter der Caritasverbände aus Mönchengladbach und der Eifel.

Seit Jahren beschäftigt sich der regionale Caritasverband in einem bereits mehrfach ausgezeichneten Projekt mit der Frage, wie sterbende Menschen in seinen Einrichtungen optimal begleitet werden können. Koordinatorin Susanne Kiepke-Ziemes hatte die Idee, selbst eine Fortbildung in palliativer Pflege anzubieten. Bisher wurden die Mitarbeiter extern geschult. "Besonders wichtig war uns, den Teilnehmern neben dem Fachwissen auch eine besondere Haltung gegenüber Sterbenden und deren Familien zu vermitteln", sagt sie.

Dass dies gelang, bestätigt Lilian Bridonneau. Er leitet die Caritas-Pflegestation Viersen und den ambulanten palliativpflegerischen Dienst des Caritasverbandes. "Die Pflege eines sterbenden Menschen lässt sich nicht exakt festlegen - der Tod hält sich nicht an Dienstpläne", sagt er. Umso wichtiger sei es, dass die Mitarbeiter flexibel reagieren und authentisch seien. Sie müssten aber auch lernen, mit eigenen psychischen Belastungen umzugehen.

"Der Kursus wird mir in meiner Arbeit weiterhelfen", sagt Britta Jartwig, Koordinatorin bei der Hospizinitiative Kreis Viersen. Der Verein arbeitet eng mit dem Caritas-Pflegedienst zusammen. "Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter sind für die Schwerstkranken da. Sie stehen für Gespräche zur Verfügung, kümmern sich um die Angehörigen oder beschäftigen sich mit den Kindern, wenn etwa eine Mutter an Krebs erkrankt ist", erläutert Jartwig.

Nach der erfolgreichen Premiere des Kurses wird der Caritasverband im kommenden Jahr erneut eine Fortbildung anbieten, an der auch Pflegefachkräfte von anderen Trägern teilnehmen können. Informationen gibt es bei Susanne Kiepke-Ziemes, Telefon 02162-93893592, "s.ziemes@caritas-viersen.de".

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Viersen: "Der Tod hält sich nicht an Dienstpläne"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.