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Viersen
Der Wasserturm lockte ihn nach Viersen

Viersen: Der Wasserturm lockte ihn nach Viersen
Vor rund 33 Jahren zog die Familie Brög-Wichelhaus in den alten Wasserturm in Viersen. Hans Brög hatte sich in den Turm verliebt. FOTO: Busch
Viersen. Heute feiert Hans Brög seinen 80. Geburtstag. Von seiner Tatkraft hat der Künstler und Kunsthistoriker nichts eingebüßt. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Wenn Sie, lieber Leser, diese Zeilen lesen, hat Hans Brög sein Glas Champagner anlässlich seines Geburtstages bereits getrunken. Nicht, dass jemand das falsch versteht: Angestoßen wurde um Mitternacht! Zu diesem Zeitpunkt begann Hans Brögs Geburtstag.

Heute wird er 80 Jahre alt. Und er hat nichts von seiner Tatkraft und seinem scharfen und gerne auch mal zu Provokationen neigendem Verstand eingebüßt. Warum auch? Ein hohes Alter zu erreichen ist schließlich nicht unbedingt gleichzusetzen mit einem Nachlassen des Urteilsvermögens, des Interesses an der Welt und der Fähigkeit, dieses in Worte umzusetzen. Zumal nicht bei einem Mann, der sich ein Leben lang intensiv für vielfältige Bereiche um das Thema Kunst, Kunstdidaktik, den Kunstbegriff, Denkmalserhaltung interessiert, immer aufmerksam und genau hingeschaut und nichts als (Gott-)gegeben hingenommen hat.

Wie kommt ein in Duisburg lehrender Bayer mit in Köln lehrender Frau und Kindern nach Viersen? "Wir haben Viersen nicht gesucht", sagt Brög - aber Viersen und vor allem der alte Wasserturm, der zum Verkauf stand, sorgten dafür, dass die Familie Brög-Wichelhaus hierher kam. Vor etwa 33 Jahren zog sie in den Turm, in den Brög sich verliebt hatte. "Meine Einsicht von heute: Es gibt nicht die einzig optimale Wohnsituation!", so Brög. Ein wahres Wort.

Mit dem Einzug in den Turm begannen sich die Kontakte zu entwickeln, über die Brög Teil der kulturellen Szene der Stadt wurde: Albert Pauly, Paul Schrömbges, die damalige Bürgermeisterin Marina Hammes, die damalige Kulturamtsleiterin Adelheid Limbach traten auf Brög zu und auf diese Weise entstanden einige Ausstellungs- und Kunstprojekte.

Brögs bereits erwähntes klares Urteilsvermögen und sowohl sein Mut als auch seine Fähigkeit, seine Meinung in klare Worte zu fassen, waren in manch einer Diskussionsrunde und Ausschusssitzung gefragt. Brög erzählt: "Mein Rezept war immer: Man braucht Geld, um einigermaßen leben zu können, und viel Zeit." Ein Lebensprinzip, das er nie bereute. Mit der Lehrtätigkeit verdiente er das Geld, und in der Zeit, die ihm blieb, konnte er sich unter anderem der eigenen Kunst widmen - jeden Abend entstehen im Übrigen "ohne nachzudenken" expressive Zeichnungen - und dem lustvollen Aufbau seiner Sammlungen, darunter Kunstbücher, afrikanische Skulpturen, Objekte aus Kunststoff, Bilder und Plastiken zeitgenössischer Künstler.

Sein eigenes künstlerisches Schaffen, genauer gesagt, die Anteile daraus, die, wie er sagt, bei den Kollegen nicht vorkommen, hat Brög in den vergangenen Jahren in Katalogbüchern zusammengefasst: Da geht es um die Keramik, die Druckgrafik und die Copy Art. In der Druckgrafik hat er die Thermogravuren entwickelt, in denen mit einem Lötkolben Polystyrolplatten bearbeitet werden. Das Ergebnis zeitigt einen faszinierenden Oberflächencharakter. Die Idee der Copy Art ist es, nicht möglichst genau zu kopieren, sondern die Vorlage zu "überlisten" und "eigenartige Ergebnisse" zu erzielen.

Sein Leben am heutigen Tage Revue passieren lassen - davon hält Brög wenig. Nachkarten würde er sowieso nicht wollen. Und das braucht er offensichtlich auch gar nicht. Denn er erzählt, dass ihm oft der Gedanke komme, dass manche Dinge so verdammt gut gelaufen seien, dass er das auf diese Weise gar nicht habe planen können. Besser kann ein vorläufiges Lebensfazit doch gar nicht lauten, oder?

Quelle: RP
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