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Kreis Viersen
Die Angst vor dem Rotwild

Kreis Viersen. Die niederländische Forstverwaltung hat in Den Haag beantragt, Rotwild am Meinweg anzusiedeln. Deutsche und niederländische Landwirte laufen dagegen Sturm. Sie werfen deutschen Forstbehörden vor, das Projekt zu stützen. Von Ludger Peters

Paul Christian Küskens hat in den vergangenen Monaten hinzugelernt. Wenn ein Minister etwas nicht will, bedeutet das nicht, dass nachgeordnete Behörden ihm folgen. Die Besitzer eines Gartenbaubetriebs in Niederkrüchten schaut angstvoll in die Niederlande. "Die wollen da unbedingt den Rothirsch ansiedeln und setzen sich bisher über alle Einwände hinweg", hat er festgestellt.

Werbung für das Projekt

"Die" sind niederländische und deutsche Forstbehörden sowie der Internationale Naturpark Maas-Schwalm-Nette. Beharrlich werben sie überall – zuletzt auf der Großmesse Jagd und Hund in Dortmund – für das Projekt. Das deutsche Regionalforstamt Niederrhein in Wesel setzt sich dabei über Ansichten des eigenen Dienstherrn hinweg. Minister Eckhard Uhlenberg hatte im vergangenen Jahr dem besorgten Vorsitzenden der Kreisbauernschaft Krefeld-Kreis Viersen, Heinz-Josef Tölkes, berichtet, sein Ministerium habe zwar mit anderen eine Studie in Auftrag gegeben. Es sei aber nicht richtig, wenn verbreitet werde, dass das Regionalforstamt Niederrhein und die niederländische Forstverwaltung gemeinsam ein Pilotprojekt zur Ansiedlung von Rotwild verwirklichen wollten. Dauerhaft sei dies ohnehin nur im regionalen Konsens möglich. Und den könne er angesichts des Widerstands von Waldbesitzern, Landwirten sowie Vertretern der Jagd nicht erkennen.

"Der Leiter des Regionalforstamtes und der Naturpark werben dennoch weiterhin für das Projekt", weiß der Geschäftsführer der Kreisbauernschaft, Udo Horstmann. Ihm erscheint ein solcher Ungehorsam ungeheuerlich. Im vorigen Sommer hatte der Landschaftsbeirat des Kreises die Rotwildansiedlung abgelehnt. Selbst Naturschutzvertreter hatten nach Vorträgen von Experten abgewunken.

Rotwild ist seit etwa hundert Jahren nicht mehr in der Region heimisch. Die majestätischen Tiere haben nach Auffassung der Landwirtschaft hier keinen Platz mehr. "Es reicht schon, dass eine Gruppe durch eine Gemüsekultur marschiert, um sie wertlos zu machen", erklärt Küskens. Rotwild, das immer in Gruppen auftrete, fresse große Flächen an Mais oder Getreide und selbst Spargelbeete leer. Um Wildschäden zu verhindern, müssten zwei Meter hohe Maschendrahtzäune angelegt werden.

Wenn die deutschen Behörden keinen Rotwildbezirk ausweisen, gehen die Niederländer ein gewaltiges Risiko ein. Die Tiere dürfen in der Jagdzeit komplett abgeschossen werden. Das Projekt ist darauf ausgelegt, dass Rotwild zwischen Meinweg und Reichswald bei Kleve wandert. Trotzdem liegt dem niederländischen Ministerium ein Antrag auf Zulassung vor.

Quelle: RP
 
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